ein monumentales Steindenkmal mit Sockel samt Aufschrift "Den Opfern der Kriege" sowie einer Figurengruppe ("Pietas" mit sterbendem Soldaten, der einem Kind ein Schwert übergibt. Das Denkmal steht vor einem Schulgebäude

Das Kriegerdenkmal aus Ornbau

Als drittes Objekt in der Baugruppe 20. Jahrhundert wurde im Juni 2018 das Kriegerdenkmal aus Ornbau (Lkr. Ansbach) ins Freilandmuseum transloziert und am 28. Juni 2019, zum 100. Jahrestag der Unterzeichnung des Versailler Vertrags im Rahmen mehrere Vorträge der Öffentlichkeit vorgestellt.

Dieses Kriegerdenkmal entstand 1924 für den Ort Ornbau in Mittelfranken und war den dortigen getöteten Soldaten des Ersten Weltkriegs gewidmet. Die von Bildhauer Josef Müller (1886–1951) aus Augsburg geschaffene Skulptur verbindet die Trauer um die eigenen Toten mit dem Wunsch nach der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen bis zum endgültigen Sieg. Bis 1971 waren auf der Tafel die Namen der 46 Getöteten und die Inschrift „Die dankbaren Heimatgemeinden Ihren gefallenen Helden 1914/18 zur Ehr“ zu lesen. 2016 wurde das Monument im Rahmen der Altstadtsanierung abgebaut, ins Fränkische Freilandmuseum übertragen und dort 2019 wiederaufgestellt.

Der Krieg hatte Millionen Menschen das Leben gekostet, in jeder Gemeinde und in fast jeder Familie musste man Tote beklagen. Entsprechend groß war der Wunsch nach einer angemessenen Erinnerungskultur: Kaum eine Ortschaft, in der damals nicht Gedenktafeln oder Kriegerdenkmäler errichtet wurden, die somit mittlerweile fest zum Dorf gehören wie die Kirche und das Pfarrhaus.

Doch sind diese Denkmäler heute aufgrund ihrer mitunter heroischen und kriegsverherrlichenden Darstellung nicht unumstritten. Sie werden verändert, (künstlerisch) ergänzt oder gleich ganz abgetragen und ersetzt. So kommt es, dass nun erstmalig ein Kriegerdenkmal auch in einem deutschen Freilichtmuseum zu sehen ist. In Ornbau selbst ersetzt ein neues Denkmal das alte Monument.

Die Versetzung des Denkmals ins Freilandmuseum ist ein weiterer Baustein, mit dem das ländliche Leben in Franken umfassend abgebildet werden soll. Kriegerdenkmäler sind bis heute wesentlicher Bestandteil der dörflichen Erinnerungskultur, treten jedoch abseits von Gedenkveranstaltungen wie dem Volkstrauertag vermehrt in den Hintergrund. Mittlerweile wurden in einigen Dörfern die Denkmäler bereits entfernt oder umgestaltet.

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Rahmenprogramm zur Neuaufstellung

Die Neuaufstellung des Kriegerdenkmals war Anlass, im Rahmen von Vorträgen und anschlie­ßender Diskussion über die Gedenkkultur nachzu­ denken - wie sie sich entwickelt und gewandelt hat.

Programm:

  • Daniel Arnold (Weiterer Stellvertreter des Bezirkstagspräsidenten): Begrüßung
  • Ulrich Herz (Studiendirektor am Steller-Gymnasium Bad Windsheim): Der Versailler Vertrag und seine Folgen: Milieu und Stimmung in Westmittelfranken in den 1920er Jahren
  • Dr. Andrea Kluxen (Kulturreferentin des Bezirks Mittelfranken, Bezirksheimatpflegerin): Der Kult der toten Helden - zur Geschichte der Kriegerdenkmäler im 19. und 20. Jahrhundert
  • Dr. Herbert May (Museumsleiter des Freilandmuseums), Felix Schmieder (Wissenschaftlicher Volontär am Freilandmuseum): Was macht ein Kriegerdenkmal in einem Freilandmuseum?
  • Heinz Baum (Bürgermeister Ornbau): Kontrovers und umstritten - zur Diskussion um das Kriegerdenkmal in Ornbau
  • Saskia Müller (Wissenschaftliche Volontärin am Kulturreferat des Bezirks Mittelfranken): "Es gibt keinen verloreren Krieg" - ausgewählte Kriegerdenkmäler im Landkreis Ansbach
  • Dr. Folkhard Cremer (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg): Gefallenendenkmale der Zwischenkriegszeit unter Denkmalschutz - Beispiele aus dem südwestlichen Baden-Württemberg
  • Andreas Koop (designgruppe koop): Wenn Schrift spricht - zur Typografie von Kriegerdenkmälern

Ansprechpartner

Dr. Herbert May

Museumsdirektor, Teamleiter Sammlung und Wissenschaft
(Hausforschung)

Verwaltungsgebäude Aumühle, 1. OG
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Tel.: 09841/6680-0
Fax: 09841/6680-99
info@freilandmuseum.de

Felix Schmieder M.A.

Wissenschaftlicher Volontär
(Projekt Badhaus aus Wendelstein, Projekt Kriegerdenkmal)

Verwaltungsgebäude Aumühle, EG rechts
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Tel.: 09841/6680-16
Fax: 09841/6680-99
Volontariat@freilandmuseum.de