Gotteshaus-Knigge? Richtig benehmen in der Kirche...

Das Schild ist hellbraun. Es hat einen schwarzen Rahmen. Auf dem Schild steht: Es wird gebeten, im Gotteshaus nicht auf den Boden zu spucken.

Verbotsschild aus dem Pfarrarchiv Ottenhofen (Markt Marktbergel, Lkr. Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim); aus Pappe mit einer Hängevorrichtung aus Metall und zusätzlich einer textilen Kordel versehen. Schenkung, im Museum seit 1993. (Foto: Claudia Berwind)

In der Stube steht ein Spucknapf. Das ist ein kleiner Holzkasten. An dem Kasten ist ein langer Stiel.

Die Stube der Hirtenwohnung in der Schäferei aus Hambühl. Der Spucknapf gehörte zur originalen Einrichtung des letzten Gemeindeschäfers. (Foto: Tobias Tratz)

Ver- oder Gebote für den Kirchenraum haben eine sehr lange Tradition. Besonders seit es den evangelisch-lutherischen Gottesdienst mit viel Gemeindegesang und langen Predigten gibt, muss das „Kirchenvolk“ immer wieder darauf hingewiesen werden, wie man sich währenddessen im Gotteshaus zu verhalten hat.

Das Beispiel aus der Sammlung des Museums Kirche in Franken gibt ausdrücklich vor, dass man in der Kirche „nicht auf den Boden spucken darf“, worunter wohl auch ein Verbot des einst weit verbreiteten Tabakkauens zu verstehen war. Das sehr einfach gehaltene Verbotsschild aus Pappe stammt aus dem Pfarrarchiv in Ottenhofen. Allgemein ist bei derartigen Verboten davon auszugehen, dass sie nur ausgesprochen oder niedergeschrieben wurden, wenn sich ein solcher Vorfall tatsächlich öfter ereignet hat.

Man kann das Schild auch im Zusammenhang mit der am Ende des 19. Jahrhunderts anlaufenden Aufklärungskampagne über das Krankheitsbild der Tuberkulose sehen, damals allgemein auch bekannt als Schwindsucht. Nachdem 1882 Robert Koch den Tuberkulose-Erreger entdeckt hatte und man dadurch den Übertragungsweg der Krankheit über Aerosole nachvollziehen konnte, stellte man als erste Maßnahme zur Bekämpfung Spucknäpfe auf und hängte im öffentlichen Raum zahlreiche Spuckverbotstafeln auf. Ein solcher Spucknapf findet sich auch in der Stube der Schäferei aus Hambühl (Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe).

Ganz allgemein spiegelt das Schild den Widerwillen gegen eine abstoßende Unsitte, die früher auch vor Kirchentüren nicht Halt machte. Neben öffentlichkeitswirksam angebrachten Schildern wie diesem gibt es natürlich noch andere Quellen, aus denen wir auf solche Grenzüberschreitungen schließen können. Unzählige Beschwerden von Pfarrern und Dekanen über ihre Gemeindemitglieder sind in Kirchenakten erhalten. Es wurden regelmäßig Kirchenordnungen erlassen, und auch weltliche „Policey Ordnungen“ zeugen davon, wie man das Verhalten in der Kirche zu verbessern suchte.

In der jüngsten Zeit hat das Verbotswesen in den Kirchen pandemiebedingt eine ganz neue Dimension erreicht. Kein Abendmahl mehr, kein Singen, alle müssen Masken tragen, der Klingelbeutel muss im Schrank bleiben und grundsätzlich ist Abstand geboten. Viele neue (Verbots)Schilder sind wohl gerade in den letzten beiden Jahren in den Kirchen aufgehängt worden.