Ansichten des Badhauses aus Wendelstein aus dem Bauplan

Das Badhaus aus Wendelstein

Bautagebuch zum Wiederaufbau des Badhauses aus Wendelstein

  • Erbaut 1450
  • Abgebaut für das Fränkische Freilandmuseum 2012
  • Fertigstellung voraussichtlich 2018/19

Das Badhaus aus Wendelstein bildet einen neuen Höhepunkt in unserem Häuserbestand: Es ist das erste Badhaus überhaupt in einem Freilandmuseum, das zudem mit einer weitgehend vorhandenen spätmittelalterlichen Bausubstanz aufwarten kann ‒ inklusive nahezu komplett erhaltener Badstube. Diese von Badern betriebene Einrichtung stellte einst die hygienische und medizinische Versorgung der Bevölkerung sicher: Hier konnte man sich waschen und Sitzbäder nehmen, aber auch Behandlungen wie Schröpfen, Aderlass und sogar chirurgische Eingriffe durchführen lassen.

Das Badhaus wurde 1450 auf der Grundlage eines älteren, im Ersten Markgrafenkrieg (1449/50) zerstörten Vorgängerbaus errichtet. Die äußere Gestalt blieb seither weitgehend unverändert: Auf einem steinernen, ungewöhnlich hohen Erdgeschoss, in dem die Badstube mit Wasserkessel, Schwitzofen, Zisterne und Umkleideräumen untergebracht ist, befindet sich ein Fachwerkbau mit teilweise ausgebautem Dach. In diesem befanden sich drei Wohnungen, die über eigene Eingänge, Bohlenstuben, Küchen und Kammern verfügten. Hier lebten sowohl wie Baderfamilie als auch Beständner (Mieter).

Bis in die Zeit um 1800 blieb die Badstube in Betrieb, danach nutzte man die Räume als Stall. Zuletzt stand das Gebäude leer und verfiel. Der Abbau durch das Freilandmuseum erfolgte im Jahr 2012 überwiegend in ganzen Wand- und Deckenteilen. Er wurde begleitet von intensiven bauhistorischen, archäologischen und archivalischen Untersuchungen, deren Ergebnisse die wechselvolle Bau- und Bewohnergeschichte des Badhauses spiegeln.

Der Wiederaufbau

Der Wiederaufbau des Badhauses aus Wendelstein wird circa vier Jahre in Anspruch nehmen. Seine Eröffnung ist für 2020 vorgesehen. Die erste Bauphase ab März 2017 beginnt mit der aufwendigen Gründung des Gebäudes in Form einer Betonplatte auf die schließlich das Gebäude errichtet werden soll. Allerdings befindet sich der neue Standort des Badhauses in einem unsicheren Baugrund auf einer Fläche östlich vom Bauernhaus aus Ochsenfeld in der Baugruppe Mittelalter, so dass die Beton-Basisplatte zusätzlich über zahlreiche bis zu 10 Meter Tiefe reichende Betonpfähle gewissermaßen von unten gestützt wird. Die Betonpfähle für die Tiefergründung werden ab Ende März erstellt.

Die gesamten Baugrund vorbereitenden Maßnahmen werden voraussichtlich bis Mitte Mai 2017 abgeschlossen sein. Erst dann können die Vorbereitungen zum Stellen der schweren massiven Wandteile des Erdgeschosses in Angriff genommen werden. Das Versetzen der Ganzteile ist für August 2017 vorgesehen und bis zum Winter sollen bereits die Deckenbalken zum Obergeschoss aufgelegt sein. Mit Hilfe eines Gerüstdaches wird die Baustelle für die kalte Jahreszeit Winterfest gemacht.

Alle im Bautagebuch verwendeten Pläne sind vom zuständigen Planungsbüro Wirsching & Madinger in Flachslanden-Adelsdorf erstellt.

17.7.2017 Fast fertiggestellt sind die Grundmauern und entsprechen mit ihren Maßen den eingemessenen Höhen am alten Standort. Auf ihnen werden in den kommenden Wochen insgesamt 14 große Wandscheiben positioniert.

Eine Gegenüberstellung. Neuer Standort: 17.07.2017, der Wiederaufbau des Ofens mit seiner äußeren Schale aus Sandsteinquadern. Die meisten von Ihnen entsprechen ihrer Position am alten Standort. Einige mussten durch neue Quader ersetzt werden, weil sie bereits bei der Bergung am alten Standort zerfallen sind.

Alter Standort: Das Foto vom 8.10.2012 zeigt den unteren Abschnitt des Schwitzofens noch am alten Standort in Wendelstein. Die innere Anlage des Ofens, der eigentliche Feuerungsraum, wird zu einem späteren Zeitpunkt erstellt.

