Finsteres Mittelalter? Historische Materialanalyse bei einem Deckenbalken von 1407

Teil 4 der Serie: Historische Bau- und Materialforschung im Fränkischen Freilandmuseum

Das Haus ist aus Fachwerk. Die Wände sind aus Lehm. Das Haus ist 700 Jahre alt.

700 Jahre alt und damit das älteste Gebäude im Fränkischen Freilandmuseum: Das Hinterhaus aus Eichstätt von 1322 in der Baugruppe Stadt. Hinter den Fenstern im Obergeschoss befindet sich die Stube. (Foto: Dieter Gottschalk)

Das Bild zeigt eine Stube. Wände und Decke sind aus Holz. Die Decke ist verziert. Die Verzierungen sind geschnitzt.

Stube im Hinterhaus aus Eichstätt: Die Deckenbalken im Obergeschoss stammen aus einem anderen Eichstätter Gebäude und datieren auf 1407. Der schwarze Anstrich wurde mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht. (Foto: Dieter Gottschalk)

Die Holzsplitter sind winzig. Sie liegen auf kleinen Glasplatten.

Zur Untersuchung wurden winzige Probensplitter abgenommen, um Anschliff- und Dünnschliffpräparate für die mikroskopische Analytik herzustellen. Diese hier stammen aus dem benachbarten Haus aus Wolframs-Eschenbach von 1410, das ebenfalls eine schwarze Stube aufweist. (Foto: Dieter Gottschalk)

Das Bild zeigt zwei Mikroskope.

Mikroskope sind die wichtigsten Hilfsmittel für die Gefügeanalyse und Materialbestimmung in der Restaurierung. Im Freilandmuseum kommen ein Polarisationsdurchlichtmikroskop (links) sowie ein UV-Fluoreszenzauflichtmikroskop zum Einsatz. (Foto: Dieter Gottschalk)

Das Bild kommt aus dem Mikroskop. Es zeigt einen Holzsplitter.

Mit Hilfe mikroskopischer Präparate kann die Art der schwarzen Beschichtung auf den Deckenbalken nachgewiesen werden. Hier liegt eine Wechselfolge von a) proteingebundenen schwarz pigmentierten Lagen mit b) leinölhaltigen, gelblich transparenten Schichten vor. Der Befund zeigt, dass die Handwerker damals einen glänzenden schwarzen Anstrich auf den Deckenbalken hergestellt haben. (Foto: Dieter Gottschalk)

Das Bild kommt aus dem Mikroskop. Es zeigt einen Holzsplitter ganz groß.

Ein weiteres mikroskopisches Detail aus einem Präparat der Decke. (Foto: Dieter Gottschalk)

Das Hinterhaus aus Eichstätt in der Baugruppe Stadt wurde im Jahr 1322 errichtet - und ist damit das älteste Gebäude im Fränkischen Freilandmuseum. Etwas jünger, aber ebenso beeindruckend ist die mit Schnitzereien verzierte Balken-Bohlen-Decke in der Stube. Sie stammt ebenfalls aus Eichstätt und konnte per Jahrringanalyse auf das Jahr 1407 datiert werden. Auffällig ist die schwarze Oberfläche der Decke, die aus ihrer ersten Nutzungsphase stammt. Handelt es dabei sich um einen artifiziellen, also künstlichen Anstrich? Oder einfach um Ruß, der an die Decke gezogen ist und sie nach und nach eingeschwärzt hat?

Um diese und ähnliche Fragen zu klären, greifen Restauratoren/innen auf naturwissenschaftliche Methoden zurück - in diesem Fall auf die Mikroskopie. Für die Untersuchung stehen in den Restaurierungswerkstätten des Fränkischen Freilandmuseums spezielle Forschungsmikroskope zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe lassen sich anhand winziger Probensplitter vom Untersuchungsobjekt das Materialgefüge und dessen Zusammensetzung bestimmen.

Im Fall der Decke von 1407 konnte so nachgewiesen werden, dass die Farbe künstlich aufgetragen worden ist - allerdings nicht sofort nach ihrem Einbau: Eine leichte Verschmutzung direkt auf der Holzoberfläche zeigt an, dass die Decke zunächst für wenige Jahre schlicht holzsichtig zu sehen war. Darauf erfolgte bald ein schwarzer, lackartiger Anstrich, welcher sich bis heute erhalten hat. Der Anstrich besteht aus einer Wechselfolge aus aufeinander abgestimmten a) schwarzen, proteingebundenen Schichten und b) leinölhaltigen transparenten Schichten. Als schwarzes Pigment wurde Rußschwarz verwendet.