Fotoaufnahme einer der Wiesen im Museum. Die untere Hälfte des Bildes wird von der Wiese komplett ausgefüllt, wobei einige hohe Gräser im Vordergrund stehen. Im Hintergrund sind Häuser und Bäume erkennbar.

Licht in dunklen Zeiten

Fotoaufnahme einer Laterne aus Blech und Glas, die mit Petroleum betrieben wird.

Vorbesitzer: Andreas König (Abenberg); im Museum seit Dezember 2018; Inventarnr. 18/486

Diese Petroleumlampe ist an sich kein besonderes Objekt. Jedoch kann sie auf einen langen Weg zurückblicken. Sie stammt aus der Kleinstadt India (heute Inđija, Serbien), die im frühen 20. Jh. mehrheitlich von Donauschwaben bewohnt wurde, einer Bevölkerungsgruppe, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert nach Ungarn und in angrenzende Gebiete ausgewandert war. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges und seinen Folgen wurden die meisten von ihnen wieder nach Deutschland evakuiert oder vertrieben. Andere mussten fliehen oder gerieten in Gefangenschaft.

Zu den Evakuierten zählte auch Familie König, die die Laterne mitgebracht hat. Am 10. Oktober 1944 wurde sie von der Wehrmacht zur Umsiedlung ins Deutsche Reich aufgefordert. Mit Pferdewagen und dem nötigsten Besitz zogen sie los. Nach kurzer Zeit wurde der Treck aufgeteilt: Die Männer mussten die Wagen mit Getreide beladen und allein nach Deutschland fahren. Frauen und Kinder sollten in Richtung Polen weiterziehen. Katharina König und ihren Kindern gelang jedoch die Flucht: In einem Zugwaggon erreichten sie Österreich, wo sie mehrere Monate in einer Kornkammer hausten, bevor sie nach Deutschland ausgewiesen wurden. Ende 1946 kam die Familie nach Abenberg (Lkr. Roth). Der Vater blieb vermisst.

Die Laterne war stets dabei. Sie spendete Licht im eigenen Wagen wie auch im Waggon, half beim Verstecken und beim nächtlichen Verrichten der Notdurft. In der Unterkunft in Österreich diente sie als Lampe. So trug sie zur Alltagsbewältigung, sogar zum Überleben in dunklen, unsicheren Zeiten bei.

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