Natur im Museum: Vögel und Häuser

Hausrotschwanz-Männchen: Aufnahme Wolfgang Sprügel

Hausrotschwanz-Weibchen. Aufnahme Wolfgang Sprügel

Haussperling. Aufnahme Wolfgang Sprügel

Schleiereulengelege mit 1-2 Tage altem Jungtier. Aufnahme Matthias Bull

Das Fränkische Freilandmuseum zeigt nicht nur zahlreiche Beispiele der typischen Siedlungsweise in verschiedenen Regionen Frankens, sondern auch Bestandteile einer historischen Kulturlandschaft wie Äcker, Wiesen und Weiden, Hecken, Feldgehölze und Teiche. Die kleinteiligen und vielfältigen Strukturen des Geländes sind zum Lebensraum zahlreicher Vogelarten geworden. Einige Arten zeigen dabei einen besonders engen Bezug zu unseren Gebäuden.

Hausrotschwanz

Der Hausrotschwanz ist etwas kleiner als der Sperling und hat, wie der Name schon verrät, einen roten Schwanz. Ausgewachsene Männchen sind mit ihrem grauschwarzen Gefieder kontrastreicher und damit auffälliger als die graubraunen weibliche Tiere und Jungtiere.

Hausrotschwänze ernähren sich vor allem von Insekten, die oft von einer erhöhten Sitzwarte aus auf dem Boden erbeutet werden. Aber auch Beeren werden nicht verschmäht. Der Gesang setzt am Morgen als einer der ersten unserer Vogelwelt ein. Die Gesangsstrophe besteht aus mehreren Lauten und ist sehr charakteristisch, ebenso das häufige „Knicksen“ und das Wippen mit dem Schwanz.

Ursprünglich war der Hausrotschwanz ein Bewohner weitgehend offener, übersichtlicher Landschaften, in denen Felsblöcke als Brutplätze und Singwarten vorhanden waren. Viele Berg- und Felsregionen besitzen diese Merkmale. Bei uns ist der Hausrotschwanz am Ende des 2. Weltkriegs deutlich häufiger geworden. Die Trümmer der zerbombten Städte boten ihm offensichtlich einen Lebensraum, der seinem natürlichen Habitat sehr ähnlich war. Mit dem Verschwinden der Trümmerlandschaften wurden zunehmen Siedlungsgebiete genutzt. Während in der natürlichen Umgebung Höhlen und Felsspalten als Nistplatz und der Felsblock als Singwarte dienten, sind es nun Öffnungen und Nischen in Gebäuden und der Reviergesang wird auf dem First des Hauses vorgetragen. Unterstützen können wir diese bisher nicht gefährdete Vogelart durch das Belassen von geschützten Nischen im Bereich der Häuser. Geeignete Nisthilfen werden zwar angenommen, jedoch nicht bevorzugt. Im Museum ist der Hausrotschwanz immer zu beobachten. Wir haben jährlich etwa 20 Brutpaare.

Haussperling

Der Haussperling, meist einfach nur als „Spatz“ bezeichnet, wirkt kompakt und kräftig. Wie auch beim Hausrotschwanz haben Männchen ein deutlich kontrastreicheres Federkleid als Weibchen. Der Kopfscheitel ist grau gefärbt, im Gegensatz zum braunen Scheitel des Feldsperlings. Das laute Tschilpen des Gesangs der Sperlingsmännchen ist nicht zu überhören, erst recht da Sperlinge sehr gesellige Tiere sind. Sperlinge können Stimmen anderer Vögel gut imitieren.

Der Haussperling hatte sich bereits in der Zeit des ersten Ackerbaus an den Menschen angeschlossen. Er ist noch heute eine typische Art der Dörfer mit Landwirtschaft, aber auch von Stadtzentren mit ihren Parkanlagen. Hier stehen Nahrung in Form von Sämereien sowie auch Insekten ganzjährig zur Verfügung und es gibt ausreichend Nistplätze. In Städten sind Spatzen bezüglich ihrer Nahrung wenig wählerisch und fressen auch an dem, was Imbissbuden- und Biergartenbesucher übrig lassen. Typisch ist, dass die Nahrungsaufnahme praktisch immer in Gruppen erfolgt. Sperlinge baden - sowohl im Sand als auch im Wasser. Anschließend erfolgt die gemeinsame Gefiederpflege.

