Warum der Weiße Sonntag weiß ist…

… und was der Glöckner von Notre Dame damit zu tun hat.

Der evangelische Kirchenjahreskreis

Quasimodo, dargestellt als Buckliger und Hässlicher mit den Schlüsseln zur Kathedrale Notre Dame

Quasimodo, Antoine Wiertz (1806-1865), 19. Jahrhundert, Öl auf Leinwand, Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel

Der kommende Sonntag ist bekannt als der Weiße Sonntag. Es ist der zweite Sonntag in der Osterzeit und beendet den Osteroktav, die acht Tage nach dem Triduum Sacrum beginnend mit dem Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag.

Aber warum ist der Sonntag weiß?

Der genaue Ursprung ist nicht nachweisbar, aber vermutlich hat dies mit den weißen Taufgewändern der frühen Christen im 4. – 7. Jahrhundert zu tun. Die in der Osternacht frisch getauften Erwachsenen trugen ihre weißen Taufkleider (Alben) bis zum nächsten Sonntag und legten sie erst dann ab. Deshalb heißt der Weiße Sonntag dominica in albis, der [letzte] Sonntag in weißen Gewändern. Das Weiß symbolisierte die Reinigung durch das Taufwasser und die Neugeburt im Glauben.

Zur Erwachsenentaufe gehörte auch die Erstkommunion, der erste Empfang des Abendmahls als neugetaufter Christ. In der katholischen Kirche wurde deshalb ab dem 17. Jahrhundert (nach dem Konzil von Trient) die Erstkommunion der Kinder traditionell auf diesen Tag gelegt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde es verpflichtend für den Weißen Sonntag festgelegt, seit 1910 aber erst das Alter von 7 Jahren. Heute feiern die Kinder die Erstkommunion zumeist in der Zeit der 3. Schulklasse, der Weiße Sonntag ist mittlerweile aber kein Pflichttermin mehr.

In vielen evangelischen Gemeinden findet am Weißen Sonntag die Konfirmation statt. Doch nicht in allen, auch der Palmsonntag ist ein beliebter Konfirmationstermin. Im evangelischen Kirchenjahr steht der Weiße Sonntag als Quasimodogeniti. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet es soviel wie „wie die Neugeborenen“, was sich auf die Neugeburt im Glauben durch die Taufe bezieht.

Quasimodo? Vielen Menschen kommt nun ein Bild eines Buckligen in den Sinn…

Dieser Name ist verbunden mit dem berühmten Glöckner von Notre Dame. Der Schriftsteller Victor Hugo hat sich ganz bewusst für diesen Namen entschieden. Quasimodos Adoptivvater, der Domprobst Claude Frollo, gab ihm dem Namen, weil er als kleines unschuldiges Kind am Sonntag Quasimodogeniti auf den Stufen der Kathedrale von Notre Dame gefunden wurde. Obwohl der Junge extrem hässlich und taub ist, hat er ein weiches Herz und durch die Liebe zum Zigeunermädchen Esmeralda fühlt er sich im Laufe der Geschichte wie neugeboren…

 

Literatur:

Der Glöckner von Notre-Dame. Übersetzt von Arthur von Riha. Goldmann, München 2001

https://www.brauchtum.de/de/fruehjahr/weisser-sonntag.html

https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/#2021-33-0-0