Farbenpracht nach "Schema F"?

Der Schrank hat eine Tür. Er ist mit Blüten und Blättern bunt bemalt.

Vorbesitzer: Elke & Werner Kristen, Großhabersdorf; im Museum seit Februar 2017; Inventarnr. 17/29. (Foto: Monika Runge)

Der Schrank hat eine Tür. Er ist bunt bemalt mit Blüten und Blättern.

Der Vergleichsschrank Inv.nr. 94/786, der im Erdgeschoss der Mühle aus Unterschlauersbach ausgestellt ist. Beide Schränke werden auch im Bestandskatalog „Bemalte Möbel in Franken“ vorgestellt, der noch in diesem Jahr erscheint. (Foto: Monika Runge)

Eines der ersten Objekte, die ich in meiner Zeit als Sammlungsreferent am Freilandmuseum einholen konnte, ist dieser prächtige bemalte Schrank von 1830 (Inschrift) aus Großhabersdorf (Lkr. Fürth). Bemalte Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts bilden einen Schwerpunkt unserer Sammlung, sie werden uns auch immer wieder angeboten – doch selten in einem so guten, ursprünglichen Zustand. Auch die hochwertige Ausführung und die feingliedrige Bemalung mit Tulpen, Nelken, Blattwerk und Rauten können sich sehen lassen!

Und er ist nicht allein. Im Bestand des Museums befindet sich ein Schrank von 1840 aus dem Nachbarort Dietenhofen, der eine identische Bauweise, fast exakt die gleichen Maße und eine stilistisch sehr ähnliche Bemalung aufweist. Nachdem der neue Schrank einmal auf einem Pressefoto zu sehen war, wurden wir auf ein drittes Beispiel dieser Machart von 1846 aufmerksam gemacht, das ursprünglich aus dem Raum Roßtal stammt – also auch nicht weit entfernt.

Alles spricht dafür, dass die drei Schränke aus ein- und derselben Werkstatt stammen. Dort wurde dieses „Modell“ offenbar über mindestens 16 Jahre hinweg immer wieder hergestellt. Über die Werkstatt selbst wissen wir bislang nichts. Aus alten Statistiken ist bekannt, dass es in Dietenhofen zu dieser Zeit zwei, in Großhabersdorf vier und in Roßtal fünf Schreiner gab, eine durchaus bemerkenswerte Dichte. Vielleicht lässt sich der Hersteller unserer Schränke noch identifizieren – über Hinweise zu weiteren Beispielen freuen wir uns sehr!

Auch über die sozialen Hintergründe des Schranks war vorerst nichts in Erfahrung zu bringen. Den Vorbesitzern zufolge befand er sich bereits seit Generationen im Besitz der Familie – vielleicht schon seit 1830, möglicherweise anlässlich einer Hochzeit angefertigt, wie viele andere bemalte Möbel? Das Fehlen von Namensinschriften, die gerade bei Hochzeitsmöbeln häufig vorkommen, erschwert die Recherche deutlich.