Abschluss der 1. Rohbauphase

Fast fertiggestellt sind die Grundmauern des Badhauses, welche gewissermaßen die untere Hälfte des massiven Erdgeschossbaues darstellen. Auf diese Grundmauern werden in den kommenden Wochen ab dem 25.7. insgesamt 14 Ganzteile positioniert, welche mit Gewichten zwischen 6 bis 21 Tonnen aufwarten. Sie befinden sich derzeit noch im Bauteillager wo sie gerade für ihren Transport auf die Baustelle vorbereitet werden. Mit ihnen erreicht die zukünftige Badstube im Untergeschoss eine Wandhöhe von 4,20 Metern.

Die auf ihr ursprüngliches Höhenmaß vorbereiteten Grundmauern erlauben aber bereits jetzt einen ersten Eindruck über die spätere Raumaufteilung im Untergeschoss.

Auch der große Schwitzofen in der zukünftigen Badstube mit seinen ersten drei Steinlagen konnte bereits begonnen werden.

19.6.17 Blickrichtung nach Süden. Auch das letzte Ganzteil der unteren Wandabschnitte des Erdgeschosses ist positioniert. Es handelt sich um einen Teil der Schürkammerwand zwischen Schürkammer und Badstube.

22.6.17 Blickrichtung nach Nordost auf die unteren Wandabschnitte in der zukünftigen Badstube.

28.6.17 Blickrichtung nach Südost. Die letzte Steinreihe auf den unteren Wandabschnitten im Erdgeschoss besteht überwiegend aus großen Sandsteinquadern. Ihre Position entspricht exakt ihrer Lage am alten Standort in Wendelstein und bildet die Basis für die großen Ganzteile des oberen Wandabschnittes.

28.6.17 Im Bauteillager warten die massiven Wandscheiben auf ihren Transport zur Baustelle. Bis dahin gilt es ihre Transportfähigkeit zu überprüfen und gegebenenfalls der schwierigen Operation anzupassen.

29.6.17 Ein wichtiger Bestandteil bei der Errichtung eines Bauwerkes ist immer auch die Grundsteinlegung, die am 20.6.2017 in der zukünftigen Schürkammer des Badhauses zelebriert wurde.

Termingerecht

Wenn alles gut geht, können die großen Wandscheiben des Erdgeschosses bereits im Juli auf die gemauerten unteren Wandabschnitte versetzt werden. Geplant war die Versetzung der massiven Ganzteile erst für Anfang August. Bis dahin sind gegenwärtig noch alle Wandabschnitte des Erdgeschosses auf eine einheitliche Höhenlage zu mauern. Sie wird genau jenem Niveau entsprechen, das nach Abnahme der Ganzteile am Originalstandort zu sehen war und hier, am neuen Standort, den oberen Abschluss unseres ersten Bauabschnittes bildet. Diese obere Steinreihe ist mit römischen Ziffern bezeichnet. Jeder einzelne dieser Bausteine erhält wieder seine alte Position die er ursprünglich eingenommen hatte. Parallel dazu laufen im Bauteillager die Vorbereitungen für das Versetzen der Ganzteile. Nach einer Zwischenlagerung von fünf Jahren muss das Anhängesystem statisch neu überprüft und gegebenenfalls für einen weiteren Transport verstärkt werden.

6.6.17 Das Heben der schweren Wandscheiben erfolgt mit Hilfe eines Schwerlastkranes. Den Transport vom Zwischenlager in der Nähe des Möbeldepots auf die Baustelle übernimmt ein Tieflader. Das Bild zeigt die Aufnahme der ersten Wandscheibe bereits auf der Baustelle.

6.6.17 Das erste Ganzteil wird langsam auf die vorbereitete Position innerhalb der zukünftigen nordöstlichen Außenwand der Badstube manövriert.

6.6.17 Beide Mauerwerksteile befinden sich nun an ihrer endgültigen Position im Erdgeschoss. Vor dem Ausschalen müssen Hohl- und Fehlstellen an ihrer Unterseite noch untermauert werden.

12.6.17 Die beiden Wandteile nach dem Entfernen der Verschalung für den Transport. Die Fehlstelle zwischen ihnen und an den Seiten werden sukzessive durch passende Bruchsteine ausgemauert.

