Zuckersüß und extrascharf

„Zuckerschneider“ – der Name des Gegenstands wirft Fragen auf. Will man damit Zuckerwürfel schneiden und soll dabei etwa Puderzucker herauskommen?

Der Zuckerschneider ist ein Messer. Es sitzt auf einem Holzbrett. Man kann das Messer herunterklappen. Das Brett hat die Form eines Tropfens.

Zuckerschneider. Inv.nr. 21/330, Altbestand. (Foto: Regina Kapfer)

Vor der Entdeckung der Zuckerrübe war Zuckerrohr die Quelle des Süßen. Etwa ab dem Jahr 600 und ausgehend von Persien stellte man über Jahrhunderte hinweg Zuckerhüte aus dem erhitzten Saft von Zuckerrohr her. Die Zuckerhüte waren sehr hart und mit den heutigen nicht zu vergleichen – man brauchte Werkzeug, um sie zu zerkleinern.

Eine Möglichkeit bot dieser Zuckerschneider oder auch Zuckerbrecher aus dem 19. Jahrhundert. Der harte Zucker wurde zwischen das Metall geklemmt und mit Geschick und Kraft zerkleinert. Der Holzbehälter fing jedes Körnchen auf, denn Zucker war sehr teuer – ein echtes Luxusgut und Statussymbol, das nicht umsonst wie auch Salz als „Weißes Gold“ bezeichnet wurde. Im 17. Jahrhundert diente Zucker sogar als Arznei.

Nicht zuletzt mit der Verbreitung des Kaffees wurde Zucker unabdingbar, mit der Nachfrage stieg das Angebot. Die Zuckerschneider waren ebenfalls kostspielig, aber schließlich so gut etabliert, dass man sie sogar in Puppenküchen wiederfindet.

Neben dem Rohrzucker aus Übersee etablierte sich in Europa ab etwa 1850 dann zunehmend der Rübenzucker. Nicht zuletzt durch die Erfindung des Würfelzuckers durch Jacob Christoph Rad im Jahr 1843 – angeblich nachdem sich seine Frau beim Zuckerzerkleinern verletzt hatte – wurden  Zuckerschneider allmählich obsolet.

Heutzutage wird Zucker auf vielfältige Weise in der Lebensmittelproduktion verwendet. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 34 Kilogramm pro Jahr – vor 400 Jahren lag er noch bei etwa einem Teelöffel.