Schwarz-Weiß Fotografie von einem Mann im Anzug mit Hut, an einem Geländer lehnend, vor einem Gewässer.

Biographiene zur Synagoge aus Allersheim

Willy Aron

Drei goldene Stolpersteine in Bamberg mit den Namen der Familie Aron.

Stolpersteine für die Familie Aron in Bamberg. Foto: Jeepster4000.

Wilhelm „Willy“ Aron wurde am 03.06.1907 in Bamberg als Sohn des Rechtsanwalts Albert und der Berta Aron (Freudenberger) geboren. Mit Allersheim verbindet ihn seine Großmutter mütterlicherseits, Babette Friedlein, die in dem kleinen Ort in Unterfranken geboren wurde. Ihr Enkel Willy war vor allem durch seine beachtliche Körpergröße und die auffallenden roten Haare weithin bekannt.

In Bamberg besuchte er von 1916 bis 1925 das Humanistische Neue Gymnasium, wo die Lehrer seinen Intellekt und seine Belesenheit rühmten, jedoch einen Mangel an Leistung, Disziplin und Ordnungsliebe beklagten. Bereits zu dieser Zeit begann sich indes Wilhelms weiterer Weg abzuzeichnen, als er um 1921 der Sozialistischen Arbeiter Jugend Bambergs beitrat und dort bald Führungspositionen übernahm. Zunehmend begann er sich mit dem Kampf der Arbeiter um bessere Lebensbedingungen zu solidarisieren. Zudem war er zeitweise Mitglied der Deutsch-Jüdischen Jugend und des Deutsch-Jüdischen Wanderbundes „Kameraden“.

1925 begann Willy Aron ein Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg. In der Mainstadt schloss er sich der schlagenden Verbindung Wirceburgia an. Nach anschließenden Stationen in Erlangen und München kehrte er im Wintersemester 1927/28 nach Würzburg zurück, wo sein Spitzname Ilja Andrewitsch deutliche Auskunft über seine politische Gesinnung gab. Auch während dieser Zeit hielt er den Kontakt zur Sozialistischen Arbeiter Jugend, organisierte unter anderem Vorträge zur Weitergabe seines Wissens in den Semesterferien und nahm an Wander- und Jugendtagen der Gruppe teil. Da er dabei als angehender Jurist nicht das klassische Bild des Arbeiters repräsentierte, bedachten die Nationalsozialisten ihn mit dem Schmähausdruck eines „Stehkragenproletariers“.

Nach Abschluss seines Studiums 1930 wurde Aron Gerichtsreferendar in Bamberg. In der Folge übernahm er in dem sich verschärfenden Konflikt der politischen Lager die Verteidigung zahlreicher Sozialisten aber auch armer Klienten. In einer Kampfgruppe des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold stieg er schnell auf und galt bald als einer der aktivsten und fanatischsten Kämpfer, die sich den Nationalsozialisten auch körperlich gegenüberstellten. Im Gegenzug hatte auch er mehrere tätliche Angriffe der Gegenseite zu ertragen und wurde von dieser als „roter Hund“ verfemt.

So war Willy Aron einer der Ersten, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in deren Visier gerieten. Bereits am 10.03.1933 wurde er in „Schutzhaft“ genommen, wohl auch weil er den Rechten vorwarf, den Reichstag selbst entzündet zu haben. Am 15.05.1933 wurde er aus dem Gefängnis in Bamberg in der Oberen Sandstraße 38 ins Konzentrationslager Dachau verlegt. Dort wurde er von den Aufsehern so stark misshandelt, dass nach Zeugenaussagen das Fleisch seines Gesäßes bis auf die Knochen durchgeschlagen war. Auch seine Drohungen, sein Vater sei Justizrat und werde Konsequenzen ziehen, verhallten ungehört. Zwar wurde er formal in den Krankentrakt verlegt, jedoch von Aufsehern in den kommenden Tagen wiederholt auf die bereits eiternden Wunden geprügelt. Wahrscheinlich bereits am 17.05.1933 starb Willy Aron in Dachau an den Folgen seiner Verletzungen. Damit war er der erste Bamberger, der den Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Um die Spuren der Folter zu überdecken, übergossen die Nationalsozialisten seinen Leichnam mit Benzin und verbrannten ihn. Andernfalls, so hatte die noch nicht gefestigte SS befürchtet, hätte Aron zu einem jüdischen Märtyrer werden können. Am 22.05.1933 wurde der Leichnam nach Bamberg überführt und dort noch am selben Abend auf dem Jüdischen Friedhof bestattet. Den Eltern war es untersagt worden, den Sarg zu öffnen, noch wochenlang patroullierte die SA vor dem Friedhof. Bereits damals kursierten Gerüchte, der Leichnam sei nicht im Sarg gewesen, stattdessen hätten Eisenplatten denselben beschwert, doch dem wurde nicht nachgegangen. Auch die Mordermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft erstickte die NSDAP im Keim. Als der Rabbiner die offizielle Todesursache Herzschlag anzweifelte wurde er vorgeladen und bedroht. Seine Rede bei der Trauerfeier, die das Bamberger Volksblatt in Auszügen abdruckte, sorgte für die Konfiszierung der Ausgabe durch die Nationalsozialisten. Dennoch nahmen auch viele Katholiken am Begräbnis teil.

