Schwarz-Weiß Fotografie von einem Mann im Anzug mit Hut, an einem Geländer lehnend, vor einem Gewässer.

Biographiene zur Synagoge aus Allersheim

Rösla Dispecker

Ansicht eines Turmes und eines Fachwerkhauses in Diespeck

Ortsansicht von Diespeck, dem Ort, der der Familie ihren Namen gab. Bildarchiv Fränkisches Freilandmuseum, Fotograf: Ernst Eichhorn.

Rösla Dispecker wurde um 1749 als Tochter des Jonas Hirsch Ortensesser in Fürth geboren. In ihrer Heimatstadt heiratete sie 1774 den Kleinhändler Kallmann Moises aus Diespeck. Dieser hatte zunächst in seinem Heimatort eine Spezereihandlung betrieben, ehe ihn wirtschaftliche Nöte dazu drängten, als Stundenlöhner einen Friedhof in der Nähe von Würzburg zu betreuen.

Dieselbe Funktion war es auch, die Kallmann Moises nach dem Umzug des Ehepaares nach Allersheim ausübte, zudem fungierte er den Akten zufolge als Unterrabbiner. Ob der gemeinsame Sohn Jakob Kallmann wie sein Bruder Salomon Kallmann noch in Diespeck oder bereits in Allersheim geboren wurde ist unklar. Die seit 1805 verwitwete Rösla wurde durch die Matrikelgesetzgebung 1817 aufgefordert, sich auf einen Nachnamen festzulegen. War sie zuvor teilweise noch als „Rösla Kallmann“ geführt worden, setzte sich für die Familie nun der Name Dispecker durch, der auch in der Variante Diespecker vorkommt, und augenscheinlich auf die Herkunft der Familie verweist. Im weiteren Verlauf ging dieser Zusammenhang offensichtlich verloren und so lesen wir mitunter in späteren Akten von einer Familie „Tischbecker“.

Hatte sich Rösla Dispecker zunächst nach dem Tod ihres Mannes, wenn auch mit kleineren Almosen, noch notdürftig selbst versorgen können, so war es ihr mit zunehmendem Alter irgendwann nicht mehr möglich, einen eigenen Unterhalt zu garantieren. Es entbrannte eine lebhafte Diskussion darum, wie mit der Witwe zu verfahren sei, da auch ihr Sohn zu arm war, um sie versorgen zu können. Da sie offenbar in Allersheim kein Heimatrecht besaß, kam der Vorschlag auf, sie in ihre Heimatstadt Fürth zurückzuschicken. Dem stand jedoch die Funktion ihres verstorbenen Mannes entgegen, die ihr einen Anspruch auf einen Aufenthalt vor Ort garantierte. Auch war unklar, ob sich sämtliche jüdische Gemeinden, die ihre Toten in Allersheim bestatteten an ihrer Versorgung zu beteiligen hätten oder nur die Gemeinde in Allersheim selbst. Nach längerem Hin und Her wurde sie schließlich im Wechsel von sämtlichen jüdischen Familien Allersheims verköstigt, wobei einige Familien sich standhaft weigerten. Am 27.12.1823 starb sie schließlich an Entkräftung.

 

Rösla Dispecker

Rösla Dispecker was born around 1749 as daughter of Jonas Hirsch Ortensesser in Fürth. In her hometown she married the retailer Kallmann Moises from Diespeck in 1774. Kallmann Moises had owned a spice shop in Diespeck at first but later had to work overseeing a cemetery near Würzburg as a day laborer due to financial hardships.

In the same function he later on moved to Allersheim, bringing his wife Rösla with him. According to the records, he also served as a sub-rabbi here. It is unclear if Rösla’s and Kallmann’s son Jakob Kallmann was born in Diespeck like his brother Salomon Kallmann or in Allersheim already. Widowed since 1805, the registration law of 1817 forced Rösla to choose a distinct surname. While in earlier documents we sometimes find her listed as “Rösla Kallmann”, from this time on the new name “Dispecker” becomes common, also in the version of “Diespecker”, clearly indicating the origin of the family. In later times this context was seemingly lost and so some records list the surname “Tischbecker” for members of the family instead.

While Rösla Dispecker had been able, with the help of small donations, to earn her own living after the death of her husband, her increasing age at one point made this independence impossible. What followed was a vivid discussion about the future of the widow, because her son was also too poor to guarantee for her well-being. Since she seemingly did not possess the local citizenship of Allersheim, some argued that she should be sent to her hometown of Fürth. The function of her late husband, however, granted her the right to remain permanently within Allersheim. Now the question was raised if all Jewish communities that used the cemetery in Allersheim should be responsible for nourishing the old lady or if Allersheim had to take care of this task alone. After a lot of toing and froing, the Jewish families of Allersheim in the end took turns looking after Rösla, even though some of the families refused firmly. On the 27th of December in 1823 she died from inanition.

 

Quellen

Braun, Joachim: Geschichte der jüdischen Gemeinde von Allersheim im Ochsenfurter Gau. In: Würzburger Diözesangeschichtsverein (Hg.): Würzburger Diözesangeschichtsblätter. 69. Band, Sonderdruck. Würzburg 2007.

Staatsarchiv Würzburg Regierung von Unterfranken Regierungsabgabe 1943/45 Akt. Nr. 2098

Geburten-, Sterbe- und Eheregister der Jüdischen Gemeinde Allersheim