Salomon Adler

Ansicht von Burg Saaleck

Schloss Saaleck hatte einst einen jüdischen Burgherren. Foto: Tilman2007 (CC BY-SA 3.0)

Verlobungsanzeige von Salomon Adler

Verlobungsanzeige von Salomon Adler und Jeanette Oberndorfer

Salomon Adler wurde am 10.07.1846 in Allersheim als Sohn von Samuel und Elisa Adler, einer geborenen Stern, geboren. In Allersheim wuchs er im Haus mit der Nr. 19 auf. Bereits früh zeichnete sich sein beruflicher Weg ab: So legte er 1864 seine Prüfung für Handelsmänner in Ansbach ab, allerdings nur mit einer 3 als Abschlussnote.

Am 30.08.1866 bemühte sich Salomon Adler um die Erteilung einer Konzession zum Betrieb einer Handlung mit Eisen, Leder, Schnittwaren und Spezereien in Allersheim, ein Vorhaben, das die Gemeindeverwaltung unterstützte. Offensichtlich half er jedoch zunächst seinem Vater bei dessen Geschäften, denn 1868 ist eine Gerichtsverhandlung mit der Frage beschäftigt, ob ein von ihm im Namen seines Vaters ausgehandelter Grundstücksverkauf rechtens ist, oder ob dafür sein Vater selbst hätte zugegen sein müssen.

Bereits ab den frühen 1870er-Jahren ist Adler nicht mehr im kleinen Allersheim zu finden, sondern im nahe gelegenen Würzburg, wo er in der Ludwigstraße 11 wohnte und bis Ende 1912 das Getreidegeschäft „S.A. jun.“ leitete. In die selbe Zeit fällt seine am 07.08.1871 bekannt gegebene Verlobung mit seiner späteren Frau Jeanette, einer gebürtigen Oberndorfer aus der nahen Großstadt Nürnberg. Mit ihr bekam er die Kinder Frieda (*25.01.1874), Emma (*11.06.1877), Lilli (*30.12.1880), Julius (*29.09.1882) und Otto Josef (*21.06.1887). Teile seines Vermögens nutzte der Handelsmann zu Spenden, so beispielsweise an die Israelitische Lehrerbildungsanstalt seines Wohnortes.

1878 war Salomon Adler endgültig angekommen, die Stadt Würzburg verlieh ihm die Heimat- und Bürgerrechte. Sein geschäftlicher Erfolg jedoch brachte ihm nicht nur Freunde ein. Am 25.04.1878 wurde vor dem Stadtgericht Würzburg ein Fall verhandelt, in dem er gegen den Würzburger Pferdehändler Simon Heidenheimer als Kläger auftrat. Dieser hatte einem Ökonomen, der beim Notar gerade im Begriff war, einen Vertrag mit Adler aufzusetzen, zugerufen: „Unterschreiben Sie nicht, Sie unterschreiben sonst Ihr Todesurtheil! Wer mit Salomon Adler sich in Geschäfte einläßt, kommt nicht vom Stroh auf’s Bett, sondern vom Bett auf’s Stroh!“ Er gab an, sein gesamtes Vermögen an Adler verloren zu haben. Da auch weitere Zeugen fragwürdige Geschäftspraktiken unterstellten und Salomon Adler zudem bereits wegen Betruges und Urkundenfälschung vorbestraft war, blieb ihm letztlich nichts übrig, als die Klage fallen zu lassen. Im Rückblick ist es kaum noch möglich, die Basis der einzelnen Vorwürfe zu überprüfen. In vielen vergleichbaren Fällen waren es schlicht enttäuschte Schuldner, die ihren jüdischen Kreditgebern zu Unrecht die Schuld für die eigene wirtschaftliche Misere gaben. Da es sich in diesem Fall beim Beklagten möglicherweise selbst um einen jüdischen Händler handelte, kann zumindest ein antisemitisches Motiv wohl ausgeschlossen werden.

