Gezahlt wird nach der Ernte: Hopfenzupfermarken als Leistungsnachweis

Die Marken sind rund und aus Blech. Sie zeigen Buchstaben und Zahlen.

Hopfenzupfermarken aus Hohenstadt. Inv.nr. 21/24; Schenkung von Werner Kaschel, im Museum seit 2020.

Die Marke ist eine Münze. Sie ist goldfarben. Auf ihr ist ein Bierkrug.

Sogenannte Biermarken wurden auch als Hopfenzupfermarken ausgegeben, da sie schwieriger zu fälschen waren. (Foto: Michaela Lang, Frank Wittstadt)

Die Kultivierung von Hopfenpflanzen kann in Franken bis zum Spätmittelalter zurückverfolgt werden, da das Sammeln von Wildhopfen aufgrund der hohen Nachfrage der städtischen und klösterlichen Brauereien nicht mehr ausgereicht hatte. Daher begann man gezielt im Umfeld größerer Städte, wie auch Nürnberg, Hopfengärten anzulegen. Mit dem Rückgang des regionalen Weinanbaus erlebte die Braukunst im 16. und 17. Jahrhundert eine Blütezeit. Das war beispielsweise im südlich von Nürnberg gelegen Spalt und im östlich gelegenen Schnaittach der Fall. An anderen Orten wiederum, etwa im heutigen Ober- und Mittelfranken, wurde der Hopfen erst vor oder um die Mitte des 18. Jahrhunderts kultiviert und gefördert.

Im 19. Jahrhundert erfassten die Prinzipien der Industrialisierung auch die Landwirtschaft. So wurden die traditionellen Hopfenstangen durch Gerüste ersetzt und der Hopfen hin zu ertragreicheren Sorten gezüchtet. Zudem erweiterten einige Höfe ihre Anlagen, um eine größere Fläche bepflanzen zu können. Oft reichte die Arbeitskraft der Bauernfamilien und ihrer Angestellten nicht mehr aus, weshalb man zur Erntezeit auf die Hilfe der Nachbarschaft vertrauen musste oder auch auswärtige Tagelöhner*innen anheuerte.

Wurden die Tagelöhner*innen zunächst noch für die aufgewendete Zeit mit einer Brotzeit und Unterkunft entlohnt, kam ihrerseits bald der Wunsch auf, Geld zu verdienen. Die Bauernfamilien selbst wollten in kurzer Zeit eine möglichst hohe Ernte einfahren. Daher wurde das System der Hopfenzupfermarken eingeführt: Je mehr Kästen oder Körbe eine Person mit Hopfendolden füllte, desto mehr Marken erhielt sie. Außerhalb des Hopfenbetriebs hatten die Marken keinen Wert.

Am Ende des Arbeitstages wurden die gesammelten Marken am Hof abgeliefert und dort vom Bauern oder der Bäuerin gezählt. Entsprechend der Menge wurde dann direkt, oft aber erst nach Ende der Erntezeit der Lohn ausgezahlt. In letzterem Fall konnte die Bauernfamilie sicher sein, dass die Pflücker*innen auch bei schlechter Witterung, Streitereien oder fehlender Motivation am Hof tätig blieben. Der jährlich schwankende Lohn pro gefüllten Korb oder Kasten variierte je nach Erntemenge und dem zu erwartenden Hopfenpreis.

Form und Material der Marken konnten sich von Hof zu Hof sowie je nach Region unterscheiden. Oftmals stanzte der Bauer die Metallmarken selbst aus und versah sie mit seinen Initialen. Die neu eingetroffenen Marken im Freilandmuseum – passenderweise in einem Bierkrug überreicht – stammen aus Hohenstadt (Gde. Pommelsbrunn, Lkr. Nürnberger Land), wo bis in die 1960er Jahre Hopfen angebaut wurde.