Fotoaufnahme vom Inneren des Möbeldepots. Auf den Platten von mehreren übergroßen Tischen befinden sich etliche Stühle. Unter den Tischen stehen Sessel und Sofas auf Transportroller. An den Wänden im Hintergrund sind Regale mit Objekten erkennbar.

Nürnberger Bratwürste in Zinn?

eine aufwendig gearbeitete und verzierte Dose aus Zinn

privat; im Museum seit Januar 2017; Inventarnr. 17/1

Ovale Dosen dieser Form wurden wohl schon im 17. Jahrhundert von den Nürnberger Zinngießern gefertigt. Zwei grundlegende Typen sind weit verbreitet: Dosen mit glatter Wandung oder wie hier mit passig geschweifter. Die Herkunft der Bezeichnung als „Bratwurstdose“ ist bis heute nicht bekannt. Nachzuweisen ist sie erstmals in Auktionskatalogen des 19. Jahrhunderts. Auch die Funktion ist noch unklar: Vorstellbar ist, dass die Dosen dazu dienten, Bratwürstchen zu servieren oder die zubereiteten Würste von der Braterei für das Essen zu Hause abzuholen.

Ihrem Aussehen nach könnte die Dose aus unserer Sammlung im 18. Jahrhundert entstanden sein. Tatsächlich wurde sie aber erst am Ende des 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt. Die Zinngießerei Weygang in Öhringen hatte sich unter anderem darauf spezialisiert, historisierendes Zinn zu gießen und dieses in Verkaufskatalogen anzubieten. Mit einer Marke versehen wurden die Stücke oft mit Punzen, die ältere Meisterzeichen nachahmten. Das führt zum Teil bis heute noch zu Verwirrungen, wenn Kannen, Pokale oder Dosen als Originale angesehen werden.

Am 18. Mai 2019 eröffnet die Ausstellung "Zinnesrausch – Zinn im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim". Neben solchen historisierenden Objekten gibt es auch originale Vorbilder zu sehen, sowie ganz neues, massenhaft produziertes Zinn aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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