Schwarz-Weiß Fotografie von einem Mann im Anzug mit Hut, an einem Geländer lehnend, vor einem Gewässer.

Biographiene zur Synagoge aus Allersheim

Julius Freudenberger

Foto der Hirschapotheke in Würzburg

Die Hirschapotheke in Würzburg, Foto: Parklife

Julius Freudenberger wurde am 28.01.1885 als Sohn von Ferdinand und der Allersheimerin Babette Freudenberger (geborene Friedlein) in Arnstein/Unterfranken geboren. Von 1908 bis 1910 absolvierte er sein Studium in Würzburg und war anschließend als Apotheker und Chemiker tätig. 1914 erhielt er die Erlaubnis, sich in der Stadt ansässig zu machen und erwarb in der Folge die Hirschapotheke mitsamt eines zugehörigen Wohngebäudes, das er mit seiner Frau Ella Dalberg (Hochzeit 1918 in Frankfurt am Main) bewohnte. Ein weiterer Grundstückkauf in der Karmelitenstraße 55 in den 1920er-Jahren könnte auf die Eröffnung einer Filiale hindeuten.

Seine Ausbildung als Chemiker ermöglichte es Julius Freudenberger, in seiner Apotheke auch neue Produkte zu entwickeln, so erhielt er am 19.06.1924 ein Patent auf ein „Sandstreumittel gegen Glatteisbildung auf begehbaren Eisenflächen“. Sukzessive gab er die Verantwortung für den Betrieb an einen anderen Apotheker ab, bis er sich 1933 vollständig aus der Apotheke zurückzog.

Im Dezember diesen Jahres erfolgte der Umzug nach Frankfurt am Main, wo Freudenberger als Inhaber der Firma „Kynazon-Werk“ J. F. Herstellung und Handel von chemischen Präparaten betrieb. Das Labor befand sich in der Jügelstraße 13.

Nachdem der Nationalsozialismus in den folgenden Jahren immer stärker an Einfluss gewann, entschloss sich das Ehepaar Freudenberger zur Emigration. Bereits im Februar 1935 wurden die Konten der Eheleute bei einer Schweizer Bank aufgelöst und die darauf enthaltenen Summen vermutlich in bar ausgezahlt. Im Frühjahr 1937 verließ Julius Freudenberger schließlich mit Frau und Schwiegermutter Deutschland und siedelte nach Amsterdam über, wo er zeitweise unter der Adresse Marwedeplein 41 nachweisbar ist. Hier scheint das Ehepaar unter anderem mit der Familie von Anne Frank befreundet gewesen zu sein, wie aus einem Brief an Otto Frank hervorgeht, in dem bedauert wird, kein Lebenszeichen von den Freudenbergers wiedergeben zu können.

Ende 1939 begannen für Julius Freudenberger dann auch gesundheitlich schwere Zeiten. Aufgrund einer Herzthrombose musste er zwei Monate im Krankenhaus verbringen, auch anschließend blieb er gesundheitlich gezeichnet. Auch die Hoffnung auf ein günstigeres politisches Klima in den Niederlanden erfüllte sich nicht. Nachdem es 1940 noch gelungen war, das Haus Jügelstraße 13 in Frankfurt zu verkaufen, wurde Freudenberger am 04.09.1940 verhaftet und in Amsterdam über eine Schachtel mit Opiaten befragt, die auf dem Grundstück der chemischen Fabrik gefunden worden war. Diese trug das Logo der Hirschapotheke in Würzburg und setzte Julius Freudenberger in der Folge dem Verdacht des großangelegten Opiatbezuges aus dem Ausland aus. Auch wenn die Angelegenheit schließlich fallen gelassen wurde, sorgte sie doch für großes Aufsehen, insbesondere bei Ella Freudenberger, die zunächst nichts über den Verbleib ihres Mannes erfahren konnte und auf die Lebensgefahr hinwies, die diesem bei einem etwaigen Transport zur Befragung nach Berlin drohen könnte.

