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Aktuell laufende Wechselausstellungen

Schwitzbaden, Schröpfen und Kurieren – Das Baderwesen in Franken seit dem Spätmittelalter

Wechselausstellung

03.05.2022- 10.07.2022

Im Spätmittelalter war es bei Armen und Reichen üblich, das Badhaus zu besuchen. „Seelbäder“ waren Stiftungen, die es auch Armen ermöglichten, ins Badhaus zu gehen. Nach dem Verständnis der „Säftelehre“ galt es, überflüssige Körpersäfte loszuwerden: Wege dazu waren zum Beispiel der Aderlass, aber auch Schwitzen und Schröpfen. Gesundheit stellte man sich als das Gleichgewicht der Säfte vor. Der Bader bot im Badhaus ein Schwitzbad an – ähnlich unserer heutigen Sauna. Im großen Badeofen wurden heiße Steine mit Wasser übergossen, so dass die Badegäste kräftig in Schwitzen kamen. Waren sie dann erwärmt und gut durchblutet, ließen sie sich häufig vom Bader blutig schröpfen. Haare waschen, schneiden und Rasieren rundeten den Badhausbesuch ab.

In einem nachgebauten hölzernen Schwitzkasten, der zur Behandlung Kranker diente, können die Besucher:innen der Ausstellung selbst einmal Platz nehmen. Ab dem 16. Jahrhundert nahmen die Badetage in den öffentlichen Badstuben immer mehr ab. Wer etwas auf sich hielt, legte sich stattdessen ein privates Badstübchen zu. Eine Rolle spielten auch die steigenden Holzpreise und die Angst vor der Übertragung der Syphillis. Für die Bader wurde somit ihr zweites Standbein als Wundärzte immer wichtiger. Seit dem Hochmittelalter galt eine von der Kirche vorgegebene Trennung: die innere Medizin oder „Leibarznei“ betrieben studierte Ärzte, die Wundarznei hingegen blieb den handwerklichen Badern oder Barbieren überlassen. So war mancher Bader auf das Zähneziehen spezialisiert. Kleine chirurgische Eingriffe, wie beispielsweise die Behandlung von Furunkeln, übernahmen sie ebenfalls. Zahnzangen, Aderlassbestecke oder auch eine Amputationssäge für größere Operationen zeugen von der umfassenden wundärztlichen Tätigkeit der Bader. Die Bader standen in Konkurrenz mit den studierten Ärzten und sorgten bis ins 19. Jahrhundert hinein auf dem Land für eine medizinische Grundversorgung. Die allerletzten fränkischen „Boder“ zogen noch im 20. Jahrhundert Zähne oder öffneten Abszesse, wie Zeitzeugen in einer Hörstation sehr anschaulich berichten.

Die spritzig und farbenfroh gestaltete Ausstellung ist nicht nur inhaltlich interessant, sondern auch ein optisches Vergnügen. Sie wurde verlängert und ist noch bis zum 10. Juli im Erdgeschoss der Ausstellungsscheune aus Betzmannsdorf zu sehen. Ideal für einen kombinierten Besuch mit dem ab 25. Juni eröffneten Badhaus aus Wendelstein!

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