Zu seinem zweifelhaften Ruf trug sicherlich der umfangreiche Handel mit verschuldeten Grundstücken bei, den Adler betrieb. Diese Geschäfte waren zwar rechtlich einwandfrei und legal, hinterließen jedoch bei den Betroffenen einen überaus bitteren Nachgeschmack und führten nicht selten zu an sich nicht gerechtfertigten Unterstellungen. Das Ankaufen verschuldeter Grundstücke und der anschließende Weiterverkauf brachten dem Handelsmann nicht nur einen umfangreichen Immobilienbesitz in und um Würzburg ein, so gehörten ihm zeitweise die Häuser Bismarckstraße 18 und 19, sie machten ihn kurzzeitig sogar zum Besitzer einer Burg. 1894 kaufte er als Teil einer jüdischen Investorengruppe das Schloss Saaleck bei Hammelburg, um es zwei Jahre später an einen anderen Interessenten zu verkaufen. Am 05.02.1914 starb Salomon Adler schließlich in Würzburg. Er, der über viele Jahre eine durchaus veritable Macht im lokalen Wirtschaftsgeschehen gewesen war, ist heute weitgehend vergessen und wird zumeist nur in Randnotizen erwähnt.

 

Salomon Adler

Salomon Adler was born on 10.07.1846 in Allersheim as son of Samuel and Elisa Adler, a born Stern. In Allersheim he grew up in house number 19. From early on, his carreer path became clear: In 1864 he succeeded in his final exam to become a merchant in Ansbach, even though he only achieved a „3“ as a mark.

On 30.08.1866 Adler applied for a license to deal with iron, leather, textiles and spices in Allersheim, which the local authorities aaproved. Nevertheless he seems to have been helping his father at first as can be seen from a court hearing in 1868 about whether it was legal for him to buy property in the name of his father during his absence.

Already from the early 1870s on, Salomon Adler is no longer found in the small village of Allersheim but in the much bigger Würzburg instead, where he resided in Ludwigstraße 11 and led the corn business „S. A. Jun.“ until 1912. On 07.08.1871 he announced his engagement to Jeanette Oberndorfer from the near city of Nuremberg. She is also the mother of his five children Frieda (*25.01.1874), Emma (*11.06.1877), Lilli (*30.12.1880), Julius (*29.09.1882) and Otto Josef (*21.06.1887). Adler used parts of his money for donations, e.g. to the „Israelitische Lehrerbildungsanstalt“, a school for Jewish teachers, of his hometown.

In 1878 Salomon Adler had fully arrived in Würzburg and was even granted citizen's rights in the city. However he soon had to learn that the success of his business did not please everybody. On 25.04.1878 a case was heard in front of the municipal court in Würzburg in which Adler accused Simon Heidenheimer, a horse merchant from Würzburg, of an insult. Heidenheimer had shouted at a man that was about to sign a contract with Adler, telling him to not sign the deal because Adler would lead him into poverty. He claimed to have lost all of his money to Adler. Since other whitnesses supported the claims against Salomon Adler and since he had been convicted for fraud and faking documents before, he was left with no choice than to drop the charges against Heidenheimer. It is nowadays difficult to say which parts of the witnesse's statements were true. In many similar cases, false claims were made against Jewish loan-givers because the bankruot clients were disappointed by their economic breakdown and searched for a scapegoat. In this case it seems not unlikely that Heidenheimer was himself Jewish, which at least makes antisemitic motives less likely.

One of the things that helped to establish Adler's bad reputation was most likely his large-scale trading of indebted properties. Even though this was perfectly legal, it often lead the owners who lost their property to directly link their disappointment and anger to the buyer and in many cases resulted in unfair allegations. This property-trading not only brought Salomon Adler ownership of a lot of real estate in and around Würzburg, he for example owned the houses Bismarckstraße 18 and 19 for some time, but also for a short while made him the owner of a castle. In 1894 he was part of a group of Jewish investors who bought the Saaleck castle near Hammelburg and sold it to another client two years later. On 05.02.1914, Salomon Adler died in Würzburg. This once wealthy man, an important player in the local business life of Würzburg for many centuries, today is almost forgotten and often only mentioned in footnotes.

 

Quellen

 

Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken

Marblestone, David B.: The Family of Jesaias Oberndorfer and Fanny Bauer

Geburten-, Sterbe- und Eheregister der Jüdischen Gemeinde Allersheim

Der Israelit vom 29.06.1891

Staatsarchiv Würzburg

Gemeindearchiv Giebelstadt Karton 4 Akt 1

Annalen der Großherzogl. Badischen Geschichte. Bd. 34. Mannheim 1868

Strätz, Reiner: Biogaphisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945. Würzburg 1989

Fränkischer Kurier vom 07.08.1871

Rechenschaftsbericht über die Israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg für das elfte Jahr ihres Bestehens. Würzburg 1875

Steidle, Hans: Neckermann & Co. Die Ausplünderung der Würzburger Juden im Dritten Reich. Würzburg 2014

Aschaffenburger Zeitung vom 30.04.1878

Hammelburger-Album: Herren und Besitzer von Schloss Saaleck