Ignaz Rindskopf

Flugblatt des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten im Kampf gegen Antisemitismus.

Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten war nur eine der Organisationen, in denen Ignaz Rindskopf aktiv war.

Besonders für die jüdische Gemeinde von Würzburg ist Ignaz Rindskopf ein bedeutender Mann. Geboren wurde er am 27.12.1871 als Sohn von Jakob und der Allersheimerin Jeanette Rindskopf, einer geborenen Friedlein, in Großlangheim. Mit gerade einmal sechs Jahren musste Ignaz dann jedoch nach dem frühen Tod seines Vaters zusammen mit seiner Mutter und seinen Brüdern nach Würzburg verziehen. Dort war sein Leben geprägt von häufigen Umzügen, so ist er im Laufe der Jahre unter den Adressen Ursulinergasse 9, Domstraße 9, Marktplatz 4 und Reibeltgasse 6 zu finden. Nach dem Besuch der jüdischen Volksschule und sechs Klassen Realschule, die Ignaz Rindskopf mit der Mittleren Reife abschloss, entschied sich der junge Mann für eine Lehre im Weinhandel.

Unterbrochen wurde das Karrierestreben durch eine Militärzeit, die Ignaz 1892/93 als Einjährig-Freiwilliger ableistete. Kurz darauf machte er sich gemeinsam mit Bruder Moritz selbstständig, wurde zunächst Teilhaber und ab 1910 dann Inhaber der Großhandlung „Gebrüder Rindskopf“. Auch die Anschrift der Firma wechselste häufiger. Nach ihrem Start in der Reibeltgasse 6 fand man sie später in der Ottostraße 14, um 1920 sind Keller und Kontor im Haus Sanderring 17 nachweisbar. Seiner guten Ausbildung und den engen familiären Banden ist es wohl auch zu verdanken, dass Ignaz Rindskopf nach deren Emigration auch die Firmen seiner Brüder unter den Namen „Moritz Rindskkopf“ und „Moritz und Ludwig Rindskopf“ führte.

Nach der Odyssee als Kind war Ignaz nun angekommen. 1901 verlieh ihm die Stadt Würzburg gar die Bürger- und Heimatrechte. Die Hochzeit mit seiner Frau Rosa im selben Jahr, einer geborenen Lehmann aus Aschbach und selbst Nachkommin einer Allersheimer Familie, komplettierte sein Glück. Die Identifikation reichte so weit, dass er sich in der Katastrophe des Ersten Weltkrieges 1915/16 freiwillig meldete und als Unteroffizier sogar eine Auszeichnung errang. Nach einer schweren Krankheit wurde er 1917 schließlich aus dem Militärdienst ehrenvoll entlassen. Ignaz Rindskopf war engagiert in seiner Stadt. Davon zeugen die Mitgliedschaften im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, der Deutschen Staatspartei, dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der Gesellschaft Casino und weiteren Organisationen. Als Vorstandsmitglied und Kassierer nahm er im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens lokal eine wichtige Rolle ein.

Und auch seine religiösen Überzeugungen hatte der Kaufmann zeitlebens nicht vergessen. Im Gegenteil gehörte er zu den führenden orthodoxen Vertretern der jüdischen Gemeinde Würzburg. So spendete er etwa 1922 20 Mark für Mazzen (ungesäuertes Brot) für Glaubensbrüder im heiligen Land. Der hohe Respekt, der Ignaz Rindskopf innerhalb der Gemeinde entgegengebracht wurde, zeigt sich in seiner Ernennung zum Vorsitzenden der orthodoxen Fraktion der Kultusverwaltung ab der Mitte der 1920er-Jahre. Im Januar 1931 wurde er schließlich zum 2. Vorsitzenden der gesamten Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg gewählt und war 1932 laut einem Wahlvorschlag sogar Ersatzmann bei den Wahlen zur Tagung des Verbandes Israelitischer Gemeinden in Bayern. Nachdem sieben Jahre später in den Wirren des Nationalsozialismus der 1. Vorsitzende Gerson Haas aus seinem Amt ausgeschieden war, leitete Rindskopf die Würzburger Gemeinde kurzzeitig als deren Vorsitzender. Auch die israelitische Kranken- und Pfründnerhausstiftung der Stadt stand zuletzt unter seiner Leitung. Als erfolgreicher Geschäftsmann kann für 1936/37 noch eine Haushälterin bei ihm nachgewiesen werden.

Seine Zeit als Vorsitzender der Gemeinde fiel jedoch bereits in einen absoluten Ausnahmezustand. Auch Ignaz Rindskopf war im Novemberpogrom 1938 festgenommen und eine Woche lang in Würzburg interniert worden. Im Januar 1939 zwang man ihn, seine Firma zu schließen. Als Rindskopf im Juni 1939 mit den Vorständen der jüdischen Gemeinden in Berlin und Frankfurt nach einer Lösung für unzählige polnischstämmige Gemeindemitglieder suchte, denen in allen Gemeinden die Abschiebung drohte, brachte ihm dies erneut eine einwöchige Haftstrafe ein. Immer klarer wurde es, dass auch Würzburg kein Zuhause auf Dauer sein konnte und so bereitete er eine Emigration über England ins palästinensische Mandatsgebiet vor, die schließlich am Kriegsasusbruch scheitern sollte. Im September wurde er stattdessen zwangsweise im Heim Konradstraße 3 der israelitischen Kranken- und Pfründnerhausstiftung einquartiert, deren Leiter er war. In den frühen 1940ern war Ignaz so verzweifelt, dass er seinen Bruder Moritz, über dessen Emigration er wenige Jahre zuvor noch sein deutliches Unverständnis geäußert hatte, um Hilfe bat, um Deutschland noch irgendwie verlassen zu können. Doch es war bereits zu spät. Am 23.09.1942 wurde Ignaz Rindskopf ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 12.12.1944, kurz vor seinem 73. Geburtstag, ermordet wurde.