Bei der Wahl des Nistplatzes zeigen sich Spatzen anpassungsfähig. Gerne werden geschützte Hohlräume aller Art im Bereich von Gebäuden angenommen, aber auch Nistkästen und Spechthöhlen werden genutzt. Stehen alle diese Möglichkeiten nicht zur Verfügung, kann sich der Spatz auch eine Nesthöhle in Büschen oder Bäumen anlegen. Wie die Nahrungsaufnahme, findet das Brüten bevorzugt in Gemeinschaft statt.

Auch wenn der Haussperling noch eine der häufigsten Brutvogelarten bei uns ist, so ist doch der Bestand in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stark zurückgegangen.

Die Gründe liegen wie so oft in Veränderungen des Lebensraumes: zunehmende Versiegelung nimmt samentragenden Pflanzen den Standort, effiziente Erntemaschinen lassen wenig Getreidekörner auf dem Feld zurück, Insektizide auf den Feldern verringern das Futterangebot für Nestlinge, Tierhaltung findet weitgehend in abgeschlossenen Ställen statt, Hohlräume an Gebäuden, die als Nistplätze dienen könnten, werden beseitigt. Und natürlich wird auch so mancher Sperling von Katzen erbeutet oder von Sperbern geschlagen.

Ab dem 18. Jahrhundert gab es sogenannte „Spatzenkriege“, bei denen ein Kopfgeld auf Spatzen ausgesetzt wurde. Noch in den 1960er Jahren wurden Sperlinge allgemein als Ernteschädlinge im Getreide mit Giftweizen und Fallen bekämpft und ihre Nester ausgenommen. Heute gehören Haussperlinge mit allen anderen europäischen Vogelarten zu den gesetzlich besonders geschützten Tierarten. Zugänge zu Futterlagern, bei denen die Gefahr besteht, dass Spatzen sie durch ihren Kot verunreinigen, können zum Beispiel durch Windbrechnetze versperrt werden.

Im Museum findet der Sperling sehr gute Bedingungen vor. Er nistet an Gebäuden, unter Dachtraufen, hinter Fensterläden und selbst in alten Schwalbennestern.

Schleiereule

Schleiereulen sind etwas größer als eine Taube und durch ihr helles, herzförmiges Gesichtsfeld mit keiner anderen Eule zu verwechseln. Unter dem „Schleier“ ist der dunkle Saum zu verstehen, der das Gesichtsfeld umrahmt. Der spezielle Bau ihrer Ohren erlaubt der Eule sowohl die Richtung als auch die Entfernung der Beute zu hören. Ihre Nahrung sind hauptsächlich Mäuse, seltener Vögel, Amphibien, Reptilien und große Insekten.

Schleiereulen leben bevorzugt im Übergangsbereich von Siedlung und offenem Gelände, welches sie als Jagdgebiet nutzen können. Das Freilandmuseum ist ein für Schleiereulen sehr gut geeigneter Lebensraum, denn gerade die kleinräumige Strukturierung und die Vermeidung von großflächigen Monokulturen puffern die zyklischen Bestandsschwankungen der Mäuse, die die Hauptnahrung der Eulen darstellen. Die großen Scheunen des Freilandmuseums sind ein idealer Brutplatz. Im Inneren von drei Scheunen wurden Schleiereulenkästen angebracht.

Kalte, schneereiche Winter führen oft zu einem starken Rückgang der Eulenpopulation. Wenn es genug Nahrung gibt, können solche Einbußen durch eine hohe Vermehrungsrate in den folgenden Jahren wieder ausgeglichen werden. Überhaupt hängt der Beginn der ersten Brut wie auch die Gelegezahl sehr eng mit dem Mäusereichtum zusammen.

Herzlichen Dank für zahlreiche Informationen an Hans Seitz!