Die ersten Ganzteile

Am Dienstag, den 6.6.2017, war es soweit. Die ersten Ganzteile konnten in ihre ursprüngliche Position im Erdgeschoss des Badhauses gestellt werden. Es handelt sich um zwei Mauerwerksteile, die sich am alten Standort auf der Gebäudewestseite befanden (siehe Giebelansicht unten). Der Bauablauf gestaltete sich wie folgt: Der für das Heben der beiden jeweils zehn Tonnen schweren Wandscheiben erforderliche Schwerlastkran nimmt diese zunächst im Bauteilzwischenlager in der Nähe des Möbeldepots auf und stellt sie dort in einen Tieflader für den Transport auf die Baustelle. Auf der Baustelle werden sie kurze Zeit später vom selben Baukran vom Tieflader auf die vorbereiteten Positionen gehoben.

Der Grundrissplan des Badhauses zeigt als Unterlage jene mit römischen Ziffern nummerierte Steinlage, die am alten Standort nach dem Abtrennen der ganzen Wandscheiben zu sehen war. Bevor auch sie dort geborgen wurde, musste die exakte Position der einzelnen Steine eingemessen werden, um sie jetzt am neuen Standort wieder so hinzulegen, dass die später darauf zu stellenden Wandscheiben auch genau zusammenpassen.

Die perspektivische Darstellung mit Blickrichtung nach Nordosten zeigt das Erdgeschoss des Badhauses. Ein Zustand, wie er nach Abschluss der Baumeisterleistungen gegen Ende des Jahres zu sehen sein wird.

24.5.2017 Die ersten historischen Mauerabschnitte. Blickrichtung nach Süden. Da wo die Bautreppe in der Mitte zu sehen ist, wird sich zukünftig der Hauptzugang in die Badstube befinden.

Ein neuer Bauabschnitt – Der Beginn des Wiederaufbaus

Während alle bisher erbrachten Arbeiten ausschließlich der Gründung des Gebäudes in einem eher unsicheren Bauuntergrund geschuldet waren, hat ab dieser Woche (KW 21) der Aufbau mit den historischen Bauteilen begonnen. Zunächst werden alle als Einzelsteine geborgenen Bausteine entsprechend ihrer Position und Nummerierung mit römischen Ziffern auf die neuen Gebäudefundamente aufgelegt. Insbesondere hierzu ist die exakte Vorsortierung der historischen Bausteine im Bauteillager so wichtig. Auf diese Steinlage (siehe Grundriss) werden in einem weiteren Bauabschnitt, voraussichtlich im August, schließlich die ganzen Wandscheiben gestellt. Gemauert wird übrigens nicht, wie auf modernen Baustellen üblich, mit industriell gefertigten Mörteln sondern mit Kalkmörtel der auf der Baustelle selber hergestellt wird.

6.5.17 Die umlaufende Aufkantung auf der Betonplatte, die später verhindern soll das Grundwasser ins Bauwerk gelangen kann, ist fertig. Die Betonmauer in der linken Bildhälfte dient einerseits beim Versetzen der Großteile als Widerlager für die Stützen des Schwerlastkranes und andererseits als Fundament für die Altane als Zugang ins Obergeschoss auf dieser Gebäudeseite.

18.5.17 Sukzessive wird die restliche Baugrube mit Sand bis an die Oberkante des Bauumfeldes verfüllt. Die Aufkantung erhält von innen zusätzlich eine Vormauerung aus Hochlochziegeln. Die Betonstreifen auf der Bodenplatte entsprechen bereits der Position der Innenwände im Erdgeschoss und werden ebenfalls bis zur Unterkante der originalen Wandteile mit Hochlochziegeln aufgemauert. Sie sind später nicht sichtbar.

18.5.17 Die originalen Bauteile in Form von Einzelsteinen, zumeist als größere Sandsteinquader, werden entsprechend ihrer späteren Position am Bauwerk vorsortiert bevor sie Abschnittsweise zur weiteren Verarbeitung auf die Baustelle verbracht werden.

Bauteilsortierung

Die Arbeiten an der Gründungsplatte gehen unvermindert weiter. Gegenwärtig wird die Aufkantung fertiggestellt und weitere Streifenfundamente betoniert auf denen später die originalen Bauteile entsprechend ihrer Position am Originalstandort aufgelegt werden. Die restliche Baugrube wird mit Grubensand bis auf das Niveau des Bauumfeldes verfüllt.

 Parallel zu den Arbeiten an der Bauwerksgründung durch die beauftragte Baufirma werden von den Museumsmitarbeitern die 2012 mitgenommen Bauteile entsprechend ihrer Zugehörigkeit und Position am Bauwerk sortiert und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Gerade bei der Zuordnung von einzelnen Originalbausteinen, ist es wichtig sie genau in ihrer ursprünglichen Position zu verbauen. Die ersten Sandsteinquader werden ab der kommenden Woche auf das Gründungsbauwerk gemauert. Die Zuordnung ganzer Wandscheiben ist naturgemäß einfacher, aber aufgrund ihrer Größe und des Gewichtes nicht unbedingt leichter. Das Versetzen der großen Wandscheiben ist für August 2017 vorgesehen.

