Ein Sonntagsgewand… und eine tragische Familiengeschichte

Das Bild ist schwarzweiß. Die Frau hat ein langes Gewand an. Das Gewand ist dunkel.

Karolina Fackelmeier im Sonntagsgewand. Die originale Schürze ist nicht mehr vorhanden. (Foto: Privatbestand)

Das Sonntagsgewand von Karolina Fackkelmeier, Inv.nr. 21/81-84. (Foto: Juliane Sander)

Das „Sonntagsgwand“ gehörte Karolina Fackelmeier, geboren am 26. Juli 1903, gestorben im März 1921 kurz nach der Geburt ihres ersten Sohnes Karl. Sie lebte in Rabenreuth bei Thalmässing im Haus Nr. 2, einem recht großen Bauernhof. Dort wurde auch ihr Sohn geboren und dort ist sie gestorben. Der Vater von Karl Fackelmeier ist nicht bekannt. Es heißt, er sei ein Handwerker gewesen, unterwegs, Wanderjahre.

Ihre Familie stammt vermutlich aus einer Exulantenfamilie aus dem Gebiet Ländlein ob der Enns in Österreich. Auf dem Stammbaum lässt sie sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Und es gibt einen direkten Bezug zum Freilandmuseum: Die Mutter von Karolina Fackelmeier war die Schwester von Adam Hussendörfer, dessen Familie das Bauernhaus aus Reichersdorf (Baugruppe Altmühlfranken) besaß.

Durch den frühen Tod seiner Mutter hatte Karl Fackelmeier keine Eltern. Er wuchs zusammen mit den zehn Geschwistern seiner Mutter in Rabenreuth auf – seine jüngsten Onkel und Tanten waren gerade sieben bis neun Jahre älter als er. Seine Großeltern übernahmen die Aufgaben seiner Eltern.

Großmutter Margarete war mit Tobias Fackelmeier verheiratet, von dem in den Familiengeschichten immer als einem besonders rücksichtslosen, kalten, herrischen Mann berichtet wurde. Je nach Erzähler wurde dies teilweise mit Stolz auf so einen "harten Mann" als Ahnen geschildert. Es war eine Zeit, in der Härte als charakterliche Stärke galt und fest definierte gesellschaftliche Normen das Individuum dominierten.

Das Sonntagsgewand wurde von der Urgroßenkelin von Karolina Fackelmeier ins Museum gegeben, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und ihr ihren Platz in der Geschichte zu geben.