Kippen und knabbern!

Die Kanne ist aus Glas. Sie hat runde Noppen. An einer Seite ist ein Henkel. An der anderen Seite ist ein Ausguss. Oben ist eine Öffnung. In der Öffnung steckt ein Korken.

Nusskanne, Inv.nr. 19/255; im Museum seit 2019 – herzlicher Dank an unsere ehemalige Volontärin Dr. Sabine Tiedtke, die uns die Nusskanne überlassen hat. (Foto: Frank Wittstadt)

Draußen ist es kalt und dunkel, die Weihnachtslichter leuchten schon... Zeit für den Rückzug aufs Sofa, mit Lektüre, TV-Unterhaltung und Knabbereien – zum Beispiel gesalzene Erdnüsse. Doch wer kennt das nicht: Die Finger werden fettig (Buchseiten und Fernbedienung gleich mit) und jeder langt ungeniert in die Schale – was bei mehreren hungrigen Personen in Pandemiezeiten eh nicht gerade die beste Idee ist.

Die Gelegenheit also, einen vergessenen Klassiker aus dem Sortiment praktischer Haushaltshilfen, die eigentlich keiner braucht, herauszukramen: Die Nusskanne! Das Prinzip ist sauber: Die Nüsse werden in die Kanne gefüllt, die Entnahme erfolgt durch Neigen derselben nach vorne direkt in die… geöffnete Hand. Ganz ohne Fett auf der Haut geht es dann wohl doch nicht.

Die wohl erste Nusskanne brachte 1973 die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) auf den Markt. Sie fand ihren Weg via Versandhauskatalog und Kaufhaus direkt in die rustikale Gemütlichkeit deutscher Wohnzimmer, wo sie sicher auch heute noch in mancher Schrankwand zu finden ist. Auch unser Exemplar ist im stilistischen Vergleich der WMF-Serie zuzuordnen, die immerhin bis 1983 lief. Der Erfolg war offenkundig groß genug, um zahlreiche Konkurrenzprodukte auf den Markt zu rufen – neben Kannen auch Nusskatzen, Nilpferde, Delfine und Eichhörnchen (beworben mit: „kippen und knabbern“).

Welches Potential in Nusskannen und ihrer „Erforschung“ liegt, zeigt der gründlich recherchierte Netzauftritt www.nusskanne.de, der hier wegen seiner garantierten Seriosität auch als Quelle genutzt wurde.

Das Team Wissenschaft & Sammlung wünscht eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und natürlich frohes Knabbern!