Fotoaufnahme des Weinbauernhauses aus Retzstadt am aktuellen Standort. Das Fachwerk befindet sich hinter einem Zaun aus Stöcken. Vor dem Haus ist eine Wiese, auf der ein Haselnussbusch wächst. Links ist das Geäst eines Baumes erkennbar.

Mühle aus Unterschlauersbach, Landkreis Fürth, Gemeinde Großhabersdorf (Haus Nr. 55)

Die Mühle weist auf Geschichte und Bedeutung der Wassermühlen in Franken hin. Sie waren universale Antriebskraft nicht nur fürs Getreidemahlen, sondern für Hammerwerke, Säge-, Walk- und Ölmühlen seit dem Mittelalter. Die gute archivalische Quellenlage ermöglicht genau Aussagen über die Besitzerabfolge und liefert Informationen zu Geschichte und Schicksal mancher Bewohner sowie über die soziale Stellung des Müllers. Die erste urkundliche Erwähnung am Standort war 1124, damit ist die Mühle aus Unterschlauersbach die älteste, konkret zu identifizierende Mühle in Franken. Das heutige Gebäude ist von 1575/76, die Verlängerung zu jetziger Größe mit Schmuckgiebel an Nordseite erfolgte 1601. Der Sandsteinsockel mit aufgemalter Quaderung aus der Bauzeit zeugt von Repräsentationsbedürfnis. Das Fachwerk bietet kleinen Einblick in Fachwerkgeschichte: Der Südgiebel mit vorkragendem Halbwalm, die weiten weite Gefache auch an der Traufseite und der Fenstererker für die Obere Stube haben noch mittelalterlichen Charakter, während der Nordgiebel von 1601 zeittypisches Schmuckfachwerk des beginnenden 17. Jahrhunderts aufweist. Das ockergelbe Fachwerk mit schwarzen Begleitstrichen gehört ebenfalls dieser Zeit an.

Die völlig funktionsfähige großteils hölzerne Mühlentechnik mit Radkammer und Wasserrädern, Mühlenraum mit Bied, Mahlsteinen und Beutelkasten entspricht einer bereits im 16. Jahrhundert nachweisbaren, bis ins 19. Jahrhundert üblichen Mahltechnik. Sie ist aus originalen Teilen anderer Mühlen und Rekonstruktionen zusammengesetzt. In den Sommermonaten ist die Mühle sonnntags in Betrieb.

Wohnhaus, Stall und Mühlenraum 1575/76 erbaut / erweitert 1601