In Franken drehen sich die letzten Wasserschöpfräder nördlich der Alpen

Im Gelände des Fränkischen Freilandmuseums ist das hölzerne Wasserschöpfrad am südlichen Ufer des Seeweihers aufgebaut, mit Schöpftrog und Rinne zum Weiterleiten des geschöpften Wassers

Das Wasserschöpfrad am Seeweiher des Freilandmuseums steht in der langen Tradition dieser einst in Franken verbreiteten Wasserhebevorrichtung. Foto: Juliane Sander

Wasserschöpfrad in Möhrendorf. 24 Schaufelbretter treiben das Rad an. 24 Kümpfe (Schöpfeimer) schöpfen ca. 1000 Liter pro Minute. Foto: Gemeinde Möhrendorf

Wasserschöpfrad mit Schöpftrog und Rinne zum Weiterleiten des geschöpften Wassers.

Wasserschöpfrad mit Schöpftrog und Rinne zum Weiterleiten des geschöpften Wassers. Foto: Gemeinde Möhrendorf

Luftaufnahme eines Möhrendorfer Wasserschöpfrads an der Regnitz mit Wehr.

Möhrendorfer Wasserschöpfrad an der Regnitz mit Wehr. Foto: Gemeinde Möhrendorf

Das Wasserschöpfrad am Seeweiher des Freilandmuseums steht in der langen Tradition einer in Franken früher verbreiteten Wasserhebevorrichtung. Bis zur Einführung von Motorpumpen und Beregnungsanlagen wurden Schöpfräder zur künstlichen Bewässerung von Wiesen und Feldern eingesetzt. Wiesenbewässerung diente primär der Nahrungssicherung. Neben der Bereitstellung von Wasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Nutzflächen, wurde sie auch zur Düngung und zum Anwärmen des Bodens im Frühjahr genutzt. Die Räder schöpfen das wärmere und sauerstoffreiche Oberwasser des Gewässers und machen die anliegenden Wiesen besonders ertragreich.

Die Ursprünge der Schöpfradtechnologie entwickelten Kulturen des Mittelmeerraums, für die aufgrund klimatischer Gegebenheiten eine Bewässerungslandwirtschaft erforderlich war. Die ältesten Quellen reichen bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Eine ergiebige Wiesenwirtschaft war im niederschlagsarmen Mittelfränkischen Becken allein über eine Bewässerung der vorwiegend sandigen Täler möglich. Wiesenbewässerung durch Grabensysteme ist seit dem 14. Jahrhundert belegt, mit Schöpfrädern seit 1413. Am originalen Standort befindliche Überreste einer solchen Bewässerungskultur sind die temporär eingesetzten, unterschlächtigen Flusswasserräder an der Regnitz in Möhrendorf nördlich von Erlangen in Mittelfranken. 2020 wurden sie als letzte Zeugnisse traditioneller Bewässerung in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Diese Technik- und Kulturdenkmale sind einmalig in Mitteleuropa.

In Möhrendorf, wo auch das Wissen um die einstige, zur Wiesenwässerung eingesetzte Technik der Wasserschöpfräder weitergegeben wird, drehen sich noch heute zehn hölzerne historische Räder. Laut der in Teilen weiterhin gültigen „Baiersdorfer Wasserordnung“ von 1693 dürfen sie nur von Mai bis September betrieben werden.

Im Mittelfränkischen Becken und im Vorland der Fränkischen Alb, wo große Flächen landwirtschaftlich erschlossen werden, ermöglicht diese teilweise noch eingesetzte Bewässerungstechnik eine weitgehend selbsttätige Wasserbereitstellung und Einleitung in ein Verteilersystem. Denn nach wie vor bestimmen die Kulturflächen der Wässerwiesen das Landschaftsbild im Flussgebiet von Rednitz, Regnitz und Wiesent. Neben der Wichtigkeit für die Nutzung der Flächen, steht die Nachhaltigkeit dieser in Franken seit Jahrhunderten betriebenen Bewässerungsform. Die Wiesen sind gesund und fruchtbar.

Im Flusssystem der Regnitz entstanden über 400 Schöpfräder. Nach ihrem letzten flächenhaften und zahlenmäßigen Höhepunkt im 19. Jahrhundert nahm ihre Zahl spätestens seit der Mitte des 20. Jahrhunderts rapide ab. 

Auf der Homepage der Gemeinde Möhrendorf finden Sie neben weiteren Bildern Informationen zur Technik, Konstruktion und Montage sowie ein Video zu den zehn historischen Möhrendorfer Wasserrädern entlang der Regnitz. [http://www.regnitzraeder.de/index.php/technik-und-konstruktion-der-wasserraeder]