Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

Angebot & Nachfrage

Neue Objekte für die Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums

„Wir räumen gerade eine Scheune aus…“

Mit dieser Aussage beginnen viele Telefonate oder E-Mails, die tagtäglich im Museum eintreffen. Auch Haushaltsauflösungen sind dabei, und manchmal finden sich in irgendeinem Winkel von Haus und Hof halb oder ganz vergessene Pflüge, Schränke, Töpfe, Hemden und vieles mehr. Gebraucht werden die Sachen nicht mehr, aber wohin damit? Vielleicht sind sie fürs Museum interessant? Jede Woche erreichen uns bis zu 30 Anfragen dieser Art – großes Lob und herzlicher Dank an alle aufmerksamen Besucherinnen und Besucher!

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„…und da haben wir noch eine alte Sämaschine gefunden.“

Große landwirtschaftliche Maschinen bekommen wir tatsächlich oft angeboten – vom Futterschneider bis zum Mähdrescher. Manche davon waren bis zuletzt im Einsatz, andere standen ungenutzt in einer Scheune oder Remise. Sie bleiben lange erhalten, vielleicht aus Respekt vor den Großeltern, die einst viel Geld in das Gerät investiert haben, vielleicht auch, weil sie einfach groß und schwer und nicht mal eben zu verräumen sind.  Ebenso oft werden uns Möbel, Hausrat und Textilien angeboten, besonders aus dem Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre hinein. Etwas seltener sind Bilder, Geschirr und religiöse Dinge. Besonders gewichtige Anfragen kommen von Baustellen, wenn Dachziegel, Fenster oder Türen palettenweise abzuholen sind. Auch ganze Werkstätten stehen hin und wieder zur Disposition.

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„Oh, so viel haben Sie davon schon…“

Müssten wir unsere Sammlung erst aufbauen, könnten wir also aus dem Vollen schöpfen. Doch die Sammlung des Fränkischen Freilandmuseums ist bereits groß. Gerade in den ersten zehn, zwanzig Jahren nach Museumsgründung wurde viel zusammengetragen. In unseren Eingangsbüchern finden sich über 60.000 Einträge, viele davon umfassen mehrere Objekte (sogenannte Konvolute). Wir gehen von rund 150.000 inventarisierten Objekten aus – und zigtausenden weiteren, die noch nicht erfasst worden sind. Die Sammlung deckt den historischen ländlichen Alltag in seiner gesamten Bandbreite ab: mit landwirtschaftlichen Geräten, Werkzeugen, Fahrzeugen, Möbeln, Hausrat, Textilien, Schmuck, Spielzeug, religiösen Gegenständen, Bildwerken, Keramik, Zinn, Glas, Instrumenten, Öfen, Bauteilen, Büchern und Archivalien. In allen Bereichen sind wir gut versorgt, manchmal fast schon zu gut.

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„…und sogar noch mehr, als Sie in Ihren Häusern zeigen?“

Allerdings. Als Museum haben wir einen Auftrag zur Bewahrung und Dokumentation der historischen Sachkultur. Wir machen mit Gegenständen also das, was Archive mit Schriftstücken tun. In unseren Häusern und Ausstellungen zeigen wir nur einen Bruchteil unserer Sammlung, alles andere befindet sich in Depots und Lagern. Diese haben ihre Kapazitätsgrenzen längst erreicht. Die Sammlung aufzuarbeiten, zu qualifizieren und die Lagerbedingungen zu verbessern, wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Daher halten wir die Zahl der Neuzugänge in Grenzen, zumal wir auch den Anspruch haben, jedes neue Objekt sogleich nach wissenschaftlichen Kriterien zu erfassen und konservatorisch angemessen aufzubewahren – und das ist aufwendig.

