Zinnesrausch

Handwerkstkunst und Massenware vom 17. Jahrhundert bis heute

Ausstellung vom 18.05. bis 15.12.2019 im Erdgeschoss der Ausstellungsscheune aus Betzmannsdorf

Mit Zinn verbindet man meist silbrig-graues Gebrauchsgeschirr, das vor allem bis ins 19. Jahrhundert genutzt wurde. Aber auch aufwendige Trink- und Schenkgefäße der Zünfte, Leuchter, Kannen und Schalen für die Kirche wurden aus diesem Metall hergestellt. Zum Großteil besteht die Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums jedoch aus Gebrauchszinn fränkischer Haushalte. Darüber hinaus besitzt das Museum aber auch noch Gegenstände in modern anmutenden Formen des im Fahrwasser der Bauhausbewegung entstandenen Design-Zinns sowie historistisch geformte Gefäße aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese inspirierten auch noch die Produktion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die bisher weitgehend unerforscht ist. Ein regelrechter Zinn-Boom ist vor allem in den 1960er bis 1990er Jahren festzustellen. Von Voluten und Beschlagwerk gerahmte Jagddarstellungen, Stadtveduten, Trinkszenen, aber auch Darstellungen von Albrecht Dürer und Carl Spitzweg lieferten die Motivik für die Gebrauchs- teils aber auch reinen Dekorationsobjekte dieser Zeit. Vor allem im Bereich der industriell-gefertigten Massenware war die Gestaltung von Serien üblich, die entweder ein stets gleiches Motiv auf unterschiedlich geformten Gegenständen wiederholten oder leicht variiert wiedergaben und so die Sammelleidenschaft anregten.

Auch diese oft in dunklen Wohnzimmerschrankwänden in Eichenholzoptik präsentierten Gegenstände spielen in Ausstellung und Begleitband mit integriertem Bestandskatalog eine Rolle. Die Hersteller und die Motive werden teils zum ersten Mal wissenschaftlich bearbeitet. Ergänzt wird der Bestand auch durch hochwertige Leihgaben aus Privatbesitz, die Bereiche der historischen Zinnherstellung in Franken beleuchten, die die Sammlung des Museums nicht abdecken kann.

Die Besucher der Ausstellung lernen das Material und seine Verarbeitung kennen und können selbst als Zinnforscher tätig werden indem sie Meisterzeichen und Stadtmarken entschlüsseln.

Thema wird auch das aktuelle Geschehen sein: Das selten gewordene Handwerk des Zinngießers steht kurz vor dem Aussterben. Seit den 1990er Jahren wurde keine Meisterprüfungen mehr vom Bundesverband abgenommen und nur wenige Handwerker üben die Tätigkeit noch vollberuflich aus.

Ansprechpartnerin

Sabine Tiedtke M.A.

Wissenschaftliche Volontärin
(Schwerpunkt: Sammlung (Zinn))

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Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Tel.: 09841/6680-32
Fax: 09841/6680-99
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