Der Hesselberg

Ein »heiliger« Ort der Täter

12. März bis 16. Mai 2016

Ein wesentliches Merkmal des „Dritten Reichs“ war die Entwicklung und der Aufbau eigener Kultstätten, an denen die politischen Vorstellungen des Nationalsozialismus zelebriert wurden. Bis heute ist relativ unbekannt, dass der Hesselberg in Mittelfranken ein solcher Ort war. Dort versammelten sich zwischen 1933 und 1939 zu insgesamt sieben "Frankentagen" jeweils bis zu 100.000 Menschen. Die "Frankentage", bei denen sich Julius Streicher als "Frankenführer" feiern ließ, zählten neben den Reichsparteitagen in Nürnberg zu den größten Massenveranstaltungen in Bayern zu jener Zeit.

Nicht unerheblich bei der Auswahl des Hesselberges als Inszenierungsort der NSDAP war die hohe Bedeutung, die Mittelfranken für die Partei spielte. Mittelfranken galt als Brücke der nationalsozialistische Bewegung von Bayern in das Reich.

Die Ausstellung Der Hesselberg - ein "heiliger" Ort der Täter verfolgt mit Hilfe von historischem Bildmaterial, Texten und Werbematerialien sowie mit Ton- und Filmaufnahmen das Ziel, den Hesselberg als einen vergessenen Ort der Täter ins Bewusstsein zurückzuholen. Dabei soll aufgezeigt werden, weshalb der Hesselberg als Kultort ausgewählt wurde, wie sich die Feiern auf dem Berg im Laufe der NSHerrschaft veränderten und wie es möglich sein konnte, dass der Ort nach dem Ende des "Tausendjährigen Reichs" in Vergessenheit geriet. Die "Frankentage" trugen zudem, ebenso wie ähnliche Veranstaltungen des NS-Regimes, alle Merkmale von Großveranstaltungen der Massengesellschaftendes 20. Jahrhunderts. Besucher reisten von Nürnberg und weiten Teilen Mittel- und Oberfrankens sowie Teilen Baden-Württembergs an.

Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und gliedert sich in vier Segmente. Themenfeld eins befasst sich mit dem "Mythos Berg und den Nazis" vor 1933. Das zweite beschäftigt sich mit dem "Ausbau des Hesselbergs zur Kultstätte" und beleuchtet die Zeit zwischen 1933 und 1939.Kapitel drei widmet sich unter der Überschrift "Predigt und Gewalt" der Rolle Streichers und seinem Antisemitismus, während sich der vierte Abschnitt mit dem "Verschwinden der Hesselbergtage" aus dem Gedächtnis der Franken nach 1945 befasst.