Von der Klotzbeute zum Bienenkasten

Zum Weltbienentag möchten wir die Bienenhaltung im Fränkischen Freilandmuseum in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Rund um das Bienenhaus aus Merkendorf (rechts) finden die Bienen am Sommerschlösschen (links) ein reiches Nahrungsangebot. Foto: Ute Rauschenbach

Zwei Bienenhäuser mit Bienenkästen gibt es im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim: eines am Sommerschlösschen aus Eyerlohe, das aus Merkendorf stammt, und ein Musterbienenhaus der „Staatlichen Anstalt für Bienenzucht Erlangen“ am Schulhaus aus Pfaffenhofen. Beide sind mit Bienenvölkern bewohnt und werden auch für museumspädagogischen Aktionen genutzt. Sie zeigen, wie Bienenhaltung ab 1900 in Franken betrieben wurde und werden von den Museumsimkern Josef Kopelent und Michael Weiler gepflegt.

Die Kastenimkerei hatte die Korbimkerei ab 1850 allmählich abgelöst, denn sie bot einige Vorteile: Der Imker kann wesentlich bienenschonender arbeiten, denn die herausnehmbaren Rähmchen mit den Waben machten es möglich, Honig oder Wachs behutsam zu entnehmen, ohne das Bienenvolk zu zerstören. Weiterhin konnten dadurch auch Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Diese Haltungsform hat den Erkenntnisgewinn der Bienenforschung deutlich erweitert.  Einen besonderen Namen hat sich dabei auch Johann Witzgall (1848-1932) gemacht, der als Dorflehrer in Pfaffenhofen wirkte. Von ihm stammen bis heute gültige Lehrbücher zur Bienenkunde und Bienenbewirtschaftung.

Noch weiter zurück geht nun ein neues Projekt im Fränkischen Freilandmuseum. Es soll zeigen, wie die Imkerei im Mittelalter betrieben wurde. Auch im „Nürnberger Reichswald“ erlebte die Imkerei im hohen Mittelalter, die Zeidlerei, eine besondere Blüte. Bienenvölker lebten seit Jahrmillionen wild in hohlen Baumstämmen im Wald. Honig und Wachs wurden von den Zeidlern mit hohem Aufwand im Wald geerntet, bis sich die „Klotzbeute“ durchsetzte. Dabei wurden besiedelte, rund 1,50 m lange Baumstammabschnitte aus dem Wald geholt und in die Dörfer gebracht. Feucht war damals ein besonders wichtiger Ort für die Zeidlerei, die für einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung sorgte. Honig war eine wesentliche Zutat für die Lebküchnerei und Wachs war vor allem seitens der Klöster nachgefragt, um Kirchen und Bibliotheken zu erleuchten.

Derzeit befindet sich eine Klotzbeute in Vorbereitung, die mit einem Bienenvolk besiedelt werden soll und ihre erste Bewährungsprobe im nächsten Winter zu bestehen hat. Wird das Bienenvolk überleben? Dann soll die besiedelte Klotzbeute künftig in der Baugruppe Mittelalter zu sehen sein.