Ein Kartoffelroder als Sinnbild des Fortschritts?

Die Maschine gräbt Kartoffeln aus dem Boden aus.

Schleuderradroder der Windsheimer Fa. Schmotzer mit offenem Getriebe. Im Museum seit 1979; Inventarnr. 79/69. (Foto: Monika Runge)

Auf dem Kartoffelfeld werden die Kartoffeln geerntet. Der Schlepper zieht eine Maschine. Sie gräbt die Kartoffeln aus dem Boden.

Kartoffelernte mit Schleuderradroder in der Fränkischen Schweiz, 1970er Jahre. (Foto: Bildarchiv Fränkisches Freilandmuseum, Bestand Groth-Schmachtenberger)

In der großen Fabrik werden Landmaschinen hergestellt.

Das Werksgelände der Fa. Schmotzer in den 1950er Jahren. Auf dem Areal im linken Bildhintergrund befindet sich heute das Fränkische Freilandmuseum. Das Werk gibt es noch, ist heute aber deutlich kleiner. (Foto: Bildarchiv Fränkisches Freilandmuseum, Luftbildarchiv)

Der Schleuderradroder erleichterte die Kartoffelernte erheblich. Eine Grabschar hebt Erdreich und Pflanzen an, der Rotor wühlt mit seinen Gabeln die Knollen an die Oberfläche. Sein Antrieb erfolgt über die Bewegung der Räder. Der Roder wird von Tieren oder Schleppern gezogen – nicht zu langsam, weil er sonst nicht funktioniert; nicht zu schnell, weil die Kartoffeln dann zu weit kullern und fliegen.

Der Roder ist normalerweise in der Mögeldorfer Halle im Freilandmuseum zu sehen. Aktuell befindet er sich noch in Regensburg: Das Haus der Bayerischen Geschichte präsentiert ihn in der Ausstellung "Tempo, Tempo – Bayern in den 1920er Jahren". Warum passt er dort hin? Innovativ war er zu dieser Zeit nicht mehr. Die ersten Schleuderradroder kamen in England bereits in den 1850er Jahren auf; in Deutschland dürften sie spätestens nach 1900 weite Verbreitung gefunden haben.

Der Roder ist ein Produkt der Windsheimer Firma Schmotzer. Gegründet im Jahr 1905 als Fahrradwerkstatt, entwickelte sich der Betrieb ab den 1920er Jahren zu einem der größten Hersteller von Landmaschinen in Süddeutschland. Das war durchaus typisch: Angeschoben von (produktions-)technischen Entwicklungen v. a. in England und in den USA, erlebte die gesamte Branche in Deutschland zwischen den Weltkriegen einen Boom. Auch Schlepper gewannen rasant an Bedeutung – die Technisierung der Landwirtschaft war nicht mehr aufzuhalten.

Schmotzer schaffte den Durchbruch mit Hackmaschinen und setzte einen Schwerpunkt auf Geräten für den Kartoffel- und Rübenanbau, doch die Produktpalette war breit. Der Kartoffelroder gehörte ab 1926 zum Sortiment. Unser Exemplar dürfte eines der ersten gewesen sein, denn es besitzt noch ein offenes Getriebe. Ab 1930 wurden die Roder mit geschlossenen Ölbadgetrieben gefertigt, die langlebiger, weniger wartungsintensiv und zuverlässiger waren. Es zeigt sich, dass bewährte Maschinen auch nach Jahrzehnten noch Innovationen erfahren können.

Die Firma Schmotzer zählt indes zu den wenigen, die die Krise der Landmaschinenindustrie ab den 1970er Jahren überlebten. Sie fertigt nach wie vor Sämaschinen, Spritzen und Hacktechnik.

 

Quellenhinweis: www.landtechnik-historisch.de, Online-Lexikon zur Geschichte der Landmaschinen mit zahlreichen Hersteller-Portraits