Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

"Du sollst nicht traurig sein..."

Das Grammophon ist kistenförmig. Der Deckel ist geöffnet. Daneben liegen eine Kurbel und Ersatznadeln. Mehrere Schellackplatten können abgespielt werden. Sie enthalten Schlagermusik.

Eigentlich wollten wir nur eine Jugendstil-Standuhr abholen. Vor Ort  boten uns die aufmerksamen Vorbesitzer noch zwei weitere spannende Objekte an: Eine AEG-Schreibmaschine vom Typ „Mignon“ mit Typenwalze, die bereits als Monatsobjekt gezeigt wurde, und das Tischgrammophon „Serenade“. Dazu gehört ein Stapel Schellack-Platten mit Schlagern, Märschen, Volksliedern und anderen Musiktiteln der 1930er Jahre.

Das Grammophon kommt ohne großen Schalltrichter und besondere Verzierungen aus, ist kompakt gebaut und eher unscheinbar. Die Technik ist erstaunlich einfach und: Sie funktioniert rein mechanisch, ganz ohne Strom. Eine Nadel nimmt die Wellenform der Schallplattenrille auf und gibt die Bewegung an die Schalldose weiter. Darin befindet sich eine schwingende Membran, die den Klang erzeugt. Dieser wird in den hölzernen Schalltrichter übertragen, der ihn verstärkt wiedergibt. Der Plattenteller wird über einen aufziehbaren Federmechanismus gedreht. Seine Geschwindigkeit kann stufenlos eingestellt werden.

Ein spannender Moment war das Ausprobieren des Grammophons. Es ließ sich problemlos in Bewegung setzen, und dank einer neuen Nadel aus dem beiliegenden Fundus konnte auch sein Klang getestet werden. Der zufällig ausgewählte Tango „Du sollst nicht traurig sein“, dargeboten von Eric Harden mit seinem Tanzorchester, tönt verblüffend laut und klar aus dem Trichter – eine faszinierende und auch anrührende Erfahrung in Zeiten von MP3s und Streaming-Diensten.

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