Das Rätsel um eine historische Atemschutzmaske...

Die Maske ist eingewickelt. Die Schachtel ist braun. Auf der Schachtel ist ein Text. Der Text zeigt, wie man die Maske benutzt.

Atemschutzmaske „Hexa-Schutz“ aus Eggenfelden, Inv.nr. 21/23, Schenkung, im Museum seit 2020. (Foto: Michaela Lang)

Das Etikett zeigte ein Gesicht. Das Gesicht trägt die Schutzmaske. Sie ist um den Kopf gewickelt.

Detailaufnahme des Etiketts auf der Pappschachtel (Foto: Michaela Lang)

Fragen zum korrekten und komfortablen Tragen einer Atemschutzmaske und zur Auswahl des passenden Filters begegnen uns in Zeiten der Corona-Pandemie allenthalben. Neu sind die Masken nicht: Bereits im Jahr 1878 berichtete Dr. E. Hlawacek in der Zeitschrift „Die Gartenlaube“ begeistert vom sogenannten Watte- oder Baumwolle-Respirator, der von Dr. Wolf aus Frankenstein in Schlesien entwickelt worden war. Gedacht war er für Personen, die berufsbedingt Staubwolken, giftigen Schadstoffen oder Krankheitserregern ausgesetzt waren.

Hlawacek sprach sich für das verpflichtende Tragen solcher Schutzmasken für Fabrikarbeiter*innen aus, die besonders großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt waren. Mit einem geringen Preis von 80 Pfennig sollte die Maske zudem jeder Person zur Verfügung stehen können. Ob der Watte-Respirator tatsächlich massentauglich sowie zweckdienlich war und in größerer Stückzahl produziert wurde, geht aus dem Text nicht hervor. Jedoch liefert der Autor eine Anleitung, wie man sich aus einem Gerüst aus dünner Pappe, Flor- oder Gazestoff, einem Filter aus Watte oder Baumwolle sowie Gummibändern selbst ein einfaches Modell anfertigen kann. Da ergeben sich doch Parallelen zur Gegenwart…

Das Fränkische Freilandmuseum befindet sich seit letztem Jahr im Besitz einer historischen Atemschutzmaske, die ähnlich unkompliziert aufgebaut ist. Es handelt sich um eine Schutzbinde aus Gaze, die man sich um den Kopf bindet. Eine mit Hexamethylentetramin imprägnierte Einlage wird vor dem Tragen angefeuchtet und vorne in eine Tasche eingelegt. Die Markenbezeichnung „Hexa-Schutz“ leitet sich von der oben genannten chemischen Verbindung ab, die aufgrund der Ausgangsstoffe Ammoniak und Formaldehyd bestimmte Säuren neutralisieren kann und desinfizierend wirkt. Verpackungsdesign und das „Schutzmaske“ und Sütterlin-Schrift lassen die Maske in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datieren.

Zur Herkunft der Maske wissen wir nur, dass die Pappschachtel samt Inhalt aus einer aufgelösten Drogerie in Eggenfelden stammt. Weitere Informationen zum Hersteller, zu Vertriebswegen oder dem genauen Anwendungsbereich sind uns leider nicht bekannt. Verschiedene andere Museen und Institutionen, die sich mit der Medizin- und Hygienegeschichte befassten, konnten uns auch nicht weiterhelfen. Und Internetrecherchen zum Thema Atemschutzmasken liefern in Zeiten von Corona oft nur Treffer zum aktuellen Geschehen, jedoch keine Hinweise zu historischen Modellen. Vielleicht können Sie uns bei der Auflösung des Masken-Rätsels unterstützen?