Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

Gut behütet oder „unter die Haube gebracht?“ Ein Damenhut zeigt Geschichte

Der Hut ist goldfarben und hat eine Schleife.
Das Bild zeigt eine Gruppe Frauen und Männer vor einem Auto. Die Menschen sind modisch gekleidet.

Auch die modebewusste Dame aus Windsheim (ganz rechts im Bild) trägt zur Ausflugsfahrt einen Glockenhut. Um 1920. Fotoarchiv FFM.

Während die Frauen auf dem Land um 1920 noch weitgehend den regionalspezifisch-traditionellen Kleidungsstil pflegten und sich „in Tracht“ kleideten, beschäftigte die jungen, städtisch-modisch orientierten Frauen die Frage des Hutes. Denn in dieser Zeit war nicht mehr die Haube oder das Tuch, sondern der Hut fester Bestandteil der Damenmode und wurde zu Anlass und Tageszeit gewissenhaft ausgewählt. Wie die Mode, war auch er dem Wandel der Zeit unterworfen.

Generell besitzen Kopfbedeckungen im Zeichensystem der Kleider aufgrund ihrer Symbolik, Funktion und Aussagekraft zentrale Bedeutung. Einst Schutz vor Wettereinflüssen, wurden sie im Mittelalter zum modischen Accessoire und galten als Standeszeichen. Auf diese Zeit bezieht sich die Redewendung „unter die Haube kommen“: einer christlichen Tradition zufolge bis etwa 1800 mussten verheiratete Frauen ihr Haar unter einer Haube verbergen. Denn die verführerische Ausstrahlung des weiblichen Haares sollte dem Ehemann vorbehalten sein. Nur unverheiratete Mädchen durften ihre Haare offen tragen.   

Seit der Hut als weibliche Kopfbedeckung in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Männerhut abgewandelt wurde, erschien er in modischer Vielfalt. Diese gipfelte in der Zeit um 1900, als opulente Ausmaße der Krempen und die Üppigkeit des Hutschmucks lange Hutnadeln zur Befestigung am Haar der Trägerin erforderlich machten. Der Erste Weltkrieg brachte gesellschaftliche Veränderungen, die sich im Selbstverständnis der Frau und ihrer Kleidung abzeichneten.

Die neue Hutform, klein und glockig, wurde tief in die Stirn getragen und umhüllte Kopf und Gesicht. Diese sogenannte „Glocke“ oder „Toque“ entsprach dem neuen Lebensstil der aktiven Frau: auf dem Fahrrad, beim Autofahren und selbst abends – mit Strass, Federn oder Perlen besteckt, blieb sie praktisch und schlicht.

Enganliegend passte die Form in die beabsichtigte schmale Silhouette sowie zum neuen androgynen Verständnis von weiblicher Mode. Erst seit den 1960ger Jahren trug man auffällige Frisuren statt Hüte als Ausdruck von Persönlichkeit.