Badeanzüge für das Reisefieber im Wirtschaftswunder! Bademode der 1950er/1960er Jahre

Schenkung, im Museum seit 2020; Inventarnr. 20/36.

Die Bademode erlebte mit der Reisewelle der fünfziger und sechziger Jahre einen unerwarteten Boom. Sonnen- und urlaubshungrige Deutsche fuhren im Sommer an die Strände der Nordsee und der italienischen Adria. Alle Arten von Sonnen- und Schwimmkleidung waren hoch begehrt. Vor allem ‚damenhaft‘ sollte sie wirken! Der einteilige Badeanzug erfüllte diesen Anspruch. Da man besonderen Wert auf eine durchgehende Bräunung des Dekolletés legte, wurde er ohne Träger getragen. Diese gab es als „Sicherheitsbändchen“ fürs Wasser dazu, anzuknöpfen oder einzuhaken.

 „Die schmeichelnde Prinzeßlinie, die Taille und Hüften schmal wirken lässt, wird durch besondere Schnittkonstruktionen erzielt. Das Hauptaugenmerk wird auf die Ausarbeitung des Dekolletées gelegt“, wirbt Burdas Modeberatung 1954.

Die Oberschenkelansätze dagegen galt es, durch verlängerte Beine oder ein angeschnittenes Röckchen, zu verdecken. Modelle mit einem kessen Pumphöschen oder Ballerina-Röckchen gab es für junge Frauen und Mädchen.

1957 galt in konservativen Kreisen das Tragen eines Bikinis noch als unmoralisch. Hierzu schrieb die Zeitschrift ‚Das Moderne Mädchen‘: „Es ist wohl hier nicht notwendig, ein Wort über den sogenannten Bikini zu verlieren. Ist es doch undenkbar, dass ein Mädchen mit Takt und Anstand je so etwas tragen könnte.“ Modebewusste ließen sich davon nicht einschüchtern.

Unser Badeanzug der Reutlinger Firma „Heinzelmann Orchidée“ ist aus Helanca-Garn hergestellt, einem hochflexiblen Synthetikgarn.

Die Firma Heinzelmann produzierte neben Unterwäsche und Damenoberbekleidung Freizeitsport- und Bademode. Anfang der 1960er Jahre waren 70 % der produzierten Waren Bademoden. Im Zuge des allgemeinen Niedergangs der deutschen Textilindustrie wurde sie 1990 aufgelöst.