Eine runde Sache

Die Maschine ist aus Metall. Sie steht auf einem Holzbrett. Die Maschine sieht aus wie ein Kran. Am Ende ist eine Kurbel. Die Kurbel dreht den Glasschneider. Die Maschine schneidet runde Glasscheiben aus.

Mithilfe dieser Glasrundschneidemaschine wurden Rundspiegel hergestellt. Durch Herunterdrücken und Drehen der Kurbel ritzt der Schneidekopf das Spiegelglas auf dem Podest in einem Zug kreisförmig ein. Inv.nr. 20/239. (Foto: Frank Wittstadt)

Die drei Glasschneider haben Griffe aus Holz. Mit dem Werkzeug kann man Glas schneiden und brechen.

Beim Diamantglasschneider ist an der Oberseite des Kopfes mittig eine Auflage mit einem geschliffenen Diamanten angebracht. Mit diesem wird das Glas geschnitten. Die Nuten an den Seiten fungieren als Kröseleisen und dienen zum Brechen kleiner Glasteile. Inv.nr. 20/242, 20/243 und 20/783. (Foto: Frank Wittstadt)

In der Schachtel sind viele Glasschneider. Sie sind in weiteren kleinen Schachteln. Die Schachteln sind silberfarben mit blauer Schrift. Dere Glasschneider hat einen Griff aus Holz.

Der Stahlradglasschneider, hier von der Marke Silberschnitt in Originalverpackung vorliegend, verfügt am Kopf über ein als Rosette bezeichnetes Drehrad, an dem sechs Rädchen aus gehärtetem Stahl eingefügt sind. Ist ein Rädchen stumpf geworden, wird einfach weitergedreht. Auch hier weißt der Kopf zwei Krösel unterschiedlicher Kaliber auf. Inv.nr. 20/781. (Foto: Frank Wittstadt)

Ein Spiegel ist rund. Der andere Spiegel ist eher oval. Die Spiegel sind für Motorräder.

Mit der Schablone wurden Seitenspiegel für Motorräder oder -roller angefertigt (Inv.Nr. 20/784). Der Spiegel wurde mit dem Glasschneideapparat für Rundgläser zugeschnitten. Inv.nr. 20/786. (Foto: Frank Wittstadt)

Das Foto zeigt eine Fabrik. Die Fabrik stand in Fürth. In der Fabrik wurden Spiegel hergestellt.

Das Firmengelände der ehemaligen Fa. Gottlieb Scheidig & Co Spiegelfabrik in Altenberg. Das L-förmige Fabrikgebäude im Vordergrund existiert nicht mehr, das Wohnhaus (1), die Garage für Nutzfahrzeuge (2) und zwei Lagerschuppen (3+4) sind noch erhalten. (Foto: Privatarchiv Oliver Schwab)

Der Begriff „Glasschneider“ ist eigentlich etwas irreführend, weil das Glas nicht wirklich geschnitten, sondern vielmehr angeritzt wird. In der so entstandenen Kerbe, der Fissur, entsteht Spannung und das Glas kann anschließend kontrolliert und mit beherztem Druck entlang der Kerbe gebrochen werden. Um Glas zu schneiden braucht es ein wenig Übung, denn der Schnitt darf nur einmal und mit gleichmäßigem Druck, nicht zu fest und nicht zu sachte, ausgeführt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Glas ungleichmäßig bricht und splittert.

Die Werkzeuge zur Glas- und Spiegelbearbeitung, die im Herbst 2020 dem Museum übergeben wurden, stammen aus der ehemaligen Firma Gottlieb Scheidig & Co Spiegelfabrik in Altenberg. Die Firma wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet, Mitte der 1970er Jahre ging sie Konkurs. Heute sind noch das Wohnhaus, eine Garage und zwei Lagerschuppen erhalten. Das einstige Fabrikgebäude existiert nicht mehr.

Hergestellt wurden in der Spiegelfabrik sowohl die Spiegel an sich, indem das Glas selbst mit Silber belegt wurde, als auch die Endprodukte in Form von Taschenspiegeln, als Rück- und Innenspiegel für KFZ, Motorräder und Fahrräder, sowie große gewölbte Spiegel.

Das Spiegelglas wurden mithilfe verschiedener Werkzeuge in Form gebracht. Zur Herstellung von Rundspiegeln kam die Rundschneidemaschine zum Einsatz, die es ermöglichte, Kreise in unterschiedlichen Durchmessern zu erzeugen. Unsere Glasrundschneidemaschine ist mit einer Plakette versehen, die auf den Hersteller verweist: „Leo Pfister, Fürth / Bayern, Alle Waren und Geräte zur Spiegelherstellung".

Heute noch werden unter anderem Diamantglasschneider und Stahlradglasschneider von Glasern oder Hobbyhandwerkern eingesetzt. Mit ihnen können mithilfe eines Winkeleisens oder Lineals gerade Schnitte und mithilfe von Schablonen spezielle Formen ausgeführt werden. Aber auch frei geführte Schnitte sind möglich. Diamantglasschneider waren schon in der Frühen Neuzeit im Einsatz, wurden aber seit der Mitte des 20. Jahrhunderts durch Stahlradglasschneider verdrängt, die diesen in ihrer Wirkung nur unwesentlich nachstehen.