Was aber genau bedeutet „Mühle“?

Holzquader mit einer Handkurbel auf der Topseite; in dem Holzquader befindet sich eine Mahlmechanik sowie eine kleine Lade, in der sich das Mahlgut sammelt, in diesem Fall gemahlener Mohn.

Mohnmühle aus der Sammlung des Freilandmuseums. Ende 19. / Anfang 20. Jahrhundert. Inv. Nr. 16/102. Foto: Renate Bärnthol.

Ein farbig gemaltes Ölbild, es zeigt das Anwesen der Aumühle aus Eyb bei Ansbach, dieses setzt sich zusammen aus Wohnhaus, Scheune und Hofhaus

Die Aumühle aus Eyb bei Ansbach mit ihren Nebengebäuden auf einem Ölbild aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Heute befindet sich das Mühlengebäude im Freilandmuseum. Es beherbergt die Museumsverwaltung. Bildarchiv Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim.

Ein- bzw. zweistöckiger Bau der Mühle aus Unterschlauersbach im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim; Bau mit massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss, Satteldach mit weitvorkragendem Halbwalm am Südgiebel, Biberschwanz-Doppeldeckung

Die Mühle aus Unterschlauersbach präsentiert sich im Museum in der Farbigkeit des 17. Jahrhunderts. Foto: Tobias Tratz

Mag unter „Mühle“ vornehmlich das Gerät oder die Maschine zum Zermahlen von Getreide zu Mehl gesehen werden, umfasst der Begriff alle Geräte und Maschinen, in denen feste Stoffe gemahlen, verrieben und zerkleinert werden können. Daneben ist die Mühle in technikhistorischer Bedeutung als einzige überlieferte Großtechnik gleichbedeutend mit jeder technischen Einrichtung, angetrieben durch Wasser-, Wind- oder Muskelkraft. „Mühle“ ist aber auch das Gebäude sowie der gesamte bauliche Komplex, in dem die technische Vorrichtung untergebracht ist.  

Ein weites Definitionsspektrum bilden darüber hinaus die vielen Mühlenarten wie Wassermühlen, Windmühlen, Ross- oder Tiermühlen und Dampfmühlen, die sich wiederum nach Bearbeitungstechniken unterscheiden: Mahlmühlen, Stampfmühlen, Walkmühlen oder Sägemühlen. Schließlich zeigt die Differenzierung nach bearbeiteten Stoffen und der in ihnen produzierten Erzeugnisse die vielen Nutzungsarten: Ölmühlen, Lohmühlen, Papiermühlen, Erzmühlen, Knochenmühlen… Die meist verbreitete und älteste Mühlenart ist die Getreidemahlmühle. In ihrer Geschichte lässt sich die fortschreitende Technisierung und der stetige Wandel gesellschaftlicher, sozialer und rechtlicher Aspekte der Menschheitsgeschichte vergegenwärtigen

Eine umfassende Definition des Mühlenbegriffs ist schwierig. Zeigt doch die weitgefasste Auslegung, stellvertretend für die historische Mühlenliteratur aus dem „Handbuch des Mühlenrechts“ von 1829 zitiert, seine vielschichtige Bedeutung: „Unter einer Mühle versteht man eine Maschine, welche […] in Bewegung gesetzt wird, um Früchte oder andere Sachen […] zu zermalmen, zerschneiden, zerstampfen, schleifen, […] usw. …“. Zusammen betrachtet machen Technik, Bauwerk sowie die sie umgebende Landschaft die Faszination aus, die wir spontan mit dem Begriff „Mühle“ verbinden.

In Franken war eine Mühle gleichzeitig ein Bauerngut mit Scheune und Hofhaus. Wesentlicher Unterschied bestand darin, dass der Mühlraum in das Anwesen, überwiegend in das Gebäude selbst, integriert war. Auch im zweigeschossigen Gebäude der „Unterschlauersbacher Mühle“ im Museum befinden sich neben der technischen Mühleinrichtung Wohnung und Stall. Von ihrer Bauweise unterschieden sich Mühlen nicht grundlegend von der in Franken üblichen Art zu bauen. Durchaus konnten sie sich durch repräsentativen Aufwand stärker von anderen ländlichen Bauten abheben. Auch in Mittelfranken gab es Mühlengebäude, deren Größe und Pracht sich mit reichen städtischen Gebäuden messen lässt. Müller waren häufig keine armen Leute.