Fotoaufnahme einer der Wiesen im Museum. Die untere Hälfte des Bildes wird von der Wiese komplett ausgefüllt, wobei einige hohe Gräser im Vordergrund stehen. Im Hintergrund sind Häuser und Bäume erkennbar.

Palmen fürs Wohnzimmer - Malerwalzen-Ausstellung im Freilandmuseum

Figuren und Skurriles, Palmen für die Wohnzimmerwand, Winnetou fürs Kinderzimmer oder der röhrende Hirsch fürs Schlafzimmer – die gestalterischen Möglichkeiten von Struktur- und Musterwalzen sind schier unerschöpflich. Die Ausstellung „Neu aufgerollt – Bunte Muster von der Maler- walze 1920-1980“ im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim gibt einen Einblick. Eröffnet wird sie am 9. März19 zum Saisonstart des Museums.

In den 1920er-Jahren kamen die Walzen in Deutschland auf den Markt und noch in den 1970er-Jahren waren die Walzenmuster als Wanddekorationen gefragt. Dann wurde sie endgültig von Tapeten abgelöst, obwohl ihre Vorteile auf der Hand lagen: Sie waren kostengünstiger, schneller anzubringen und man konnte auch unebene Flächen oder Dachschrägen sauber und exakt bearbeiten. Die Ausstellung im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim gibt Auskunft über die Herstellung und die Technik der Aufbringung und präsentiert verschiedene Dekore.

Im Sommer 2018 konnte das Fränkische Freilandmuseum zusätzlich zu dem eigenen Bestand die rund 3.400 Walzen umfassende Privatsammlung Romig aus Scheßlitz übernehmen.

Sammlung Romig

Musterwalzen faszinierten Dr. Dietmar Romig bereits in seiner Kindheit, als die Wohnräume seiner Familie regelmäßig neu „geweißelt“ und dann gewalzt wurden. Als er Mitte der 1980er Jahre loszog, um Walzen und Zubehör zu erwerben, wurde er enttäuscht. Die jüngeren Mitarbeiter der umliegenden Malerbetriebe waren mit der Technik nicht mehr vertraut, die alten Materialien waren zum Teil erst wenige Monate zuvor entsorgt worden. Romig gab eine Suchanzeige auf und schon am Erscheinungstag klingelte sich das Telefon heiß – bereits nach einer Woche waren 1000 Walzen samt Zubehör zusammengetragen. Er setzte seine Suche fort und klapperte Flohmärkte ab. Zudem konnte Romig noch einen alten Malermeister ausfindig machen, der ihm den Umgang mit Walze und Rollapparat zeigte.

Längst ging es Romig nicht mehr nur um den Eigenbedarf, sondern darum, „dieses Kulturgut zu retten“. Schon früh hegte er die Absicht, seine Sammlung einst einem Museum zu spenden – und so geschah es im vergangenen Sommer: Das Fränkische Freilandmuseum konnte die in ihrer Vielfalt und Aussagekraft einzigartige Sammlung übernehmen. Um die Inventarisierung kümmerte sich der Kurator der Ausstellung, Tobias Ott aus Hof an der Saale – eben- falls leidenschaftlicher Walzen-Sammler.

Sammlung Ott

Als Tobias Ott die ersten Musterwalzen vor vielen Jahren auf einem Flohmarkt zum ersten Mal entdeckte, keimte die Idee die Walzen künstlerisch zu nutzen. Später interessierte sich der Sammler mehr und mehr für die Geschichten der Musterwalzen, insbesondere die Herstellung und Anwendung. Im Jahr 2015 konnte er die Produktion mit Beständen der Musterwalzenfirma Draco aus Oberberg/Inn und der damit verbundenen Firma Fa. Höhn aus Hof übernehmen. Seitdem hat er viele noch lebende Mitarbeiter ehemaliger Hersteller und Maler besucht, sie als Zeitzeugen befragt und ihre Berichte dokumentiert.

Die Ausstellung im Fränkischen Freilandmuseum zeigt einen Querschnitt aus beiden Sammlungen. Sie erzählt spannende Firmengeschichten ortsansässiger und überregionaler Mus- terwalzenhersteller und beleuchtet die Produktion und Herstellung der Gummiwalzen. Farbenfrohe Muster und Gestaltungsmöglichkeiten werden ausführlich „aufgerollt“, aber auch Skurriles gibt es zu entdecken.

Einzigartige Zeitzeugendokumente in Bild und Ton lassen die Menschen und ihre Leidenschaft hinter den Musterwalzen lebendig werden. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt ein Aufbewahrungsschrank aus einem Fürther Malerbetrieb und eine Ausprobier-Station macht die Ausstellung auch für Kinder attraktiv.

 Neu aufgerollt – Bunte Muster von der Musterwalze“ – Die Ausstellung ist vom 9. März bis zum 22. September 2019 zu sehen - täglich von 9 bis 18 Uhr, im März montags geschlossen.

Museumseintritt 7 €, ermäßigt 6 €, Familien 17 €, Teilfamilien 10 €.