Gasthaus aus Oberampfrach, Wirtshaus am Freilandmuseum (Haus Nr. 2)

Gasthaus aus Oberampfrach am alten Standort
Gasthaus aus Oberampfrach am alten Standort

Gerichtssitzung mit Selbstgebrautem, aber die Fürstengeliebte ohne Teller

Privatisierung der Gerichtsstätte

Das stattliche qualitätvolle Gasthaus „Zur Krone“ aus Oberampfrach, Lkr. Ansbach, erbaut 1705, passt nicht so recht zum Bild einer einfachen Dorfwirtschaft. Der Legende nach soll es sich um ein „fürstliches Gebäude“ gehandelt haben, ja vielleicht sogar als Abfindung für eine Geliebte des damaligen Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, wie alte Leute in Oberampfrach noch heute erzählen.

Wie immer, steckt ein wahrer Kern dahinter. Belegt ist nämlich, dass um 1700 das markgräfliche Vogtamt Haundorf-Ampfrach aufgelöst und umorganisiert wird. Dabei werden große Teile des Ausstattungsbesitzes zur Nutzung des Vogtes privatisiert. Darunter auch das Grundstück, auf das der vermögende Investor, der Bauer Hans Georg Krauß, sogleich nach dem Erwerb eine Erbtaverne mit Braugerechtigkeit zu errichten hat, damit über das Umgeld (die Biersteuer) umgehend wieder Steuern in die Staatskasse fließen. Zur Ankurbelung des Projekts wird auch das ausschließliche Privileg zur Abhaltung von Hochzeiten, Kindstaufen und Leichenmähler für mehrere Dörfer und Weiler der Umgebung verliehen. Der Gastwirt kauft neben großen Waldabteilungen und Ackerfluren auch einige große Karpfenweiher dazu, womit das heutige Museumsgasthaus sozusagen bis heute im Aischgrund in einer alten Tradition steht.

Da nun mit dem Abbruch des nahen Vogtschlosses ein Amtssitz für die Gerichtstage fehlt, wird das Ehhaft-, Rug- und Heilinggericht, somit die Gerichtstage für die niedere Gerichtsbarkeit der Obrigkeit, der Dorf- und Kirchengemeinschaft, wie vielerorts üblich, jährlich im Tanzsaal abgehalten.

Fürstenherberge?

Das „Fürstliche“ wird bauzeitlich insbesondere auch durch einen heute nicht mehr vorhandenen hohen Zwerchgiebel in der Hausmitte hervorgehoben, in dem eine beheizbare Stube eingebracht war.

Auch war der Gastraum, wie heute wieder, ursprünglich im Obergeschoss. Vielleicht weilte hier tatsächlich der damalige Markgraf bei gelegentlichen Jagdausflügen in einem separatem Raum, wie aus anderen repräsentativen markgräflichen Gasthäusern in Schwand (Lkr. Roth) oder Großhabersdorf (Lkr. Fürth) bekannt ist. Dort sind noch die fürstlichen Hoheitszeichen über den Schlafräumen erhalten. Oberampfrach lag auch an einer wichtigen Fernhandelsstraße von Frankreich nach Ansbach und Nürnberg und so hat das stattliche Gasthaus sicher so manchen „Großkopferten“ im 18. Jahrhundert beherbergt.

Wo war das Tafelbesteck?

Das erhaltene Inventarverzeichnis des Gasthauses von 1760 widerspricht allerdings dem fürstlichen Charakter. Es sind anscheinend nur vorhanden: „4 Zinnschüsseln, 12 Zinnteller, 3 Maßkrüge, 3 Bierseidel, 2 Zinnkannen, 12 Zinnlöffel, 1 zinnernes Salzfass, 4 Steingutkrüge, 1 Kupferkessel, 4 Gasttische, 1 lange Gasttafel, …“ Das klärt sich aber schnell. Die Großkopferten hatten ihre Reiseutensilien selbst dabei. Es sind auch nur die Inventarteile gelistet, die als Wert für die Erbschaftssteuer erachtet wurden. Die irdenen Krautschüsseln z. B., man könnte auch sagen, die Bauernscherben, in welche die Festgäste mit ihren mitgebrachten Messern und zweizinkigen Gabeln herzhaft zugestochen haben, sind nicht gelistet. Und die Bierkrüge waren sowieso privat und nummeriert, damit zweimal im Jahr über die Kerbhölzer abgerechnet werden konnte.