Abraham Weissbart

Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim (Foto: Jonas Blum)

Es ist nicht selbstverständlich, dass Abraham Weissbart trotz schwieriger Zeiten am Ende auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurückblicken konnte. Geboren wurde er am 01.12.1842 in Allersheim als Sohn des Rabbiners Nathaniel Gabriel Weissbart und seiner Frau Theodora. Ebenso wie sein Vater und seine Geschwister war er jedoch nicht im Dorf heimatberechtigt sondern im Heimatort seines Vaters Schweinshaupten.

Doch die Seele des jungen Mannes war im Ungleichgewicht. Gegen Anfang des Jahres 1862 erkrankte er psychisch und hielt sich für mindestens volle vier Jahre wegen Geisteskrankheit im Würzburger Juliusspital auf. Glücklicherweise schien sich seine Verfassung anschließend wieder zu verbessern und so entschloss sich Abraham 1868, dem Vorbild seines Vaters zu folgen und Religionslehrer zu werden. Nach dem Tod Nathaniel Gabriel Weissbarts und einem kurzen Intermezzo durch seinen Bruder Elias übernahm er anschließend den Dienst als Friedhofsaufseher und Religionslehrer in Allersheim. Nicht nur stand in seinem Haus eine Spendenbüchse, auch er selbst engagierte sich immer wieder karitativ, so etwa für Glaubensbrüder in Persien, Russland, Griechenland, dem Heiligen Land oder der heutigen litauischen Stadt Klaipeda. Auch im privaten Leben fand Weissbart sein Glück und ehelichte am 25.06.1873 in Würzburg Regina Reuß aus Wallhausen, mit der er in den nächsten Jahren die beiden Kinder Ludwig Lazarus und Tilly bekam. Die Familie bewohnte die ehemalige Synagoge im Ort.

Abraham Weissbart erlebte jedoch auch aus nächster Nähe den Niedergang der jüdischen Gemeinde Allersheims. So musste er 1901 gemeinsam mit Julius Rothstein den Antrag auf die Zusammenführung der Gemeinde mit Bütthard stellen. Sein eigener Wirkungskreis ging ohnehin über den des kleinen Ortes hinaus. Als Mitbegründer und mehrjähriger Vorstand des Israelitischen Lehrervereins Bayern prägte er die regionale Bildungslandschaft entscheidend mit. Kein Wunder also, dass sich auch bekannte Kollegen auf ihn beriefen, so etwa Herz Bamberger, für dessen 1906 erschienenes Buch „Geschichte der Rabbiner der Stadt und des Bezirks Würzburg“ er noch eine Grabinschrift des Allersheimer Friedhofes transkribierte.

Am 31.07.1902 verstarb Abraham Weissbart in Allersheim und wurde auf dem Friedhof bestattet, den er selbst in den letzten Jahrzehnten betreut hatte. Aus der Annonce für die Suche nach seinem Nachfolger erfahren wir etwas über die Einkommensverhältnisse des Friedhofspflegers. Geboten wurden neben einer Besoldung von 400 Mark durch die Israelitische Friedhofs-Korporation zusätzlich 200 Mark als Lehrkraft in Bütthard sowie freie Wohnung, freies Holz und nicht näher definierte „nicht unbedeutende Nebenverdienste“.

 

Abraham Weissbart

 

It can not be taken for granted, that Abraham Weissbart created a veritable legacy despite of hard times in his life. He was born on December 1st of 1842 in Allersheim as a son of Rabbi Nathaniel Gabriel Weissbart and his wife Theodora. Similar to his father and his brother, he never held citizen’s rights in Allersheim but in the hometown of his father, Schweinshaupten, instead.

But the young man’s soul was in turmoil. Around the beginning of the year 1862 he became psychically ill and had to spend at least four years in the Juliusspital hospital of Würzburg. Luckily his condition seems to have improved afterwards and so Abraham decided in 1868 to follow in the footsteps of his father and become a religious teacher. After the death of Nathaniel Gabriel Weissbart and a short intermezzo by his brother Elias, Abraham took over the posts as religious teacher and cemetery keeper in Allersheim. Not only did he keep a charity can in his house, he also donated on various occasions himself, for example for fellow jews in Persia, Russia, Greece, the Holy Land or what is known today as the Lithuanian town of Klaipeda. In his private life, Abraham found his luck as well and married Regina Reuß from Wallhausen in Würzburg on June 25th of 1873, with whom he had the two children Ludwig Lazarus and Tilly in the following years. The family lived in the village’s former synagogue.

But Abraham Weissbart personally witnessed the downfall of the jewish community of Allersheim as well. In 1901 he joined forces with Julius Rothstein to promote the merging of the community with the one in Bütthard. His own actions were not limited to the village anyway. As a founding member and long-year board member of the Israelitic teacher association of Bavaria, he shaped the regional education. No wonder that famous colleagues searched his assistance, like Herz Bamberger, for whose book about the history of the Rabbis of the city and district of Würzburg (published in 1906) he had copied an inscription of a tombstone at the jewish cemetery in Allersheim.

On July 31st of 1902 Abraham Weissbart died in Allersheim and was buried on the cemetery that he had took care of during the past decades. From the advert searching a successor, we learn about the salary of the cemetery keeper. Offered were a salary of 400 Mark by the Israelitic Cemetery Cooperation as well as 200 Mark as a teacher in Bütthard, free accommodation, free wood and not precisely defined but „not minuscule“ perks.

 

Quellen

 

Gemeindearchiv Giebelstadt Abt. Allersheim Karton 4 Akt 1.

Geburten-, Sterbe- und Eheregister der Jüdischen Gemeinde Allersheim.

Gemeindearchiv Giebelstadt Abt. Allersheim Karton 6.

Braun, Joachim: Geschichte der jüdischen Gemeinde von Allersheim im Ochsenfurter Gau. In: Würzburger Diözesangeschichtsverein (Hg.): Würzburger Diözesangeschichtsblätter. 69. Band, Sonderdruck. Würzburg 2007.

Der Israelit vom 10.02.1869.

Der Israelit vom 23.06.1869.

Der Israelit vom 03.11.1869.

Der Israelit von 1870.

Der Israelit vom 27.03.1872.

Der Israelit vom 10.04.1872.

Der Israelit vom 01.06.1881.

Der Israelit vom 22.06.1885.

Der Israelit vom 17.12.1885.

Der Israelit vom 18.03.1886.

Der Israelit vom 10.01.1887.

Der Israelit vom 07.07.1887.

Der Israelit vom 17.10.1887.

Der Israelit vom 22.12.1887.

Der Israelit vom 26.06.1890.

Der Israelit vom 20.11.1890.

Der Israelit vom 25.12.1890.

Der Israelit vom 31.03.1891.

Der Israelit vom 21.12.1893.

Der Israelit vom 17.01.1898.

Der Israelit vom 13.10.1898.

Der Israelit vom 20.03.1899.

Staatsarchiv Würzburg LRA Ochsenfurt 3233.

Der Israelit vom 14.12.1899.

Der Israelit vom 02.04.1900.

Der Israelit vom 25.08.1902.

Leo Baeck Institute Archives: Jacob Jacobson Collection, Box 7, Folder III.1.

Frankfurter Israelitisches Familienblatt.

Der Israelit vom 18.06.1931.

Bamberger, Herz: Geschichte der Rabbiner der Stadt und des Bezirks Würzburg.

Der Israelit vom 08.09.1902.

United States World War I Draft Registration Cards 1917-18. Pennsylvania. Pittsburgh City no 1; S-Z.

Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken.