Auf den Hund gekommen ...

Hundeliebe und Jagdleidenschaft gingen bei Johann Christian Reinhart Hand in Hand

Ein schlafender Jagdhund ist links seitlich und rechts frontal abgebildet.

Johann Christian Reinhart, Schlafender Jagdhund, seitlich und frontal, 1792, Radierung, Sammlung Heinz Schuster

Zwei nebeneinander schlafende Jagdhunde sind zu sehen.

Johann Christian Reinhart, Zwei schlafende Jagdhunde, 1798, Radierung, Sammlung Heinz Schuster

Innerhalb von Ruinen und einem Wasserfall im Hintergrund sind ein Jäger mit Flinte und ein sitzender Maler zu sehen.

Ausschnitt aus: Johann Christian Reinhart, In der Villa des Maecenas in Tivoli, 1793, Radierung, Sammlung Heinz Schuster

Zwei Jäger lagern am Fluss, einer mit Flinte. Daneben ist der Jagdhund in Bewegung zu sehen. Weiter rechts hinter einem Gebüsch ist ein weiterer Jäger auf der Pirsch.

Ausschnitt aus: Johann Christian Reinhart, In Civita Castellana, 1794, Radierung, Sammlung Heinz Schuster

An einem Fluss mit Wasserfall im Hintergrund pausieren zwei Jäger. Einer sitzt, der andere steht, beide haben ihre Gewehre dabei. Links davon steht ein Hund.

Ausschnitt aus: Johann Christian Reinhart, Die beiden Jäger am Fluss, undatiert, Sammelmappe, Sammlung Heinz Schuster

Johann Christian Reinhart (1761-1847) war passionierter Jäger und damit zusammenhängend auch ein großer Hunde- und Pferdefreund. Bis ins hohe Alter fand man ihn auf der Vogeljagd in der römischen Campagna. Immer mit dabei der Hund als treuer Begleiter.

Bereits in Deutschland besaß er einen Schäferhund namens Wolf. Dieser begleitete ihn auf seiner abenteuerlichen Reise nach Rom im Jahr 1789 (s. Blogbeitrag am 22. Sept. 2020 „Auf nach Rom“). In Italien hatte er mehrere Jagdhunde nacheinander mit den Namen Melampo, Anio und Ficchino. Es gibt den schönen Jägerspruch Der Stolz des Jägers ist sein Hund, bringt der verloren, was da wund, und jagt er, was da krank, zu Stand, so ist das Waidwerk Hand in Hand.“ Auf Reinhart trifft dies in vollem Maße zu. Vielleicht auch deshalb waren Jagdhunde Thema seiner radierten Tierfolgen. Zwei Beispiele aus der Sammlung Heinz Schuster bilden schlafende Jagdhunde ab. Die Werke „Schlafender Jagdhund, seitlich und frontal“ von 1792 und „Zwei schlafende Jagdhunde“ von 1798 zeigen, wie detailreich und realitätsnah der Künstler seine Radierungen anfertigte.

Die Jagdleidenschaft hatte ihn bereits in jungen Jahren gepackt und auf seinen Reisen nach dem Studium begab er sich des Öfteren in die Natur zum Jagen. Spätestens aber in Rom nutzte er so viel Zeit wie möglich, um dieser Leidenschaft zu frönen. Dazu ließ er die Arbeiten in seinem Atelier ruhen und streifte durch die römische Campagna. Besonders im Frühjahr zog es ihn an die Küste, um dort Vögel, neben Lerchen und Enten vornehmlich Wachteln, zu schießen. Friedrich Heinrich von der Hagen (1781-1856), einer der ersten Germanistik-Professoren in Deutschland, schreibt in einem seiner Briefe in die Heimat 1817: „[…] Hier [in Laricia] ist ein Pallast der Familie Ghigi mit einem schönen Garten, und wohnt der treffliche Landschafmaler Reinhard, der ein eben so gewaltiger Jäger ist, und von hier aus in die nahen sumpfigen Ebenen bis ans Meer, wo allerlei Gewild hauset, auszieht. Wir besuchten ihn, und fanden nur den Jäger, nicht den Maler: seine Werkstatt ist in Rom.“ Es wird deutlich, dass Reinhart von seinen Zeitgenossen durchaus nicht nur als Künstler wahrgenommen wurde. Das Freizeitverhalten Reinharts charakterisierte ihn im gleichen Maße wie sein Dasein als Künstler.

Bei seinen Streifzügen durch die Natur konnte er die Arbeit und sein Hobby auch wunderbar miteinander verbinden. Die Wahrnehmung seiner Umgebung und die bis ins kleinste Detail naturgetreue Wiedergabe auf dem Papier oder der Leinwand zeichnete Reinhart aus. Johann Gottlob Quandt (1787-1859), ein Kunsthistoriker und Kunstsammler, traf auf seiner Studienreise durch Italien 1812 den Künstler Reinhart und schrieb über ihn: „Als Jäger und Maler durchschweift er die Gegenden, und kehrt stets mit reicher Beute heim. Seine Gemälde, zumal die, welche er nach der Natur ausführte, und seine Zeichnung, sind von einer Wahrheit, bis in das Einzelne, welche noch keiner erreichte, da die meisten Landschaften anderer Maler nur subjective Naturanschauungen sind.“

Darstellungen von Jägern ziehen sich als Leitmotiv durch sein Schaffen. Oft finden sich Jäger als Staffagefiguren, so auch in den Radierungen aus der Sammlung Heinz Schuster. Auf „In der Villa des Maecenas in Tivoli“ von 1793 steht ein Jäger neben einem sitzenden Maler und „In Civita Castellana“ von 1794 erscheinen die Jäger mit einem Hund zentral im Vordergrund. „Die beiden Jäger am Fluss“ – eine der Radierungen aus einer Sammelmappe mit 8 verschiedenen Motiven – begleitet ebenso ein Hund.

 

Quellen:

N. Walter: Pfarrerssohn, Maler, Lebenskünstler. Johann Christian Reinhart. Ein Deutschrömer aus Hof. Radierungen aus der Sammlung Heinz Schuster, Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums, hrsg. i. A. des Bezirks Mittelfranken von Herbert May, Band 89, Bad Windsheim 2020, S. 55, 69, 91, Kat.-Nr. 2, 3, 14, 16, 24_2a

H. W. Rott, A. Stolzenberg (Hg.): Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, Bayerischer Staatsgemäldesammlungen München, Neue Pinakothek, Hamburg, München 2012, S. 13 und 263

M. Pix: Johann Christian Reinhart (1761-1847). Eine Dokumentation in Bild und Wort. Band 4 (Vom kurzzeitigen Kunstberater des bayerischen Kronprinzen, Mitglied der Kunstakademien in Berlin und Rom, königlich bayerischen Pensionär zum „Decanus“ der deutschen Künstler in Rom und leidenschaftlichen Jäger 1811-1828), Neustadt/Aisch, 2020, S. 131 und 241