4.5.17 Nach Fertigstellung der Betonarbeiten an der Gründungsplatte.

Erstellung der Gründungsplatte

Die erste Phase der Bauwerksgründung ist mit der Erstellung der Betonplatte am Donnerstag den 4.5.17 fertiggestellt. Die weiteren Arbeiten der Bauwerksgründung betreffen die Aufkantung auf der Betonfläche. Darunter ist eine umlaufende Betonmauer zu verstehen, die aus der Betonplatte im gewissen Sinne eine Art Wanne oder Becken werden lässt. Mit der Aufkantung wird vermieden, dass Grund- oder Oberflächenwasser später einmal in das Bauwerk gelangen kann, da es mit seinem Untergeschoss bereits das Grundwasserniveau erreicht.

24.3.2017 Die Baugrube mit der eingebauten Schotterlage (Schrobben und Grobschotter, insgesamt 60 cm). Blickrichtung nach Süden.

27.3.2017 Die Baustelleinrichtung für die Pfahlgründung durch die Fa. Max Bögl neben der Baugrube. Blickrichtung Süd.

27.3.2017 – Das Rammgerät zum Einbringen der Stahlrohrpfähle.

Tiefgründung der Baugrube

Die Erschließung des Baufeldes für die anstehende Tiefergründung ist abgeschlossen. Die Baugrube wurde zunächst auf 2,75 Meter Tiefe ausgehoben und anschließend dessen Basis mit einer 30 cm starken Lage aus Schroppen (bis 16 cm grober Kalkstein) gefolgt von einer ebenfalls 30 cm starken Lage aus Grobschotter aufgefüllt. Beide Grobschotterlagen (insgesamt 60 cm) bilden später den Untergrund für eine Betonplatte, welche mit einer seitlichen Aufkantung auch als eine Art Betonwanne zu bezeichnen wäre, in die schließlich das Gebäude gestellt wird. Soweit ist es aber noch nicht.

Zunächst dient dieser Unterbau aus unterschiedlichen Grobschottern als Tragschicht für die anstehenden Tiefer- oder Pfahlgründungsarbeiten innerhalb der Baugrube. Hierbei werden 55 Stahlpfähle in den weichen Untergrund der Baugrube eingebracht. Sie werden bis circa 10 Meter Tiefe hinabreichen, um dort auf einen festen tragfähigen Untergrund zu kommen. Zusätzlich werden sie mit Beton verfüllt. Die Pfähle sind erforderlich damit das schwere Gebäude später nicht im Untergrund versinkt, der leider in weiten Bereichen des Museumsareals aus weichen nicht tragfähigen Schwemmsanden besteht. Die Pfähle werden möglichst erschütterungsarm in den Baugrund gedrückt bzw. gerammt. Die hierzu erforderliche Baumaschine hat ein Gewicht von ca. 20 Tonnen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde war der Einbau der grobkörnigen Schotter-Tragschicht an der Grubenbasis geboten, damit die schwere Baumaschine während ihrer Aktion nicht im weichen Untergrund versinkt.

Abgeschlossen ist dieser Bauabschnitt voraussichtlich bis Mitte April 2017.

Foto der Vorbereitung der Schotterlage mit Radlader

Abtragen des Oberbodens und Lagerung nördlich vom Baufeld. Erste Vorbereitungen für eine tragfähige Schotterlage als Standort für den Schwerlastkran zum Versetzen der Bauteile.

Lageplan für das Badhaus mit benachbarten Gebäuden und Umgriff.

© Wirsching & Madinge: Lageplan für das Badhaus nordöstlich von Haus aus Ochsenfeld in der Baugruppe Mittelalter

Beginn der Bauarbeiten

Beginn der Bauarbeiten mit dem Abtrag des Oberbodens und Vorbereitungen des Geländes für die Baustelleneinrichtung. Am westlichen Baugrubenrand wurde ein Probeschurf mit Pumpschacht erstellt, über den während der gesamten Gründungsphase das Grundwasser im Bereich der Baugrube abgesenkt werden soll. Das abgepumpte Wasser wird über eine Drainage in den Aischflutgraben geleitet. Im Umgriff der Baugrube wird mit Grobschotter ein tragfähiger Untergrund für den Schwerlastverkehr vorbereitet. Das gesamte Baufeld wird mit einem Bauzaun bis zum Museumssaisonbeginn gesichert. Ein Besucherinformationspunkt an der Baustelle ist in Vorbereitung.