Fotoaufnahme einer der Wiesen im Museum. Die untere Hälfte des Bildes wird von der Wiese komplett ausgefüllt, wobei einige hohe Gräser im Vordergrund stehen. Im Hintergrund sind Häuser und Bäume erkennbar.

Badhaus aus Wendelstein im Aufbau - Schröpfköpfe, Badesteine und Schwitzaufguss

Im vergangenen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau des Badhauses aus Wendelstein im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim begonnen, nachdem es 2012 vom Originalstandort in Wendelstein in ganzen Wand- und Deckenteilen geborgen und ins Frei- landmuseum transferiert worden war.

Museumsbesucher dürfen über eine Treppe auf einen Erdhügel steigen und haben von hier aus einen perfekten Panoramablick auf das Gesche- hen in der Baustelle am östlichen Rand der Baugruppe Mittelalter. Das Erdgeschoss des Badhauses aus Wendelstein steht bereits. Vom Eingang auf der Südseite gelangt man in den Flur, von dem eine Tür nach rechts in die beheizte Umkleide führt. Zur Schürkammer und die Badstube geht es ein paar Stufen hinunter. Hier soll an einigen Tagen im Jahr der histori- sche Badebetrieb wieder erlebbar gemacht werden mit Schwitz- und Sitzbädern. Früher wurden hier auch Behandlungen wie Schröpfen, Aderlass und sogar chirurgische Eingriffe durchgeführt. Die archäologische Unter- suchung während des Abbaus förderte sogar noch einige Schröpfköpfe aus Bronze und Badesteine für den Schwitzaufguss zu Tage. Im Vorbad auf der linken Seite des Flures ist eine Dauerausstellung über die Hygiene und Badekultur vom Mittelalter bis heute im ländlichen Raum geplant. Wie häufig badete man sich, haben Männer und Frauen eigentlich gemeinsam gebadet, was sollte das Schröpfen oder ein Aderlass bewirken und warum machten das überhaupt die Bader und nicht approbierte Ärzte? Auch auf diese Fragen wird es Antworten geben.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums haben herausgefunden, dass im Obergeschoss neben dem Bader auch noch andere Mietparteien wohnten. Dafür sprechen drei erhaltene, aufwändig gestaltete Wohnstuben und vier nachweisbare Küchen. Auch das Dach- geschoss ist teilweise ausgebaut. Da liegt es nahe, das Thema „Mittelalterliche Mietshäuser“ in einer Dauerausstellung im Obergeschoss aufzugreifen und die räumliche Enge, die Brandgefahr – immerhin hatte das Badhaus drei Kamine und sieben Feuerstellen – oder die Beleuchtung thematisch zu vertiefen. Die Wohnung des Baders soll rekonstruiert und mit Nachbauten mittelalterlicher Möbel ausgestattet werden, da die Originalausstattung nicht mehr erhalten ist.

Die Forschungen ergaben auch, dass das Badhaus 1450 auf der Grundlage eines älteren, im Ersten Markgrafenkrieg (1449/50) zerstörten Vorgängerbaus errichtet wurde. Damit gilt es als eines der ältesten erhaltenen Badhäuser Europas. Die äußere Gestalt blieb seither weitgehend unverändert: Auf dem steinernen, ungewöhnlich hohen Erdgeschoss befindet sich der Fachwerkbau mit teilweise ausgebautem Dach. Bis in die Zeit um 1800 blieb die Badstube in Betrieb, danach nutzte man die Räume als Stall. Zuletzt stand das Gebäude leer und verfiel, bis der Abbau durch das Freilandmuseum im Jahr 2012 erfolgten konnte. Er wurde begleitet von intensiven bauhistorischen, archäologischen und archivalischen Untersuchungen, deren Ergebnisse die wechselvolle Bau- und Bewohnergeschichte des Badhauses spiegeln. Die festliche Eröffnung wird voraussichtlich im Jahr 2020 sein.

Eintritt 7 €, ermäßigt 6 €, Familien 17 €, Teilfamilien 10 €.