Fröhliche Weihnachten!

Die Krippe ist aus Papier. Sie wird gefaltet und aufgestellt. Sie zeigt die Geburt Christi. Der Stall ist mit Stroh gedeckt. Im Stall befinden sich mehrere Personen und Tiere.

Papierkrippe zum Aufklappen. Inv.nr. 86/1209, im Museum seit Dezember 1986. Vorbesitzerin: Margarete Gebauer, Wassertrüdingen. (Foto: Juliane Sander)

In vielen fränkischen Häusern gibt es bis zum heutigen Tag eine Kiste oder Schachtel, die jedes Jahr im Dezember geöffnet wird und eine kleine Sammlung von Dingen enthält, die es in der Wohnung erst richtig weihnachtlich werden lassen. Aus Wassertrüdingen kam 1986 ein solches Konvolut in unser Museum. Es enthielt diversen Christbaumschmuck, die zugehörigen Kerzenhalter und Kerzen sowie Weihnachtspostkarten und einige Schafe aus Gips, letztere ein deutlicher Verweis auf eine vorhandene Weihnachtskrippe. Diese fand sich in Gestalt eines kurvig ausgestanzten, einmal zusammengeklappten Stücks Pappe. Öffnet man dieses jedoch, so entfaltet sich kulissenhaft das Weihnachtsgeschehen in Form eines viereckigen strohgedeckten Stalls mit dem Heiligen Paar an der Krippe im Hintergrund und vorne den Hirten und ihren Schafen. Das Pappmaterial ist in der Technik der Chromolithographie bedruckt und teilweise geprägt. Die nach vorne gerückten Figuren sind  ebenso wie das Dach und die den Stall umgebenden Bäume ausgestanzt. Ein ausgeschnittenes Fenster ist mit rotem Transparentpapier überklebt und kann so mit einer dahinter gestellten Kerze das Ganze in ein mystisches Licht tauchen.

Krippen aus Papier oder Pappe verbreiteten sich bald, nachdem der Krippenbrauch durch die Aufklärung aus den Kirchen verbannt worden war und sich in die Privathäuser verlagert hatte. Durch ihr schlichtes Material und dank der Entwicklung der Drucktechnik waren sie preiswert zu haben und nahmen außerdem wenig Platz ein. Sie wurden auch als Bastelbögen verkauft, deren Figuren man selbst ausschneiden konnte. Als vorgefertigte Dioramen lassen sie sich mit den „Papiertheatern“ vergleichen, die im 19. Jahrhundert äußerst beliebt waren. In ähnlicher Machart wurden auch dreidimensionalen Glückwunschkarten und Aufstell-Bilderbücher hergestellt. Sie wurden noch im 20. Jahrhundert gern gekauft.

Wer die große Vielfalt farbiger Papierkrippen kennenlernen und ihren Zauber erleben will, wird im nächsten Jahr im Museum Kirche in Franken dazu eine besondere Gelegenheit haben. Freuen Sie sich auf die Ausstellung „Seht, die gute Zeit ist nah…“ – Papierkrippen aus der Sammlung Gudrun Wirths, die in der Adventszeit 2021 gezeigt wird! Sie werden dort aufwendig lithografierte Klapp- und Aufstellkrippen, Dioramen und Kastenkrippen, sogenannte Faulenzerkrippen, sehen können. Gezeigt werden auch zahlreiche Ausschneidebögen mit „Kripperl-Bildern“. Die Vielzahl der gesammelten Papierkrippen – darunter auch Exemplare aus der ehemaligen DDR – reicht bis in die 1960er Jahre.