Nachdenken über Gedenken. Vorträge und Diskussion zur Neuaufstellung des Kriegerdenkmals aus Ornbau

Erstmals stellt ein deutsches Freilandmuseum ein Kriegerdenkmal auf. Wie kam es dazu? Diese Frage und die Gedenkkulturen von damals und heute stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Nachdenken über Gedenken. Aspekte der Gedenkkultur zwischen zwei Weltkriegen“ am 28.06.2019, dem 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrags.

ein monumentales Steindenkmal mit Sockel samt Aufschrift "Den Opfern der Kriege" sowie einer Figurengruppe ("Pietas" mit sterbendem Soldaten, der einem Kind ein Schwert übergibt. Das Denkmal steht vor einem Schulgebäude

Das Kriegerdenkmal am alten Standort in Ornbau

So viel vorneweg: Vor genau einhundert Jahren wurde das Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Versailler Vertrag besiegelt. Bis heute erinnern Kriegerdenkmäler aus der Folgezeit an die Millionen Toten dieses ersten industriellen Kriegs. In jeder Gemeinde und in fast jeder Familie waren Tote zu beklagen. Entsprechend groß war der Wunsch nach einer baulichen Repräsentation des Gedenkens: Kaum eine Ortschaft, in der damals nicht Gedenktafeln oder Kriegerdenkmäler errichtet wurden, die seitdem fest zum Ortsbild gehörten.

Doch waren und sind diese Denkmäler nicht unumstritten, beispielsweise aufgrund ihrer kriegsverherrlichenden Darstellung. Stetig wurden sie verändert, ergänzt, ersetzt oder auch ganz abgetragen. Eines von ihnen wurde 2016 dem Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken in Bad Windsheim angeboten, das Kriegerdenkmal aus Ornbau (Lkr. Ansbach).

Mit dessen Versetzung wurde nun nicht nur ein weiterer Mosaikstein des ländlichen Lebens in Franken ins Museum geholt, mit dem Denkmal kommt auch der gesellschaftliche Diskurs um eine angemessene Erinnerungskultur. Das Fränkische Freilandmuseum versteht sich hierin als wissenschaftlicher Impulsgeber und möchte eine Plattform für dessen Verhandlung bieten – beginnend mit dieser Veranstaltung.

Programm der Veranstaltung „Nachdenken über Gedenken. Aspekte der Gedenkkultur zwischen zwei Weltkriegen“ im Rahmen der Neuaufstellung des Kriegerdenkmals aus Ornbau am 28.6.2019 von 14 bis ca. 18 Uhr

  • Daniel Arnold (Weiterer Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten): Begrüßung
  • Ulrich Herz (Studiendirektor am Steller-Gymnasium Bad Windsheim): Der Versailler Vertrag und seine Folgen: Milieu und Stimmung in Westmittelfranken in den 1920er Jahren
  • Dr. Andrea Kluxen (Kulturreferentin des Bezirks Mittelfranken, Bezirksheimatpflegerin): Der Kult der toten Helden - zur Geschichte der Kriegerdenkmäler im 19. und 20. Jahrhundert
  • Dr. Herbert May (Museumsleiter des Freilandmuseums), Felix Schmieder (Wissenschaftlicher Volontär am Freilandmuseum): Was macht ein Kriegerdenkmal in einem Freilandmuseum?
  • Pause (mit Kaffee und Kuchen) und Möglichkeit zur Besichtigung des Denkmals
  • Heinz Baum (Bürgermeister Ornbau): Kontrovers und umstritten - zur Diskussion um das Kriegerdenkmal in Ornbau
  • Saskia Müller (Wissenschaftliche Volontärin am Kulturreferat des Bezirks Mittelfranken): "Es gibt keinen verlorenen Krieg" - ausgewählte Kriegerdenkmäler im Landkreis Ansbach
  • Dr. Folkhard Cremer (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg): Gefallenendenkmale der Zwischenkriegszeit unter Denkmalschutz - Beispiele aus dem südwestlichen Baden-Württemberg
  • Andreas Koop (designgruppe koop): Wenn Schrift spricht - zur Typografie von Kriegerdenkmälern