Dauerausstellung Fränkische Kräuterapotheke

Die Dauerausstellung zur Pharmaziegeschichte befindet sich im ältesten Haus des Freilandmuseums. Sie zeigt die Einrichtung von Apotheken in einer Zeit, als die Herstellung von Arzneimitteln noch den Arbeitsalltag des Apothekers prägte.
Wesentlichen Anteil an der Umgestaltung und Einrichtung des Hauses sowie der Ausstattung hatten die Firmen Martin Bauer (Vestenbergsgreuth) und C. Soldan (Adelsdorf) sowie zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker mit ihren Sachspenden.
Das Edikt von Melfi (1231/1241) gilt als „Gründungsurkunde“ des Apothekerberufes. Es trennt erstmalig die Aufgaben des Arztes, der die Diagnose stellt und das Medikament verordnet von den Tätigkeiten des Apothekers, der die Rohstoffe besorgt, bevorratet und das Mittel nach Anweisung des Arztes zubereitet.
Unsere Kräuter-Apotheke beherbergt zwei repräsentativ eingerichtete Offizinen (Verkaufsräume) mit großen Repositorien (Regalen). In ihnen ist eine Vielzahl an Arzneigrundstoffen in verschiedensten Gefäßen aus Holz, Glas oder Porzellan gelagert und mit lateinischen Namen beschriftet – eine faszinierende Vielfalt, die immer wieder beeindruckt. Zu besichtigen sind auch die Materialkammer sowie ein Kräuterboden unter dem Dach. In unserem Labor sind Geräte zum Prüfen der Rohstoffe und zum Herstellen der Arzneien ausgestellt.
Am Apothekentag werden alte Tätigkeiten wie das Pillendrehen und die Herstellung von Salben oder Zäpfchen durch Apotheker vorgeführt.

Den Ausstellungskatalog können Sie an den Museumskassen oder im Internet-Kaufladen kaufen:  LINK

Repräsentativ eingerichtete Offizin der Burgpreppacher Apotheke mit dem Handverkaufstisch, auf dem zwei Rezepturwaagen stehen. Mitten im Raum „schwebt“ das Krokodil. Es sollte die Kunden werbewirksam beeindrucken und auf die naturwissen­schaftliche Fachkenntnis ihres Apothekers hinweisen.

Verschlossenes Schränkchen zum Aufbewahren von Opium und Morphium. Die rote Schrift auf weißem Grund weist darauf hin, dass diese Stoffe zu den „Separanda“ gehören, also zu den stark wirksamen Stoffen, welche getrennt von den anderen aufbewahrt werden müssen.

Die Drogensammlung setzt sich aus den unterschiedlichsten, im Apothekengebrauch wichtigen Rohstoffen aus den drei Naturreichen (Pflanzen, Tiere, Mineralien) zusammen. Diese getrockneten Rohstoffe werden in der Fachsprache der Apotheker als „Drogen“ bezeichnet, ein Begriff, der eng mit der Bezeichnung „trocken“ verwandt ist.
Eine Drogensammlung war Lehrmaterial an Schulen und in ausbildenden Apotheken. Mit ihr wurden die angehenden Apotheker im Erkennen der Arzneigrundstoffe unterrichtet.

Die Arzneimittelgeschichte ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte. 1957 wurde Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid als Schlafmittel eingeführt. Das Präparat war rezeptfrei erhältlich und sollte nach Angaben des Herstellers „absolut unschädlich“ sein. Bereits 1959 gab es erste Hinweise auf bedenkliche Nebenwirkungen wie Nervenschädigungen, aber erst 1961 wurde das Medikament nach Presseveröffentlichungen über schwerstbehinderte Kinder vom Markt genommen. Bis dahin waren ca. 5000 Kinder von Missbildungen betroffen, von ihnen starben 40 % unmittelbar nach der Geburt. Diese Arzneimittelkatastrophe hatte zur Folge, dass 1961 in einer Neuordnung des Arzneimittelgesetzes geregelt wurde, dass für die Zulassung eines neuen Medikaments jede mögliche Nebenwirkung sowie jede Wechselwirkung mit anderen Präparaten zu erfassen ist. Die umfangreichen Beipackzettel unserer Zeit sind u. a. eine Folge dieser Vorschrift.

Am Apothekentag wird die Kräuter-Apotheke unter der Anleitung von Friedrich Schmelzer (Diespeck) in Betrieb genommen. Apotheker zeigen die Herstellung von Salben und Gelen und beraten zu Fragen der Homöopathie. Die Firma Martin Bauer (Vestenbergsgreuth) sorgt dafür, dass Kinder mit getrockneten Blüten und Blättern farbige „Kunstwerke“ gestalten können.

Besonders anspruchsvoll ist die Pillenherstellung. „Geradezu [als] Prüfstein für seine kunsthandwerkliche Befähigung“ galt das Können des Apothekers, aus Massen, die zuerst jeder Formgebung spotteten, rasch und sicher kugelrunde, genau dosierte Arzneiträger anzufertigen. Für hochrangige Persönlichkeiten wurden die Pillen sogar in einer Pillenkapsel versilbert oder vergoldet.