1948 wurde ein Prozess gegen die Mörder von Willy Aron geführt. Alle erhielten lediglich milde Strafen und zeigten auch während der Verhandlung kein Unrechtsbewusstsein. Einer von ihnen beging 1964 Suizid. An Aron erinnert in Ost-Bamberg eine nach ihm benannte Straße, auch eine Gedenktafel am Justizgebäude und ein Stolperstein sind ihm gewidmet. 2003 wurde in Bamberg eine Willy-Aron-Gesellschaft gegründet, die sein Andenken bewahrt und sich für Zivilcourage engagiert.

 

Wilhelm „Willy“ Aron

 

Wilhelm „Willy“ Aron was born on 03.06.1907 in Bamberg as son of the lawyer Albert and Berta Aron (Freudenberger). His connection to Allersheim is his grandmother Babette Friedlein, who was born in the small village. Her grandson Willy was often the center of attention due to his impressive height and his characteristic red hair.

In Bamberg he visited the „Humanistische Neue Gymnasium“ from 1916 to 1925, where teachers praised his intellect and his literacy but complained about a lack of performance, discipline and orderliness. It was in this time already however that his later way began to show, when he joined the Socialist Worker's Youth in 1921 and soon began to hold high positions. Increasingly, he solidarized with the worker's fight for better living conditions. Additionally he was, for some time, a member of the German-Jewish Youth and the German-Jewish hiking group „Kameraden“.

In 1925 Willy began to study law in Würzburg, where he was a member of the sorority „Wirceburgia“. After he had on absolved semesters in Erlangen and Munich, in 1927/28 he returned to Würzburg, where his nickname Ilja Andrewitsch was proof of his political orientation. Even throughout his time, he held contact to the Socialist Worker's Youth, for whom he held seminaries during the holidays and participated in hiking- or youthdays. Since he, as a student of law, did not represent the typical image of a worker, the national socialists mocked him as a „Stehkragenproletarier“ (standing collar-proletarian).

After finsihing his studies in 1930, Aron became junior lawyer in Bamberg. During the increasing political conflict he defended many socialists and poor clients. He joined a fighting group of the „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“, where he soon moved up the ladder and was known as one of the most radical and dedicated fighters that also performed physical resistance against the national democrats. In exchange he was physically attacked multiple times and called a „red dog“ by the other side.

As one of the first persons, Willy Aron was targeted by the national socialists after they were in office in Germany. On 10.03.1933 already he was taken into „preventive arrest“, likely also because he accused the political right to have set the parliament on fire themselves. On 15.05.1933 he was moved from the prison in Obere Sandstraße 38 in Bamberg to the Dachau concentration camp. There the guards mistreated him so severely, that according to whitnesses the flesh around his gluteal was beaten to the bones. His threats to inform his father, who was king's counsel at the time, showed no effect. While he was formally transferred to the hospital section, in the following days he was repeatedly beaten by guards on the already purulent wounds. Probably already on the 17.05.1933 Willy Aron died in Dachau caused by the beatings. He was the first citizen of Bamberg that was murdered by the national socialists. To cover up the traces of torture, his body was doused with gasoline and set on fire. The SS, not fully established at the time, feared that otherwise he could potentially become a Jewish martyr. On 22.05.1933 the body was transported to Bamberg and buried on the Jewish Cemetery on the same evening. The parents were not allowed to open the coffin. SA patrolled the cemetery for weeks thereafter. There were rumors at that time already, that instead of Willy Aron only iron plates were buried that day. When the rabbi doubted the official cause of death (heart attack) he was brought in for questioning and threatened. An issue of the „Bamberger Volksblatt“ that printed parts of the speech of the Rabbi at the funeral was confiscated. The murder case that the prosecution in Munich had opened was closed due to pressure by the Nazis. Nevertheless also many Christians took part in the funeral.

In 1948 court proceedings were held against the murders of Willy Aron. They all ended with minor punishments, the perpetrators showed no sense of injustice during the trial. One of them committed suicide in 1964. In rememberance of Willy Aron, a street in Ost-Bamberg is named after him. Likewise a commemorative plaque on the justice building and a „Stolperstein“ honor him. In 2003, a Willy-Aron-Society was founded in Bamberg that preserves his memento and promotes civil courage.

 

Quellen

 

Wilhelm Aron in der deutschsprachigen Wikipedia

Lasalle-Kreis: Wilhelm (Willy) Aron, Justizreferendar und erstes Bamberger Opfer des Nationalsozialismus.

Dorsch, Daniel / Ullmann, Andreas: Willy Aron. In: Manthey, Daniel u.a. (Hg.): „Wölfel, Aron, Stauffenberg – Formen des Widerstandes“. Ausstellungseröffnung am 7. Februar 2014. Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. Ausgabe 1/2018.

Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V.: Willy Aron.

 

Abbildung: de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bamberg_-_Luitpoldstr._32_-_Aron.jpg