Kriegerdenkmal ins Museum versetzt - Enthüllung am 100. Gedenktag des Versailler Vertrages

Bis zu seinem Abbau 2016 durch das Fränkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim stand das Kriegerdenkmal mitten in der Altstadt von Ornbau (Lkr. Ansbach) vor der Volksschule. Enthüllt wurde es dort am 31. August 1924 zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Ikonografie der Muschelkalk-Skulptur ist dem damaligen Zeitgeist geschuldet: Der sterbende Soldat im Schoße seiner Gattin steht für die Trauer um die Gefallenen und das Weiterreichen des Schwertes an den Sohn bringt den Revanchegedanken zum Ausdruck.

Der Typus erinnert an den der Pietà: Maria beweint den Leichnam Christi in ihrem Schoß. Besonders in Frauenklöstern war dieser seit dem Hochmittelalter weit verbreitet. Im Museum ist eine Pietà aus dem 18. Jahrhun- dert über dem Eingangsportal zum Hof aus Retzstadt (Lkr. Main-Spessart) zu finden.

Die Enthüllung des Denkmals an seinem neuen Standort im Fränkischen Freilandmuseum ist am 28. Juni, dem 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrages vorgesehen. Dieser stellte die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Ersten Weltkrieges fest und begründete damit die Reparationsforderungen der Alliierten. Weit verbreitet war damals in Deutschland das Empfinden einer großen Ungerechtigkeit und in diesem Kontext ist das gesamte Kriegerdenkmal mit seiner Inschrift „Die dankbaren Heimatgemeinden ihren gefallenen Helden 1914/18 zur Ehr“ zu sehen.

Darunter waren alle 46 Gefallenen der Gemeinden Ornbau und Gern namentlich aufgelistet; auf der Schmalseite des Denkmalsockels zudem die beiden gefallenen Gemeindemitglieder des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Im Jahr 1971 wurde das Denkmal renoviert und bei dieser Gelegenheit umgewidmet. Die überarbeitete Inschrift unter dem Wappen der Gemeinde Ornbau lautet seitdem: „Den Opfern der Kriege 1870/71  1914/18  1939/45.“

Die Versetzung des Denkmals ins Freilandmuseum ist ein weiterer Baustein, mit dem das ländliche Leben in Franken umfassend abgebildet werden soll, denn sie waren lange wesentlicher Bestandteil der dörflichen Erinnerungskultur, bis sie nach und nach in den Hintergrund gerückt sind. Mittlerweile wurden in einigen Dörfern die Denkmäler sogar entfernt.

Museumseintritt 7 €, ermäßigt 6 €, Familien 17 €, Teilfamilien 10 €, Kinder bis 6 Jahre sind frei.