Das Lasseisen

Objekte: Das Lasseisen war ein wundärztliches Instrument, das im „Bindfutter“ eines Baders auf keinen Fall fehlen durfte …

ein metallenes Objekt mit Rillen und Biegungen, daneben ein Tonschälchen mit Henkel und zwei Metallgefäse

Lasseisen, Grabungsfund, um 1600. Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt, Inv. Nr. 05/002. Foto: Frank Wittstadt.

Lasseisen, auch Flieten genannt, waren recht vielseitig einsetzbare wundärztliche Instrumente. Sie dienten wie schon ihr Name nahelegt zum Aderlass und blutigen Schröpfen, konnten aber je nach Form ihrer Klingen auch zu anderen chirurgischen Eingriffen verwendet werden, zum Beispiel zum Öffnen von eitrigen Abszessen. Daher durften sie auf keinen Fall im „Bindfutter“ eines Baders fehlen. Dies war ein Futteral, in dem die Bader ihre Instrumente verwahrten. Doch dazu in einem der folgenden Blogbeiträge noch mehr …

Das hier gezeigte Lasseisen aus der Sammlung des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt ist ein Grabungsfund, datiert um 1600. Es ist aus handgeschmiedetem Eisen und hat eine Länge von 11,4 cm. Erschrecken Sie nicht, wenn Sie bei einem Besuch in Museen oder Sammlungen auch einmal auf deutlich größere Lasseisen stoßen sollten. Der Aderlass wurde früh auch in der Tierheilkunde eingesetzt – nicht jedes Lasseisen war also für menschliche Patienten bestimmt!

Sowohl der Aderlass wie das blutige Schröpfen erfreuten sich in Spätmittelalter und Früher Neuzeit großer Beliebtheit, glaubte man doch gemäß der antiken Viersäftelehre, regelmäßig überflüssige Körpersäfte ausleiten zu müssen. In den öffentlichen Badstuben ließen sich daher viele Badegäste gleich nach dem Schwitzbad, wenn die Haut gut durchblutet war, schröpfen: Der Bader erhitzte dazu einen Schröpfkopf über der Flamme eines Lämpchens und setzte ihn auf die zuvor mit dem Lasseisen angeritzte Haut auf, woraufhin durch den beim Abkühlen im Innern des Schröpfkopfes entstehenden Unterdruck aus der kleinen Wunde etwas Blut ausgesogen wurde.

Die Handhabung des Lasseisens erforderte dabei vom Bader einige Geschicklichkeit: Er hielt zwischen Daumen und Zeigefinger das ösenförmige Schaftende locker fest und schlug mit dem Zeigefinger der anderen Hand den Kopf gerade so stark an, dass die Klinge die Haut durchstieß. Freilich blieb für den Patient bei dieser Prozedur zu hoffen, dass das Lasseisen gut geschärft war, sonst erging es ihm wie dem armen Badegast im „lörles pad“ des Nürnberger Meistersingers Hans Sachs, der klagt: [der lasser] schlug gar hart,/ die flieten gar verostet wart,/ in aim iar [Jahr] nie gewetzt.

Quellen und Literatur

Hans Sachs: Das lörles pad (Radweis Lieben von Gengen). 1538. Hg. in Franz Schnorr von Carolsfeld: Zur Geschichte des deutschen Meistergesangs. Notizen und Litteraturproben aus den Dresdner Handschriften des Hans Sachs und anderer Meistersänger. Berlin 1872, S. 52 f.

Daniela Krause: Aderlass und Schröpfen. Instrumente aus der Sammlung des Karl-Sudhoff-Instituts (Objekte aus der medizinhistorischen Sammlung des Karl-Sudhoff-Instituts für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Bd. 2). Aachen 2004.