Es war nicht das letzte Mal, dass der schwerkranke Mann ins Visier der Justiz geraten sollte. Die nächste Meldung aus dem April 1943 stammt von der niederländischen Sicherheitspolizei, die anfragt, ob er in der gegen ihn anhängigen Bestechungssache noch benötigt werde, da man plane, ihn zum Arbeitseinsatz in den Osten nach Lublin abzuschieben. Zu dieser Zeit war er offenbar bereits nach Westerbork deportiert worden, später wurde er jedoch aufgrund der Vorwürfe in die Untersuchungshaft nach Frankfurt am Main verbracht, wo er zeitweise als Papierarbeiter tätig war. Was er dort zu erleiden hatte, lässt eine Anfrage aus dem Juli 1943 erahnen, in der er bittet, sich aufgrund seines schweren Herzleidens eine Stunde täglich auf sein Bett legen zu dürfen. Nach Beschluss vom 30.07.1943 wurde Julius Freudenberger zurück in die Niederlande, nach Scheveningen, überführt und gelangte von dort am 12.01.1944 nach Bergen-Belsen. Kurz vor Kriegsende, am 10./11.04.1945, gehörte er einem Transport an, der Häftlinge von Bergen-Belsen nach Theresienstadt bringen sollte. Doch der Zug irrte umher und blieb schließlich, typhusverseucht, in Tröbitz stehen, wo Julius Freudenberger am 22.05.1945, bereits befreit, verstarb. Er liegt in Tröbitz begraben.

 

Julius Freudenberger

 

Julius Freudenberger was born on 28.01.1885 in Arnstein (Lower Franconia) as the son of Ferdinand and Babette Freudenberger, a born Friedlein from Allersheim. From 1908 to 1910 he studied at the university in Würzburg and worked as pharmacist and chemist afterwards. In 1914, he was granted the right to settle in the town and bought the pharmacy „Zum Hirschen“ including the accompanying building, in which he lived with his wife Ella Dalberger, whom he had married in Frankfurt on the Main in 1918. The purchase of an additional property in Karmelitenstraße 55 in the 1920s could speak for the opening of a branch. Being a trained chemist, Julius Freudenberger had the knowledge to also develop new products in his pharmacy, such as a sand grit to be used against ice formations on walkable ironways which he received a patent for on 19.06.1924. After he had gradually handed over his responsibilities to another pharmacist, he retreated from the pharmacy in 1933.

In December of this year, the couple moved to Frankfurt, where Julius was the owner of „Kynazon-Werk“ J. F., a company for the production and trade of chemical compounds with a laboratory in Jügelstraße 13.

After the national socialism gained further influence in the following years, Ella and Julius Freudenberger decided to emigrate. Their bank accounts with a Swiss bank were already dissolved in February of 1935 and probably handed out in cash. In the spring of 1937 they left Germany for Amsterdam, where they can be traced to have lived in Marwedeplain 41. In Amsterdam, they were friends of the family of Anne Frank, as can be seen in a letter to Otto Frank, where it is written that no sign of life was received from the Freudenbergers.

In the end of 1939, Julius Freudenbergers health was seriously challenged. Due to a cardiac thrombosis, he had to spend two months at the hospital and had serious problems ever since. Likewise, the hopes for a better political climate didn't come true. After the Freudenbergers had managed to sell their property in Jügelstraße 13 in 1940, Julius was arrested on 04.09.1940 and interrogated in Amsterdam about a box found in the rooms of the chemical company in Frankfurt that carried the signs of the „Hirsch“-pharmacy and contained opiates, leaving him under a charge of a large-scale international opiate-trade. Even though the charges against him were later dropped, the case caused a lot of trouble, especially for his wife Ella, who for a long time did not know where her husband was kept and was worried about the possible danger of life if the heart-sick Julius would eventually have been transported to Berlin for further questioning.

It should not be the last time that Julius Freudenberger had to endure trouble with the police. The next notice we have from April 1943 is from the Dutch security police that asks if he is still needed for questioning on behalf of an accusation of bribery, because they plan to transport him to the East, to Lublin, to execute forced labor. Apparently, he had been transported to the Westerbork camp at that time already, but was later transferred to spend his custody in a prison in Frankfurt, where he worked as a paper worker for some time. Under which unbearable conditions he had to live there is illustrated by his request of July 1943 to be allowed to lay on his bed for one hour per day due to his severe heart problems. After a conclusion of 30.07.1943 he was transferred back to the Netherlands, to Scheveningen, from where he was deported to Bergen-Belsen on 12.01.1944. Shortly before the end of the war, on 10./11.04.1945, Julius was part of a group that was supposed to be transported from Bergen-Belsen to Theresienstadt but the train got lost and stranded in Tröbitz. Infested with typhus, the conditions among the group were extremely bad and Julius Freudenberger died, already liberated, on 22.05.1945. He is buried in Tröbitz.

 

Quellen

 

Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken

Der Bauingenieur vom 18.06.1926

Hessisches Hauptsaatsarchiv Wiesbaden

Claims Resolution Tribunal: In re Holocaust Victim Assets Litigation Case No. CV96-4849

Joods Monument

Stolpersteine Würzburg