Handschrift mit Eintragungen zu Todesfällen

Schwitzen_Schwatzen_Schröpfen

Johann Georg Schmidt, Baudenbach

Baderpersönlichkeiten: Johann Georg Schmidt war noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Baudenbach als Bader aktiv und führte dort die unterschiedlichsten Tätigkeiten aus...

Handschrift mit Eintragungen zu Todesfällen

In seinem Leichenschaubüchlein vermerkte der Bader Schmidt alle Todesfälle seiner Gemeinde, Archiv Baudenbach Sig. 501.

Ansicht einer Straße mit Kirchrutm und einigen anderen Häusern. Kopfsteinpflaster

Ansicht des Ortes Baudenbach, Foto: Ernst Eichhorn 1968/1986, Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim, Slg. Eichhorn.

Bader als Badstubenbetreiber und Wundärzte waren seit dem Mittelalter wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung. Sie wurden seit dem 19. Jahrhundert von den studierten Medizinern und staatlichen Restriktionen immer stärker zurückgedrängt, bis die Ausbildung in den 1930ern schließlich ausgesetzt wurde. Trotzdem waren die letzten ihrer Profession noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg tätig.

Der letzte Bader in Markt Baudenbach, einem Ort im mittelfränkischen Landkreis Neustadt Aisch-Bad Windsheim, war Johann Georg Schmidt. Er wurde bereits am 11. Dezember 1860 geboren und besaß neben seiner Tätigkeit als Bader noch einen Kaufladen und eine kleine Landwirtschaft. Das Badergeschäft hatte er von seinem Vater übernommen. Noch bis zu seinem Tod am 17. Oktober 1949 war er in seinem Beruf tätig. Zu seinen Tätigkeiten gehörte selbstverständlich das Frisieren und Rasieren, daneben ließ er seine Kunden aber auch zur Ader und schröpfte sie. In einem handschriftlichen Rezeptbuch hielt er Behandlungsmethoden und Hausarzneimittel-Rezepturen fest.

Eine andere wichtige Tätigkeit, die er mindestens von 1919 bis 1929 ausführte, war die Leichenbeschau. Diese war seit der Ministerial-Entschließung vom 6. August 1839 in Bayern obligatorisch. Für diese Tätigkeit konnten neben studierten Medizinern in einigen Fällen auch Bader herangezogen werden. In zwei handschriftlichen Leichenschauheften hielt Johann Georg Schmidt alle Todesfälle der gesamte Gemeinde Baudenbach inklusive aller Ortsteile Frankenfeld, Hambühl, Höfen, Mönchsberg und Roßbach fest. Es enthält Geburts- und Sterbetag der Patient*innen, die Todesursache sowie die Dauer der Krankheit. Dort heißt es beispielsweise für das Jahr 1925:

Müller Joh. Georg | geb. 6. Nob. 1852 | gest ab. 12. Juli nachts ½ 3h. Krank 1 Jahr. | Krankh. Darmkrebs | Herzlähmung | alt 72 Jahr. 8 Monate | Beruf Seilermeister [unleserlich] | Beerdigung 14 Juli | zw 1h u 2h | Leichenschau 12. Juli | mittag ¾ 12h

Quellen und Literatur:

  • Archiv der Gemeinde Markt Baudenbach, Signatur 501.
  • Werner Nörpel: Markt Baudenbach. Aus Baudenbachs Vergangenheit. Bd. 3. Im Dienste der Gemeinde. Baudenbach 1991, S. 144-156, bes. 145.
  • Johann Baptist Demuth: Die gesundheitlichen Verhältnisse in der Pfalz. In: Denkschrift über die seit dem Jahre 1903 unter Mitwirkung des Reichs erfolgte systematische Typhusbekämpfung im Südwesten Deutschlands. Berlin 1912, S. 365‒402, hier S. 395.