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„Unser Großvater hat das immer noch benutzt…“

Bitte seien Sie nicht enttäuscht, wenn wir Ihre alten Sachen nicht annehmen können. Für viele von Ihnen sind sie mit Erinnerungen verbunden: an Ihre Kindheit oder Ihr Berufsleben, an Ihre Eltern und Großeltern oder andere geliebte Menschen. Das ist uns gänzlich bewusst – auch wenn wir unsere Entscheidungen nüchtern und rational treffen müssen. Ein Museum kann leider nicht die Lebensgeschichte und Lebensleistung jedes Einzelnen bewahren (auch wenn es meistens verdient wäre), sondern muss eine strenge Auswahl nach zahlreichen Kriterien treffen. Diese werden übrigens in unserem Sammlungskonzept festgehalten, das Sie auf unserer Homepage einsehen können.

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„…und ich würde es Ihnen gern als Leihgabe zur Verfügung stellen.“

Das ist leider nicht möglich. Zwar zeigen wir in zeitlich begrenzten Sonderausstellungen weiterhin auch Dinge aus anderen Museen oder Privatbesitz, Dauerleihgaben nehmen wir aber grundsätzlich nicht mehr an. Für unser Sammlungsgut tragen wir die volle Verantwortung: Wir führen konservatorische und restauratorische Maßnahmen durch, und das kostet Geld. Ferner gehen wir bei aller Vorsicht das Risiko der Beschädigung (Transport, Unfall) und des Totalverlusts (Brand) ein. Wir fühlen uns daher wohler, wenn das Objekt ohne weitere Bedingungen im Besitz des Freilandmuseums ist. Die bestehenden 800 Dauerleihgaben werden wir nach und nach übernehmen oder zurückgeben. Ankäufe tätigen wir übrigens auch nur in Ausnahmefällen.

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„Kennen Sie vielleicht jemanden, der sowas gebrauchen kann?“

Das ist eine berechtigte Frage – vielleicht haben unsere Kolleginnen und Kollegen in anderen Museen ja Interesse an den angebotenen Stücken? Nur selten können wir auf andere Häuser verweisen, die entsprechende Sammlungsschwerpunkte besitzen. Weitere Freilichtmuseen kommen kaum in Frage, da diese eigene Regionen abdecken und es in deren Depots in der Regel ähnlich aussieht wie in unseren. Es bleibt der Verweis auf lokale Heimatmuseen, die aber meistens ebenfalls viel zu viel auf Lager haben. Stehen solche Heimatmuseen aus finanziellen oder personellen Gründen vor der Auflösung, wenden sie sich wiederum oft an uns.

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„Naja, dann kommt es halt in die Tonne…“

Gerade bei selteneren oder besonders alten Stücken raten wir dazu, eine Entsorgung noch einmal zu überdenken – vielleicht finden sich im Kreis von Verwandten und Bekannten oder über Kleinanzeigen ja doch noch Interessenten? Wie Sie mit den Dingen verfahren, liegt aber letztlich in Ihrer Verantwortung. Wir vom Museum können Ihnen nur sagen, ob wir sie übernehmen oder nicht, und das gerne mit ausführlicher Begründung. Wir sprechen grundsätzlich keine Empfehlungen zum Wegwerfen aus! Auch geben wir keine Auskunft darüber, was wie zu verwerten ist – dafür gibt es andere Anlaufstellen. Die Zeugnisse der historischen Sachkultur schrumpfen im Laufe der Zeit zwangsläufig zusammen, und wir möchten möglichst wenig dazu beitragen, diese Entwicklung zu beschleunigen.

