Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

Matrosenanzug – ein Klassiker für Knaben und Mädchen

Der Anzug ist blau. Das Hemd ist blau und hat weiße Streifen am Kragen. Die blaue Hose ist kurz.

Matrosenanzug von Bleyle, 1946 zur Erstkommunion in Dettelbach getragen. Inv.nr. 05/2899, im Museum seit 2008.

Der Matrosenanzug verbreitete sich am Ende des 19. Jahrhunderts von England aus und blieb bis in die 1930er Jahre ein Klassiker der Kinder- und Jugendbekleidung. Als bequemes und strapazierfähiges Kleidungsstück für Alltag und Festtag erfreute er sich in allen Bevölkerungsschichten großer Beliebtheit, bis die Nationalsozialisten ihn durch ihre eigene Jugenduniform ersetzten.

Der Arbeitskleidung englischer Matrosen entlehnt, wurde er zunächst in bürgerlichen Kreisen aufgenommen. Hatte doch Kaiser Wilhelm II. mit seinen Plänen, eine deutsche Flotte aufzubauen und das Land zur Seemacht zu machen, eine Marinebegeisterung ausgelöst. Schnell wurde der Matrosenanzug zur Festtagsbekleidung für den Nachwuchs gehobener Gesellschaftsschichten. Er erfüllte zudem die in dieser Zeit aufkommende Forderung nach kindgerechter Kleidung.

Blauer Kragen, Manschetten mit drei weißen Streifen und schwarzer Schlips waren die wesentlichen Merkmale. Die ersten Anzüge waren weiß, für den Sommer gab es auch gestreifte Modelle neben blauen Ausführungen in Stoff und Jersey für den Winter.

In der folgenden Zeit verbreitete sich der Matrosenanzug – für Mädchen entsprechend das Matrosenkleid – in einfacher Herstellung und aus günstigeren Stoffen als Kinderkleidung einfacher Leute und auf dem Land.

Seine Popularität machten ihn nicht nur zu einem der ersten und wichtigsten Produkte, sondern zum bekanntesten Modell der 1889 in Stuttgart gegründeten „Garnhandlung mit Fabrikation und Verkauf von gestrickter Ware“, der späteren Firma Bleyle.  

Vor dem Hintergrund der Kleiderreformbewegung und der Diskussion um gesunde, bequeme Kleidung wurde die luftdurchlässige Maschenware aus Wolle ein gefragter Artikel und trug wesentlich zum Erfolg der Firmengeschichte bei.

Auch in der Sammlung des Museums befindet sich ein solcher Klassiker! Er wurde 1946 zur Erstkommunion getragen.