Johann Christian Reinhart als Karikaturist

Verfremdeter Bischof (Bischofsstab in der linken Hand) als Fabeltier halb Mensch, halb Schwein. Weinglas in der erhobenen rechten Hand und Flaschen auf den Rücken gebunden. Mehrere leere Flaschen liegen schon auf dem Boden.

Johann Christian Reinhart, Lord Bristol als Porco Centauro, 1803, Radierung, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky Hamburg, Titelkupfer

Zeichnung eines Spaziergängers in Rückansicht, Titelvignette des Buches Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802, Braunschweig und Leipzig 1803

Johann Christian Reinhart, Johann Gottfried Seume als Spaziergänger von Rom nach Syrakus, 1803, Zeichnung, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky Hamburg, Titelvignette

In unserer Sonderausstellung über den Pfarrerssohn, Maler und Lebenskünstler Johann Christian Reinhart (1761-1847) rücken wir diesen in Vergessenheit geratenen Deutschrömer wieder in den Fokus. Der Pfarrer i. R. Heinz Schuster übergab dem Museum Kirche in Franken einige seiner Radierungen, die wir als Anlass nahmen, uns genauer mit dem Künstler zu beschäftigen.

Reinharts Gesamtwerk umfasst nicht nur Radierungen, sondern auch Aquarellzeichnungen, Landschaftsmalereien und Karikaturen. Letztere sind meist aus einer impulsiven Laune Reinharts heraus entstanden.

So machte er seinem Ärger über den 4th Earl of Bristol Luft, der zum einen für ihn gefertigte Bilder nicht bezahlte und zum andern den Künstler Reinhart in seinem Haus schlecht behandelt hatte. Neben einem saftigen Brief, in dem er seine Verachtung für Bristol niederschrieb, fertigte er auch eine Karikatur an. Die Karikatur zeigt den Lord und Bischof als „porco centauro“, halb Mensch halb Schwein, das Weinglas in der erhobenen Hand. Viele leere Flaschen liegen schon auf dem Boden und noch mehr volle hängen im Sattel. Der „alte Geck“, wie er ihn in seinem Brief betitelte, erscheint als ein den schönen Dingen des Lebens wohl nicht abgeneigter verfremdeter Bischof. Dieser Brief und auch die Zeichnung waren unter den Deutschrömern und in der feinen römischen Gesellschaft verbreitet und Johann Gottfried Seume, ein Reisender, der zu dieser Zeit in Rom weilte, fügte die Begebenheit in seinen Reisebericht ein. Er sorgte dafür, dass die Karikatur auch überregional wahrgenommen wurde. Seume war mit Reinhart gut bekannt, der für ihn auch eine Zeichnung für die Titelseite seines Reiseberichts „Spaziergang nach Syrakus“ anfertigte.

Die Karikatur kann in der Ausstellung als Kopie bewundert werden. Das Original befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky in Hamburg. Einen kleinen Ausschnitt aus dem Brief und was Herr Seume sonst über den Lord und Reinhart zu berichten hat, gibt es als Audiostation.

Johann Christian Reinhart wollte mit seinen Karikaturen auf humorvolle Weise Kritik ausüben. Sie stellten den Zeitgeschmack auf eine ironische oder skeptische, wenn nicht sogar vorwurfsvolle Art dar. Reinhart wollte damit weniger das breite Publikum erheitern, sondern sich vielmehr über die meist verfremdeten Personen amüsieren. Er selbst rückte seine Karikaturen zu Lebzeiten nicht als Teil seines künstlerischen Schaffens in den Vordergrund, obwohl gerade das 19. Jahrhundert die Blütezeit der Karikatur war und er sicher damit auch weite Verbreitung hätte finden können.