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„Können Sie mir sagen, was Sie denn noch suchen?“

Wenn wir die Situation unserer Sammlung skizzieren, werden wir auch immer wieder gefragt, was wir denn noch suchen oder gebrauchen könnten. Das lässt sich aus dem Stegreif kaum beantworten. Angesichts der immensen thematischen Bandbreite unserer Objekte ist es nicht möglich, für alle Bereiche „Sammelpläne“ zu erstellen. Selbst bei Beständen, die wir dank Forschung und Dokumentation sehr gut kennen, ist es schwer zu sagen, was noch dazu passen würde. Leichter fällt es, ein konkretes Objektangebot im Vergleich mit dem Vorhandenen zu beurteilen. Bemalte Schränke und Truhen haben wir hundertfach, so dass kein bestimmter Bedarf festzustellen ist. Weist ein angebotenes Möbelstück aber eine besondere Art der Bemalung auf oder stellt ein aussagekräftiges Vergleichsstück dar, so kommt es durchaus für uns in Frage. Eine Ausnahmesituation liegt vor, wenn wir Ausstellungen vorbereiten: Gerade bei Themen der jüngeren Vergangenheit suchen wir auch einmal gezielt nach Objekten, so geschehen beim Projekt „Umbruchzeit. Die 1960er und 1970er Jahre auf dem Land“ (gezeigt 2011/12).

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„Die vom Museum haben schon so viel, da brauchen wir gar nicht erst nachfragen…“

Bitte verstehen Sie uns nicht falsch: Es ist keineswegs das Anliegen dieses Berichts, Angebote „abzuwimmeln“! Wir freuen uns darüber, dass Sie uns unterstützen möchten, und nehmen jede Anfrage dankend entgegen – denn auch wenn das meiste nicht in unsere Sammlung aufgenommen wird, so gibt es doch auch immer wieder wertvolle Ausnahmen. Manche Objekte schließen eine der wenigen Lücken in unserem Bestand, andere sind mit einer besonderen persönlichen Geschichte verbunden. Werkzeuge oder Hausrat eignen sich gelegentlich auch als Gebrauchsmaterial für Museumspädagogik und Vorführhandwerk. Gerade hier kann sich der Bedarf auch immer wieder ändern. Scheuen Sie also weiterhin nicht davor zurück, uns zu kontaktieren!

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"Wie kann ich Sie erreichen?"

  • per E-Mail: Diese Variante ist uns am liebsten. Dort können Sie Bilder der Objekte mitschicken – einfache Handy-Schnappschüsse genügen, die Bilddateien sollten zusammen nicht größer sein als 10 bis 15 Megabyte. So ist eine gewissenhafte und zeitnahe Prüfung möglich. Wir beantworten jede Anfrage!
  • per Telefon: Wir sind zu den üblichen Geschäftszeiten erreichbar, bei der vielseitigen Museumsarbeit aber nicht immer am Platz – gegebenenfalls brauchen Sie also etwas Geduld.
  • vor Ort: in Ausnahmefällen können Sie uns Ihre Objekte auch im Museum zeigen. Machen Sie dazu unbedingt vorher einen Termin aus! Bei vielen Dingen können wir im Vorfeld klären, ob sich der Aufwand des Transports lohnt.
  • über unsere Social Media-Kanäle: Die Anfragen werden an uns weitergeleitet.
NameFunktionKontakt
Juliane Sander M.A. Wissenschaftliche Mitarbeiterin
(Sammlungsreferentin für Textilien & Schuhwerk, Hausrat, Zinn, Bildwerke, Religion & Frömmigkeit, Spielzeug, Schmuck, Uhren, Adel, Jagdwesen, Mühlenwesen, Gastwirtschaft)
Gebäudetrakt Sammlung und Restaurierung (am Freibadparkplatz)
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Tel.: 09841/6680-23
Fax: 09841/6680-99
juliane.sander@freilandmuseum.de
Markus Rodenberg M.A. Teamleiter Wissenschaft & Sammlung
(Sammlungsreferent für Landwirtschaft, Handwerk, Industriegeschichte, Transportwesen, Möbel, Öfen, Fenster & Türen, Ziegel, Glas, Keramik, Instrumente, Schulwesen, Vereinswesen)
Gebäudetrakt Sammlung & Restaurierung (am Freibadparkplatz)
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
Tel.: 09841/6680-28
Fax: 09841/6680-99
markus.rodenberg@freilandmuseum.de

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