 

Ignaz Rindskopf

 

Ignaz Rindskopf is an especially important man for the jewish community of Würzburg. He was born on December 27th of 1871 as son of Jakob and Jeanette Rindskopf, a born Friedlein from Allersheim, in Großlangheim. After the early death of his father, Ignaz moved to Würzburg with his mother and his brothers at the age of six. There his life was shaped by many moves. Over time he can be found under the addresses Ursulinergasse 9, Domstraße 9, Marktplatz 4 and Reibeltgasse 6. After studying at the jewish board school and absolving six classes at the Middle School, graduating with a secondary school leaving certificate, he opted for an apprenticeship in wine trade.

The start of his career was interrupted by a time in the military, which Ignaz completed as a one-year volunteer in 1892/93. Shortly after he became an independent wine trader along with his brother Moritz, starting as a partner and then becoming the owner of the wholesaler „Gebrüder Rindskopf“ in 1910. As Ignaz, the company too was always on the move. After its start under the address Reibeltgasse 6, it moved to Ottostraße 14 and had a cellar and an office in Sanderring 17 around 1920. It is probably due to his high skills and the close familiar ties that Ignaz Rindskopf also took over the companies of his brothers „Moritz Rindskopf“ and „Moritz und Ludwig Rindskopf“ after their emigration.

After his odyssey as a child, it now seemed as if Ignaz had found a home. In 1901 the city of Würzburg even granted him the right of domicile and citizen’s rights. In the same year his marriage with Rosa Lehmann from Aschbach, herself a descendant of a jewish family from Allersheim, completed his personal luck. So strong was his identification that in 1915/16, when World War I was raging, Ignaz volunteered and was even granted an award as a corporal. After a severe illness in 1917, he left the army. Ignaz Rindskopf was very active within his city. He was a member of the Black-Red-Gold Banner of the Realm, the „Deutsche Staatspartei“, the „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“, the „Casino“ society and other organizations. As member of the board and cashier he was very active in the „Centralverein“ for german citizens of jewish faith in Würzburg.

But Ignaz was also religiously active. He was among the leading figures of the orthodox faction of the jewish community in Würzburg. In 1922, for example, he donated 20 Mark for Matzot for felllow jews in the holy land. The high respect, with which he was treated within the community is shown by the fact that he was named chairman of the orthodox faction since the mid-1920s. In January of 1931, he was even elected as second chairman of the whole jewish communiy of Würzburg and served as a replacement candidate for the election of the convention of the association of jewish communities in Bavaria in 1932. When seven years later, under the government of the national socialists, the first chairman of the Würzburg community, Gerson Haas, resigned, Ignaz Rindskopf took over his post. He also served as the chairman for the house for the beneficiaries and sick of the community. He was a succesful business man and was able to pay for a housekeeper in 1936/37.

But Ignaz had to lead the community in a state of emergency. During the november pogrom of 1938 he had been arrested and imprisoned for one week within the city. In January of 1939 he was forced to give up his business. When he discussed with the chairmen of the jewish communites of Berlin and Frankfurt in June of 1939 in order to find a solution for polish-born community members which were in danger of being deported, he once again was sentenced to a week of imprisonment. It became clearer and clearer that Würzburg, too, could not be a permanent home. Ignaz Rindskopf prepared to leave Germany for Palestine via England but his plans were crossed when the war broke out. Instead, he was forced to move to the beneficiary home of the community in Konradstraße 3 in September, while still being the chairman of the association that paid for said home. In the early 1940s Ignaz was becoming so desperate that he begged his brother Moritz, whose emigration he had not been able to understand a few years earlier, to find a way to enable him to emigrate. But it was too late. On September 23rd of 1942, Ignaz Rindskopf was deported to Terezin, where he was murdered on December 12th of 1944, shortly before his 73rd birthday.

 

Quellen

 

Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken.

Rindskopf, Siegmund: Der sprachliche Ausdruck der Affekte in Lessings dramatischen Werken. Inaugral-Dissertation verfaßt und der Hohen Philosophischen Fakultät der Königl. Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg zur Erlangung der Doktorwürde vorgelegt am 20. Februar 1901. Dresden 1901.

Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V.: Dr. Siegmund Rindskopf (verfasst durch Lisa Hollerith).

Staatsarchiv Würzburg Juedisches Standesregister 65 Klingenberg, Geburten 1868-1875.

Der Israelit vom 28.12.1922.

Jüdische Gemeinde Würzburg und Unterfranken: Leiter der Jüdischen Gemeinde.

Notizen aus den Akten der Geheimen Staatspolizei=Gestapo Würzburg im Staatsarchiv Würzburg.

Scroll Congregation Beth El Vol. 59 No. 8 April 2010.