Vom Lehm zum Ziegel Mittelalterliche Ziegelherstellung im Fränkischen Freilandmuseum

1 Der Ziegler presst den Lehm in die Form, Foto Ute Rauschenbach

1 Der Ziegler presst den Lehm in die Form, Foto Ute Rauschenbach

2 In Trockenregalen liegen die Ziegel einige Wochen im Freien zum Trocknen, Foto Lisa Baluschek

7 Ausräumen des Brennofens, Foto Lisa Baluschek

8 Doppeldeckung am Badhaus aus Wendelstein mit neuen Ziegeln, Foto Lisa Baluschek

Für den Wiederaufbau des spätmittelalterlichen Badhauses aus Wendelstein im Fränkischen Freilandmuseum wird ein ganz besonderer Nachschub benötigt: Die Handwerker des Museums fertigten in reiner Handarbeit Dachziegel und Backsteine in mittelalterlichen Herstellungstechniken! Für die Umfassungsmauer um das Gelände fehlen noch Backsteine und für deren kleines Dächlein die Dachziegel.

Zuerst wird der erdfeuchte und leicht bröselige Lehm durchgeknetet und verpresst, sodass alle Luft aus der Lehmmischung entweicht. Zur Formung der Ziegel wirft und drückt Mitarbeiter Manfred Klewer den Lehm in die Form, um Luftblasen oder Fehlstellen an den Kanten zu vermeiden. Dann zieht der Ziegler die überschüssige Masse mit einer Drahtschlinge oder einem Kantholz ab. Die Werkstücke löst man anschließend behutsam aus den Formen und lässt sie für etwa vier bis fünf Wochen in den Trockenregalen neben der Ziegelei im Freien aushärten.

Die getrockneten Ziegel und Backsteine werden im Freilandmuseum in einem rekonstruierten spätmittelalterlichen Ziegelbrennofen gebrannt. Die richtige Schichtung ist die Kunst der erfahrenen Ziegler: Zuerst werden unten die schweren Backsteine eingeschichtet und darüber vorsichtig die Ziegel hochkant aufgestellt. Oben verschließt man den Ofen mit einer Schicht Kies. Dabei bleiben einige Öffnungen frei, durch die Hitze entweichen kann. In der Nacht wird die Hitze durch kleine Flämmchen sichtbar.

Jetzt steht der wichtigste Schritt bevor: 72 Stunden dauert das Brennen, währenddessen campieren die Handwerker neben dem Ofen. Am ersten Tag heizen die Ziegler den Ofen erst auf 150 bis 200°C auf. Das langsame Erhitzen des Ofens vermeidet Spannungsrisse im Brenngut. Am zweiten Tag müssen konstant bis zu 600°C herrschen, da ab etwa 500°C der Verziegelungsprozess beginnt. Am letzten Brandtag wird die Temperatur auf über 950°C erhöht und über die letzten zwölf bis vierzehn Stunden gehalten. Dadurch werden die Ziegel frostsicher und haben eine längere Lebensdauer.

Ebenso behutsam erfolgt das Abkühlen: Erst nach etwa zwei Wochen ist die Temperatur soweit gesunken, dass die Ziegler den Ofen öffnen und ausräumen können. Die Backsteine werden nun beim Badhausbau verwendet. Das Dach ist bereits mit den im Museum hergestellten Biberschwanz-Ziegel eingedeckt. Sie zieren in der optisch besonders ansprechenden und dichten Doppeldeckung die westliche Dachseite des Badhauses. Gegenüber wurden die noch erhaltenen historischen Ziegel verbaut. Im nächsten Frühjahr 2021 soll das Badhaus feierlich eröffnet werden. Eine mit Ziegeln bedachten Umfassungsmauer soll es dann von den benachbarten bäuerlichen Gehöften abgrenzen und als wichtige öffentliche Einrichtung hervorheben.

Lisa Baluschek M.A.