Behelfsheim aus Ottenhofen

Das Behelfsheim aus Ottenhofen ist nach dem 1949 produzierten Fertig-Stahlhaus aus Nerreth das zweite Gebäude der jüngeren Baugeschichte im Fränkischen Freilandmuseum. Ein örtlicher Landwirt errichtete es 1944 am Dorfrand von Ottenhofen (Gde. Marktbergel, NEA) im Rahmen des „Deutschen Wohnungshilfswerks“ (DWH), einer Initiative der NS-Regierung zur Schaffung von Notunterkünften für Ausgebombte. Das Prinzip des DWH war einfach: Jeder konnte und sollte bauen, jedes Material war recht, allein die vorgegebenen Grundmaße waren einzuhalten.

Das Ottenhofener Behelfsheim blieb in der Familie: Der Bruder des Bauherren, ein Metzgermeister in Nürnberg, wurde am 2. Januar 1945 ausgebombt und verlor dabei Haus und Leben. Frau, Sohn und Tochter kamen in dem kleinen Haus unter, wo sie 20 Jahre lang ein beengtes, aber immerhin privates Leben führen konnten – ein Vorzug, der nur wenigen Ausgebombten, Flüchtlingen und Vertriebenen gegeben war. Die Einrichtung des Behelfsheims konnte anhand der Angaben der Tochter authentisch und unter Verwendung originaler Objekte rekonstruiert werden. Nach dem Auszug der Familie blieb das Haus noch bis 1994 bewohnt – verändert wurde in all den Jahren nahezu nichts.

Ab Samstag, 24. September 2016, kann das Behelfsheim aus Ottenhofen besichtigt werden.