Heiraten in Weiß oder Schwarz?

Das Kleid ist schwarz. Der Stoff glänzt.

Hochzeitskleid von Ottilie Werthmüller. Sie trug es an ihrer Hochzeit am 10. Juli 1919 in Rothenburg. Schenkung; im Museum seit 2004; Inv.-Nr. 05/2887. (Foto: Michael Back

Ehepaar. Die Braut trägt ein schwarzes Kleid. Dazu trägt sie einen weißen Schleier. Der Bräutigam trägt einen schwarzen Anzug.

Viele Frauen auf dem Land trugen bis Anfang des 20. Jahrhunderts schwarze Brautkleider mit weißem Schleier. Foto: Archiv Fränkisches Freilandmuseum.

Hochzeitsgesellschaft. Die Braut trägt ein weißes Kleid.

Das Heiraten in weiß verbreitete sich in den 1930er und 1940er Jahren. „Standardkleidung“ der Braut sind jetzt weißes Kleid, Schleier und Brautstrauß. (Quelle: Privatbesitz)

Hochzeitspaar. Die Braut trägt eine bunte Tracht.

Das Hochzeitsfoto von Elisabeth und Adam Borst aus Kleinrinderfeld, 1911. Foto: Archiv Fränkisches Freilandmuseum.

Hochzeitskleidung zeichnete sich in allen Gesellschaftsschichten seit jeher als besonders reiche Festkleidung in den herrschenden Modefarben und -formen aus. Denn sie fand auch nach der Vermählung zu festlichen Anlässen Verwendung. Die bis heute anhaltende Festlegung auf das weiße Brautkleid und den schwarzen Anzug des Bräutigams begann im 19. Jahrhundert.

In dieser Zeit entwickelten sich in wohlhabenden bürgerlichen Kreisen besondere weiße Kleider für die Braut zunächst aus einer Mode heraus. Mit den aus Frankreich kommenden Chemisenkleidern (Hemdkleidern) der Empire-Zeit etablierte sich Weiß als beliebte Kleiderfarbe. Sie stand auch für moralische und religiöse Reinheit. Diese weißen Frauenkleider aus dünnem, fließendem Stoff in einfachem Schnitt und mit nach oben versetzter Taille waren antiken Frauenstatuen nachempfunden. Denn modisch orientierte man sich an der als Ideal angesehenen Epoche der Antike.

Um 1900 zeigen Hochzeitsfotos, deren Zahl jetzt zunahm, fast gleichrangig weiße und schwarze Brautkleider. Weiß, das auch cremefarbene Varianten einschloss, und Schwarz waren beliebt und hatten alle anderen Farben fast vollständig verdrängt.

Die einfache Bevölkerung trug weiterhin keine spezielle Hochzeitskleidung, sondern ein Festkleid, das entsprechend der Mode häufig schwarz war. Dagegen stellten Modezeitschriften überwiegend weiße Brauttoiletten vor. Zum weißen wie zum schwarzen Kleid gehörte ein weißer Schleier.

Auf dem Land behielten in Abgrenzung zur bürgerlichen Mode die regionaltypischen Brautkleider des 19. Jahrhunderts das traditionelle Schema des farbigen, meist dunklen Festtags- oder Kirchgangkleides, bekannt als „Festtracht“, das durch das Ergänzen bräutlicher Attribute wie dem Brautstrauß und dem Brautkranz zum Hochzeitskleid wurde. Die ersten „weißen Hochzeiten“ kamen hier seit den 1920er Jahren auf.

In den 1950er Jahren wurde, gleichzeitig mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, die Brautausstattung immer aufwändiger. Seit den 1970er Jahren sind farbige Brautkleider gesellschaftlich akzeptabel. Zunehmend werden auch Jeans und Alltagskleidung zur Trauung getragen.