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Spiegel der Gesellschaft

Zeitgenössische Krippen im Museum Kirche in Franken

Foto: Bayerisches Nationalmuseum München

Foto: Bayerisches Nationalmuseum München

Klein und in ein Tuch gewickelt liegt das Jesuskind im Arm seiner Mutter Maria. Aber nicht in einem Stall oder einer Grotte, sondern mitten in einer Baustelle. Die diesjährige Adventsausstellung im Museum Kirche in Franken zeigt zeitgenössische Krippen. 

Weihnachtszeit ist Krippenzeit. Seit Jahrhunderten wird die biblische Geschichte um die Geburt Jesu in einem Stall in Bethlehem künstlerisch nachgebildet. Was wäre, wenn Maria, Josef und das Jesuskind den Menschen heute begegnen würden? Künstlerinnen und Künstler haben sich in den vergangenen Jahren mit dieser Frage beschäftigt und das Weihnachtsgeschehen in die heutige Lebenswelt übersetzt. Zehn solcher zeitgenössischen Krippen sind ab Samstag, 15. November, im Museum Kirche in Franken in der Spitalkirche zu sehen. Sie alle sind Leihgaben aus dem Bayerischen Nationalmuseum München, das besonders für seine Krippensammlung aus dem 18. und 19. Jahrhundert berühmt ist. Dass die Sammlung auch einzigartige Krippen des späteren 20. und des 21. Jahrhunderts umfasst, ist weitaus weniger bekannt.

Der mitunter kritische Zeitbezug macht die zeitgenössischen Krippen hochaktuell – sie sind ein Spiegel der Gesellschaft, des Alltags und des Miteinanders. So hat der Holzbildhauer Rudi Bannwarth die Heilige Nacht in eine moderne Baustelle, hinter der Hochhäuser aufragen, übertragen. Neben Joseph, im Outfit eines Bauarbeiters, und Maria mit dem Kind sind weitere Personen zu sehen. Bei einer anderen Krippe lässt Bannwarth ein Fernsehgehäuse zum Schauplatz werden. Die Heilige Familie steht wartend vor einer Tür, hinter der es sich eine Familie mit reichlich Alkohol und Geschenken auf dem Sofa gemütlich gemacht hat. 

Vom Künstler Peter Sauerer stammen vier Krippen, die – im Gegensatz zu Bannwarths mehrere Meter großen Baustellen-Krippe – miniaturhaft klein und zugleich von unglaublichem Detailreichtum sind. Die Heiligen Drei Könige tragen hippe Outfits, der vordere bringt sein Geschenk in einer Supermarkttüte. Maria, Josef und das Jesuskind haben Gasmasken vor dem Gesicht, neben ihnen sind Atommüllfässer und jede Menge Abfall zu sehen. Im ersten Moment mag dieser Zeitbezug irritieren. Doch neu ist der nicht: Schon bei den berühmten figurenreichen neapolitanischen Krippen der Barockzeit tragen die Figuren die Tracht ihrer Zeit und die Bauten entsprechen der damaligen Alltagswelt.

Die Krippen der Ausstellung „Krippenzeit“ im Museum Kirche in Franken sind zwar anders sind als man sie kennt. Doch auch sie sind ein Zeugnis der Auseinandersetzung mit der biblischen Geschichte und stehen in einer langen Tradition. Mit ihren unerwarteten Schauplätzen und kuriosen Details machen sie Freude beim Entdecken. So, wie jede andere Krippe auch.