Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom

Der Ausschnitt zeigt die für Reinhart typischen Baumgruppen und im Hintergrund Architektur. In die römische Landschaft hingesetzt wurde Bileam mit seiner Eselin.

Ausschnitt aus: Landschaft mit Bileams Esel, 1807, Radierung, Sammlung Heinz Schuster Hier wurde Bileam mit seiner Eselin in die römische Landschaft hineingesetzt.

Auf dem Ausschnitt sieht man sehr gut die mit Efeu umrankten Felsen und weiteres Blattwerk.

Ausschnitt aus: Betender Mönch vor einer Höhle, 1805, Radierung, Sammlung Heinz Schuster

Mühle an einem Fluss mit felsigem Ufer und vielerlei Vegetation. Ganz klein und links im Bild der Müller und sein Esel.

Die Mühle in alten Gebäuden, 1815, Radierung (Sammelmappe), Sammlung Heinz Schuster Die Landschaft umschließt die Mühlengebäude bildgewaltig. Der Müller mit dem Sack auf dem Rücken und sein Esel sind kaum zu sehen.

Johann Christian Reinhart begann zunächst mit Vedutenmalerei (italienisch veduta „Aussicht“, „Ansicht“), also der exakten Wiedergabe von Natur und Architektur. Hierbei ist das Ziel die Wiedererkennbarkeit und weniger der Einsatz von Licht und Schatten oder besonderen Farben. Nach und nach ging der Maler und Zeichner Reinhart zu frei komponierten Landschaften über und spätestens nach seiner Ankunft in der Künstlermetropole Rom wendete er sich dem Klassizismus und den Ideallandschaften zu.

Für die Vegetation, die bei Reinhart sehr bildbeherrschend ist, war ein intensives Naturstudium notwendig. Hierfür begab sich der Künstler mit einem Block und Zeichenutensilien in die Landschaft rund um Rom und skizzierte Ausblicke, Bäume oder bodennahe Gewächse. Die Natur sollte wissenschaftlich korrekt wiedergegeben werden: Reinhart umrahmt Felsen, Bäume und Mauerwerk meist mit Efeuranken oder großblättrigen Pflanzen. Licht- und Schatteneffekte erreicht er mit durchscheinendem Sonnenlicht.

Bei seinen Landschaftskompositionen zeigte Reinhart Geschick im Anordnen und Durchbilden mächtiger Baumgruppen. Sein Interesse fanden auch Felsgestein und Höhlen. Im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts thematisierte er in den Landschaften Sturm und Gewitter als Aufruhr der Elemente. Architekturelemente bildete er realitätsnah ab und bettet diese teils in die wilde Natur ein.

Darzustellende Personen dagegen wurden oft nachträglich in die Ansicht eingefügt – ebenso Tiere und Tiergruppen. So konnte Reinhart biblische Legenden oder antike Sagen mit ihren Akteuren in Ideallandschaften einbauen, deren vegetative Elemente beliebig austauschbar waren.

In seinen Radierungen kommt dies vor allem bei den Landschaften in und um Rom zum Tragen. Viele Beispiele dafür finden Sie in unserer Ausstellung über den Künstler.

Bekannt ist Johann Christian Reinhart aber besonders durch seine Ölgemälde, die in Museen in ganz Deutschland und darüber hinaus zu finden sind. Als Beispiele seien hier genannt die „Vier Ansichten von Rom vom Turm der Villa Malta“ (1831 – 1835) in der Neuen Pinakothek in München, die „Sturmlandschaft mit Reiter“ (1824) in Leipzig, Museum der bildenden Künste, „Tivoli mit dem Ponte di San Rocco“ (1813) im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, oder „Die Erfindung des Korinthischen Kapitells durch Kalimachos“ (1846), ebenfalls in München in der Neuen Pinakothek zu besichtigen.